Haushalt 2026/27  So tiefrot sind die Auricher Finanzzahlen

| | 02.10.2025 13:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
•Von den Scheinen würde sich Kämmerin Katja Lorenz ein paar mehr wünschen für das leere Stadtsäckel. Foto: Romuald Banik
•Von den Scheinen würde sich Kämmerin Katja Lorenz ein paar mehr wünschen für das leere Stadtsäckel. Foto: Romuald Banik
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Kämmerin Katja Lorenz präsentierte den Ratspolitikern düstere Prognosen für 2026 bis 2030. Bürgermeister Horst Feddermann sprach von „schwindelerregenden Summen“.

Aurich - Ein düsteres Bild der Finanzlage der Stadt Aurich hat Bürgermeister Horst Feddermann am Mittwoch im Finanzausschuss gezeichnet. Kämmerin Katja Lorenz rechnet derzeit für 2026 mit einem Rekord-Minus von rund 17,8 Millionen Euro. In den Jahren danach wird es voraussichtlich kaum besser. Für 2027 wird mit minus 15,8 Millionen Euro gerechnet, für 2028 mit minus 12,8 Millionen Euro, 2029 mit 13,4 Millionen Euro und 2030 mit minus 14,3 Millionen Euro.

Damit summiert sich der Fehlbedarf in den nächsten fünf Jahren auf satte minus 74 Millionen Euro. Die Überschussrücklage, die derzeit noch bei rund 20 Millionen Euro liegt, ist in einem optimistischeren Szenario 2028 aufgebraucht – in einem weniger optimistischen schon 2027.

Im Haushaltsplan 2025 hatte die Stadt auch schon mit einem Rekorddefizit von minus 18,6 Millionen gerechnet. Dieses soll sich aber dank höherer Gewerbesteuereinnahmen auf rund zehn Millionen Euro reduzieren. Eine aktualisierte Einschätzung soll der Finanzbericht zum dritten Quartal liefern, so die Stadt auf Nachfrage.

Defizite lassen sich kaum noch auflösen

So oder so: „Das Zahlenwerk sieht nicht gut aus“, sagte Bürgermeister Feddermann. In den kommenden Jahren erwarte man „schwindelerregende“ Defizite, sodass man diese nicht mehr auflösen könne. „Das kennen wir so in dieser Höhe nicht“, sagte der Bürgermeister.

Immerhin sei man relativ gut durch die Krisen der vergangenen Jahre gekommen und habe den Haushalt stabilisieren können. „Ein wichtiger Anker war dabei die heimische Wirtschaft als Motor. Darüber bin ich froh“, so Feddermann. Dementsprechend rechnet die Stadt auch weiter mit recht ordentlichen Gewerbesteuereinnahmen. Für 2026 sind rund 30 Millionen Euro eingeplant, 2027 dann 31 Millionen, 2028 rund 32 Millionen Euro, 2029 rund 32, 7 Millionen Euro und 2030 sogar 33,4 Millionen Euro. Von den Rekordzahlen aus den „fetten“ 2010er-Jahren, als die Stadt mehr als 100 Millionen Euro Gewerbesteuereinnahmen verbuchte, ist man gleichwohl weit entfernt.

Bürgermeister: Sozialer Frieden in Gefahr

Grundsätzlich aber seien die Kommunen in Deutschland unterfinanziert, bekräftigte Feddermann noch einmal die Aussagen der „Auricher Erklärung“, die die Mitglieder des Niedersächsischen Städtetages vor wenigen Tagen beschlossen hatten. „Damit wir wieder Luft zum Atmen bekommen.“ Angesichts der miserablen Finanzlage sei am Ende nicht nur die kommunale Selbstverwaltung, sondern der gesamte soziale Frieden gefährdet, mahnte Feddermann. „Es ist dramatisch. Es ist nicht fünf vor Zwölf, sondern eins vor Zwölf.“

Erstmals plant die Stadt Aurich für 2026/27 einen sogenannten Doppelhaushalt. In den Beratungen in den nächsten Wochen soll versucht werden, das Minus noch etwas zu mindern.

