Klarstellung der Behörde Fledermauswald bleibt vorerst stehen
Der Fledermauswald in Forlitz-Blaukirchen bleibt stehen – zumindest vorerst. Das stellt die zuständige Behörde klar. Was der Grund ist und wie sie zu kursierenden Informationen und Vorschlägen steht.
Forlitz-Blaukirchen - In Forlitz-Blaukirchen ist die drohende Abholzung des Fledermauswaldes in den Meeden seit Wochen das bestimmende Thema. Am Sonnabend fand die Geschichte mit einer groß angelegten Demonstration ihren vorläufigen Höhepunkt. Dort, in Gesprächen und in Beiträgen in sozialen Medien kursieren seit Bekanntwerden der Pläne die unterschiedlichsten Informationen, Lösungsvorschläge und Gerüchte. Jetzt hat der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) zu einigen Punkten ausführlich Stellung genommen. Die Behörde ist für die Umsetzung eines Managementplanes für das Schutzgebiet verantwortlich, zu dem der Wald gehört. Eine Aussage: „Entgegen mancher Behauptung steht eine Rodung des Wäldchens nicht unmittelbar bevor.“
Behörde begrüßt Einsatz für Naturschutz
Wie berichtet, steht die geplante Rodung in Zusammenhang mit dem Wiesenvogelschutz. Um die Bedingungen für Kiebitz, Uferschnepfe und Co. zu verbessern, soll der vor Jahrzehnten gepflanzte, überwiegend aus Erlen bestehende Wald gefällt werden. Das Problem: Über die Jahre haben sich dort andere, ebenfalls geschützte Arten angesiedelt. In der Bevölkerung herrscht Unverständnis dafür, dass zugunsten der Wiesenvögel die Interessen anderer Arten hintenangestellt werden sollen. Plakativ für den Einsatz der Abholzungsgegner steht die Rauhautfledermaus, die in dem Wald nachgewiesen wurde.
„Wir haben großes Verständnis dafür, wenn das Fällen von Bäumen aus Motiven des Naturschutzes heraus auf den ersten Blick irritiert und auch Wiederstände auslöst“, schreibt der NLWKN. Dass sich Menschen in der Region für die Belange der Rauhautfledermäuse interessierten und im Rahmen einer Demonstration eingesetzt hätten, werde ausdrücklich begrüßt. Auch dem NLWKN sei das Wohl der im Erlenwäldchen vorkommenden Fledermausarten ein wichtiges Anliegen. Maßgabe der Planungen rund um das Niedermoorgebiet, in dem sich das Wäldchen befindet, sei von Anfang an gewesen, die Interessen aller hier vorkommenden Artengruppen bestmöglich miteinander zu vereinbaren. Dies sei auch eine der Auflagen des entsprechenden Planfeststellungsbeschlusses, der diese bereits vor Jahren und unter Beteiligung der Öffentlichkeit sorgfältig abgewogen und hierzu glasklare Vorgaben gemacht habe.
Beschluss: Rodung erst bei erfolgter Umsiedlung
Der Planfeststellungsbeschluss sehe vor, dass eine vollständige Entfernung des Erlenwäldchens in Forlitz erst erfolgen könne, wenn der Erfolg der bereits eingeleiteten Umsiedlungsmaßnahmen für die Rauhautfledermäuse gesichert ist. Die in diesem Sommer vorgenommenen Markierungsarbeiten im Wäldchen dienten genau diesem Zweck – der Sichtbarmachung noch vorhandener Bestände, nicht der Markierung zu entfernender Bäume.
