Nach Gremiensitzung in Aurich  Klinikchef räumt „Fehler“ ein – bekommt aber Rückendeckung

| | 09.09.2025 18:13 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Am Dienstag bei der Aufsichtsratssitzung in Aurich (von links): Klinikchef Dirk Balster, Aufsichtsratsvorsitzender und Emder Oberbürgermeister Tim Kruithoff und der Auricher Landrat Olaf Meinen. Foto: Klaus Ortgies
Am Dienstag bei der Aufsichtsratssitzung in Aurich (von links): Klinikchef Dirk Balster, Aufsichtsratsvorsitzender und Emder Oberbürgermeister Tim Kruithoff und der Auricher Landrat Olaf Meinen. Foto: Klaus Ortgies
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Das Zeitungsverkaufsverbot sei „nicht zielführend“ gewesen, wird Dirk Balster nach einer Gremiensitzung zitiert. Die Kommunikation solle verbessert werden. Personelle Konsequenzen gibt es nicht.

Aurich - In der Debatte um das von Klinikchef Dirk Balster verhängte Verkaufsverbot von Tageszeitungen hat dieser jetzt einen „Fehler“ eingeräumt. Personelle Konsequenzen für den Geschäftsführer der Trägergesellschaft der Kliniken Aurich-Emden-Norden gibt es aber nach einer Sitzung von Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung am Dienstagnachmittag in Aurich nicht. „Die Herausnahme lokaler Zeitungen aus dem Verkaufsangebot klinikeigener Cafés war nicht zielführend“, wird Balster in einer Mitteilung nach der Sitzung zitiert. „In der Rückschau ist das ein Fehler gewesen“, heißt es darin.

Laut Mitteilung hatten die Gremienmitglieder bei der Sitzung im Auricher Seminarhotel ihr Missfallen gegenüber der Entscheidung von Balster einhellig zum Ausdruck gebracht.

Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung aber nahmen die nun gemachten Äußerungen Balsters „positiv zur Kenntnis“. Sie beschlossen auf Vorschlag des Geschäftsführers, die „Ablauforganisation der Kommunikation der Trägergesellschaft zeitnah mit interner und externer Unterstützung neu aufzustellen und den konstruktiven Austausch mit den Medien gezielt zu intensivieren“, wie es in der Mitteilung heißt.

Zugleich betonten Geschäftsführung und Gremien die „Bedeutung einer sachgerechten und ausgewogenen Berichterstattung über die Arbeit der medizinischen Teams“. Das sei Grundlage für Vertrauen zwischen Kliniken, Mitarbeitenden und Öffentlichkeit, heißt es.

Aufsichtsrat und Gesellschafter loben „sehr erfolgreiche Zusammenarbeit“

Ungeachtet der Diskussionen sicherten Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung Geschäftsführer Balster einhellig ihre volle Unterstützung zu: „Der Aufsichtsrat und die Gesellschafter setzen auf die Fortführung der sehr erfolgreichen Zusammenarbeit mit Herrn Balster, so wie es auch schon von den leitenden Angestellten und der Personalvertretung der Kliniken öffentlich gefordert wurde“, teilten der Aufsichtsratsvorsitzende und Emder Oberbürgermeister Tim Kruithoff und der Auricher Landrat Olaf Meinen mit.

Vor der Sitzung in Aurich (von rechts): Der Auricher Landrat Olaf Meinen, der Emder Oberbürgermeister und Klinik-Aufsichtsratsvorsitzende Tim Kruithoff und Klinik-Geschäftsführer Dirk Balster. Foto: Klaus Ortgies
Vor der Sitzung in Aurich (von rechts): Der Auricher Landrat Olaf Meinen, der Emder Oberbürgermeister und Klinik-Aufsichtsratsvorsitzende Tim Kruithoff und Klinik-Geschäftsführer Dirk Balster. Foto: Klaus Ortgies

Hintergrund: Klinikchef Balster hatte nach kritischen Berichten in einer Mitteilung die ostfriesische Presse massiv angegriffen. Die Chefredaktionen der Zeitungen wiesen die Vorwürfe gemeinsam zurück. Wenig später ordnete Balster ein Verkaufsverbot für ostfriesische Zeitungen in den Kliniken an. Das stieß auf Kritik und Empörung bei vielen Bürgern und Teilen der Politik, auch bundesweit. Viele sahen einen Verstoß gegen die Pressefreiheit. Nach Intervention von Kruithoff und Meinen wurde das Verbot zurückgenommen.