Defizit soll noch gedrückt werden

Die Auricher Ratsmitglieder sind die roten Zahlen fast schon gewohnt: „Wie jedes Jahr ist das schwere Kost“, sagte der Vorsitzende der SPD-Fraktion, Harald Bathmann am Mittwoch im Finanzausschuss. „Wir müssen sparen, das ist klar“, so Bathmann. Immerhin habe er angesichts der nach wie vor soliden Wirtschaft vor Ort noch Hoffnungen auf Nachzahlungen bei der Gewerbesteuer, die dürfe man nie aufgeben so Bathmann. Dass die Personalausgaben weiter steigen, sei eine Auswirkung politisch ganz klar gewollter Beschlüsse. Die Stadt schaffe neue Stellen, weil die Überlastungsanzeigen „unerträglich“ geworden seien, so Bathmann.

Gossel: Spielraum für Politik immer kleiner

Der Vorsitzende der Gruppe CDU/FDP, Arnold Gossel, erinnerte daran, dass ein Großteil des Haushaltes stets aus sogenannten Pflichtaufgaben bestehe, „wo wir kaum etwas dran rütteln können“. Daneben gebe es rund zwölf bis 13 Millionen Euro Ausgaben für sogenannte freiwillige Leistungen, von denen aber viele gar nicht mehr als freiwillig wahrgenommen werden. „Einiges davon ist schon fast Pflicht, etwa die Sportstättenförderung“, sagte Gossel. Sein Fazit als erfahrener Finanzpolitiker: „Die bewegliche Masse, die wir politisch verändern können, wird von Jahr zu Jahr kleiner.“

Und auch beim Landkreis, wo Gossel Vorsitzender des Finanzausschusses ist, habe man kaum Möglichkeiten zur Entlastung – bei einem Defizit, das sich voraussichtlich auf minus 40 Millionen Euro zubewegt.

Defizit soll noch gedrückt werden

Bürgermeister Horst Feddermann wollte aber unbedingt darin erinnern, dass ein Minus von 40 Millionen bei einem Gesamtbudget von rund 550 Millionen ein deutlich kleinerer Anteil ist als ein Defizit von 20 Millionen bei einem Budget von 100 Millionen Euro wie bei der Stadt. Eigentlich sollte der Kreishaushalt 2026 vor wenigen Tagen vorgestellt werden. Die Sitzung wurde jedoch auf Ende Oktober verschoben.

In den nun startenden Beratungen über den städtischen Doppelhaushalt 2026/27 soll versucht werden, das erwartete Defizit noch deutlich zu drücken, hieß es von der Kämmerei. Der Leiter des Fachdienstes Finanzen, Heiko Denekas, räumte ein, er habe sich „teilweise die Haare gerauft“ bei den Mittelanmeldungen der Fachdienste. Einige Ansätze seien viel zu hoch, denn soviel Geld könnten die Bereiche oft gar nicht in einem Jahr ausgeben, so Denekas. Er berichtete auch von einem starken Anstieg der Personalkosten auf gut 42 Millionen Euro im Jahr 2026 und fast 44 Millionen im Folgejahr. Auch hier solle noch einmal nachgerechnet werden.

Trotz allem weiter hohe Investitionen geplant

Denekas präsentierte auch die Zahlen für die wesentlichen Investitionen der nächsten Jahre. So rechne man bei der Stadtentwässerung mit gut 43 Millionen Euro zwischen 2026 und 2030. Das sei deutlich zuviel, so Denekas. Für den Brandschutz, etwa für den Neubau des Auricher Feuerwehrhauses, rechne man mit 15,3 Millionen Euro in dem Vier-Jahres-Zeitraum, für Kitas mit 13,5 Millionen Euro und für Straßen, etwa die Sanierung der Glupe, mit rund 12,3 Millionen Euro. Immerhin 6,1 Millionen Euro stehen für die weitere Konversion der früheren Kaserne und rund fünf Millionen Euro für die Grundschulen im Plan.

Verschuldung steigt massiv

Die langfristige Verschuldung wird laut Denekas aufgrund der notwendigen Investitionen von derzeit rund 90 Millionen auf rund 165 Millionen Euro im Jahr 2030 massiv ansteigen. Auch die kurzfristigen Kassenkredite steigen laut Finanzplan massiv und vervielfachen sich – von derzeit rund 25 Millionen auf 84,2 Millionen Euro im Jahr 2030.

In den kommenden Wochen soll der Auricher Doppelhaushalt 2026/27 in den Fachausschüssen beraten werden – auch die Ortsräte werden angehört. Am 3. Dezember soll dann der Finanzausschuss abschließend beraten, am 8. Dezember der Verwaltungsausschuss. Am 11. Dezember soll dann der erste Doppelhaushalt der Auricher Geschichte im Rat beschlossen werden – trotz tiefroter Zahlen.

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