Für die kommenden Monate seien bereits weitere Anstrengungen mit Blick auf Alternativangebote für die Fledermäuse geplant. So habe der NLWKN bereits freiwillig eine Fläche von 6,97 Hektar außerhalb der Wiesenvogellebensräume im Landkreis Aurich erworben, die teilweise mit Moorbirkenwald bestanden sei und der natürlichen Waldentwicklung überlassen werde. „Davon werden auch die Rauhautfledermäuse in der Region profitieren.“
Darüber hinaus stehe man weiter zu der naturschutzfachlichen Bewertung, dass eine Wiedervernässung des Niedermoorgebiets für den Naturschutz, aber auch den Klimaschutz deutlich positivere Effekte habe als der Erhalt einer „in Monokultur angelegten, gebietsuntypischen Waldfläche.“ Dabei gehe es – auch das komme in der Debatte etwas zu kurz – nicht nur um das 2,5 Hektar große Wäldchen selbst. Dieses liegt mitten in einer insgesamt rund 146 Hektar großen Projektfläche im Bereich des Siers- und Herrenmeeder Meeres, die wiedervernässt und damit in ihren naturnahen Zustand zurückversetzt werden solle. Es gehe dabei um die substanzielle Verbesserung von Brut- und Nahrungsgebieten extrem bedrohter Vogelarten der für diese Region eigentlich typischen Feuchtwiesen. Die abschreckende Wirkung von Wäldern auf diese Vogelarten sei wissenschaftlich nachgewiesen. „Der Erhalt des Waldes würde angesichts des ausgeprägten Vermeidungsverhaltens der Tiere über mehrere hundert Meter rund um den Baumbestand alle Bemühungen, die umfangreichen umliegenden Flächen wieder für Wiesenvögel attraktiver zu machen, konterkarieren.“ Deshalb sei auch der vorgeschlagene Flächentausch keine Option.
Auch die Argumentation, die Rodung des Wäldchens stehe dem Klimaschutz entgegen, trifft laut NLWKN an diesem Standort nicht zu. Zwar könne ein intakter Wald in Mitteleuropa tatsächlich langfristig bis zu drei Tonnen CO2 pro Hektar und Jahr speichern. Bei einem Gehölzbestand auf entwässertem Moorboden wie in Forlitz überwiege jedoch die Emission aus der Zersetzung des Torfs deutlich. Komme es auf einer solchen Fläche zu einer Wiedervernässung dieses Ökosystems, könnten die jährlichen Emissionen langfristig auf null bis acht Tonnen CO2 pro Hektar und Jahr verringert werden. Die Wiedervernässung des Niedermoors sei also aus Klimaschutzperspektive „ganz eindeutig der hilfreichere Weg.“
Beweidung und Festmist reichen nicht
Einer Meinung mit Hansjörg Heeren vom Friesischen Verband für Naturschutz ist der NLWKN in einem anderen Punkt. Heeren hatte in einem Videobeitrag sinngemäß gesagt, dass sich eine extensive Beweidung und das Ausbringen von Festmist positiv auf die Wiesenvogelpopulation auswirken würden. Dem stimmt der NLWKN grundsätzlich – standortabhängig – zu. „Sie alleine lösen die Probleme allerdings leider nicht, die zu den Bestandsrückgängen der Wiesenbrüter geführt haben“, schränkt der Landesbetrieb jedoch ein. Wiesenvögel bräuchten im Brutgebiet große grünlandgeprägte Landschaften, ein sehr hohes Maß an Offenheit ohne vertikale Strukturen, geringe Störungsintensitäten, hohe Wasserstände mit zeitweise flach überfluteten Bereichen und eine angepasste Grünlandbewirtschaftung. „Genau das wollen wir im Bereich des Siers- und Herrenmeeder Meeres durch unser Projekt begünstigen.“
Unterdessen schlägt sich im Auricher Kreistag nach der Freien Wählergemeinschaft eine weitere Fraktion auf die Seite der Abholzungsgegner. Die Fraktion „Moin, Herr Weiss“ unterstützt nach eigenen Angaben sämtliche Bemühungen zum Erhalt des Waldes. Das große Engagement der beiden Ortsvorsteher und der Protest der rund 200 Demonstranten für den Erhalt des Fledermauswaldes sei herausragend. Erschrocken sei man hingegen „von der Untätigkeit der Naturschutzorganisationen, insbesondere des Nabu. Sind eventuell nicht zugeteilte Fördergelder die Ursache?“, fragen die Politiker, die zugleich das Engagement des FVN begrüßen.