Nach Urteil in Missbrauchsprozess Zuschauer verlassen wütend den Gerichtssaal in Aurich
Noch während der Begründung des Urteils gegen ein Ehepaar aus Südbrookmerland verließen am Donnerstagmorgen Zuschauer wütend den Gerichtssaal. Dabei fielen auch Beschimpfungen.
Aurich/Südbrookmerland - Als Richter Bastian Witte am Donnerstagmorgen die Strafen verkündete, die das Gericht gegen einen 34-jährigen Mann und seine 32-jährige Frau verhängt hatte, ging bereits ein Raunen durch den Gerichtssaal. Wegen des mehrfachen und teils schweren sexuellen Missbrauchs seiner damals neun Jahre alten Nichte muss der 34-Jährige für sieben Jahre und drei Monate ins Gefängnis. Seine Frau wurde wegen Beihilfe zu vier Jahren und drei Monaten verurteilt. Einigen Prozessbeobachtern schienen diese Strafen jedoch zu gering zu sein. Sie verließen wütend und schimpfend den Saal.
„Das Kind wird nie wieder glücklich“, schimpfte eine Zuhörerin, die während des Verfahrens auch als Zeugin vernommen worden war. „Packvolk“ sagte ein anderer. Ob er damit die Angeklagten, das Gericht oder andere Anwesende meinte, blieb unklar.
Ungewöhnlich großes Interesse an Prozess
Bereits vor Sitzungsbeginn am Donnerstag hatten einige Besucher ihre Hoffnung auf eine möglichst hohe Strafe kundgetan. Selbst von der Todesstrafe, die es in Deutschland nicht gibt, soll vereinzelt gesprochen worden sein. Das berichteten andere Prozessbeobachter.
Der Prozess hatte von Beginn an für ein vergleichsweise großes öffentliches Interesse gesorgt. An allen Verhandlungstagen fanden sich zahlreiche Zuschauer im Landgericht ein. Zum Prozessauftakt vor einigen Wochen blieb kein einziger Platz des großen Schwurgerichtssaals leer. Viele der Zuschauer schienen aus dem Umfeld der beiden Angeklagten oder des Opfers der Taten zu kommen.
Nach der Urteilsverkündung blieben einige von ihnen noch eine Weile vor dem Eingang des Gerichts stehen und tauschten sich über den Ausgang des Verfahrens aus. Auch dort schien das Unverständnis für eine in Augen der Beobachter zu geringe Strafe zu überwiegen.