Thema kommt auch noch in den Kreistag

Neben dem zwölfköpfigen Aufsichtsrat tagte zugleich die sechsköpfige Gesellschafterversammlung. Beide Gremien bestehen aus Kreistags- und Emder Ratsmitgliedern der beiden größten Fraktionen SPD und CDU beziehungsweise deren Vertretern, Betriebsräten und den beiden Verwaltungschefs, dem Auricher Landrat Olaf Meinen und dem Emder Oberbürgermeister Tim Kruithoff (beide parteilos).

Die kleineren Fraktionen in Kreistag und Stadtrat sind nicht vertreten. Aus ihren Reihen war zum Teil deutliche Kritik am Verhalten Balsters gekommen. Die Linken in Aurich forderten eine Rüge für Balster, die GfE in Emden sogar dessen Abberufung.

Ganz erledigt ist die „Causa Balster“ nach den Gremiensitzungen noch nicht. Am Donnerstag, 18. September, soll das Thema in der öffentlichen Sitzung des Auricher Kreistags auf die Tagesordnung kommen (15 Uhr, Stadthalle Aurich). Das haben die Fraktionen von Grünen und „Moin Herr Weiss“ beantragt.

„In vielen Bereichen positive Entwicklung“

Unabhängig von der Debatte um den Konflikt der Presse wird in der Mitteilung auf „eine in vielen wichtigen Bereichen positive Entwicklung“ der Trägergesellschaft hin. Sowohl das Konzernjahresergebnis von 2024 als auch Ergebnis, Leistungszahlen und Personalentwicklung 2025 zeigen demnach „eine deutliche Aufwärtsdynamik“, heißt es.

Demnach konnte der Gesamtkonzern, also alle Häuser und Tochtergesellschaften, im Jahr 2024 gegen den bundesweiten Trend eine deutliche Verbesserung des operativen Ergebnisses erreichen.

Die Standorte Emden und Aurich konnten den Angaben zufolge bis zu elf Prozent „Leistungszuwachs im somatischen Bereich“ gegenüber 2023 realisieren. Der Standort Norden habe sich ganzjährig bei „konsequenten Restrukturierungsmaßnahmen“ als „eines der leistungsfähigsten RGZ in Niedersachsen“ etabliert.

Des weiteren haben die psychiatrischen Abteilungen in Norden und Emden 2024 rund fünf Prozent mehr Patienten behandelt. Zudem konnten rund 80 Mitarbeiter für die Arbeit in den medizinischen Teams gewonnen werden. Das operative Konzernergebnis verbessere sich dadurch um rund acht Millionen Euro; das Jahresergebnis um sechs Millionen Euro.

Jahresergebnisse verbessern sich

Die positive Entwicklung dauere auch im ersten Halbjahr 2025 an. Am Klinikum Emden gebe es einen „konsequenten Ausbau des Leistungsangebots, insbesondere im chirurgischen Bereich (Thoraxchirurgie, Gefäßchirurgie, Viszeralchirurgie) sowie eine weitere der Etablierung der Gastroenterologie. Im Klinikum Emden gibt es den Angaben zufolge acht Prozent mehr Patientenleistungen als im Vorjahr. Die Hochrechnung für das Jahresergebnis 2025 sehe aktuell eine Verbesserung gegenüber dem Planergebnis um rund eine Million Euro vor.

In der Ubbo-Emmius-Klinik Aurich/Norden gebe es eine „konstante Leistungssituation“ trotz „systemischer DRG-Abwertung in Schlüsselangeboten (Kardiologie, Geburtshilfe, Allgemeinchirurgie)“. Erfolgreich sei zudem die Kooperation mit der Tochtergesellschaft MVZ Dr. Wunsch. Dessen Zertifizierung als Brustkrebszentrum sei für 2026 geplant.

Zudem sei dei Interventionelle Kardiologie als Weiterbildungsstätte anerkannt worden, es seien hochmoderne Behandlungs- und Operationsverfahren eingeführt worden, etwa in der Gastroenterologie und Kardiologie. Geburtshilfe und Pädiatrie seien zum fünften Mal als „baby- und stillfreundlich“ zertifiziert worden, das sei ein „Alleinstellungsmerkmal in der Region“.

In Norden habe sich das Regionale Gesundheitszentrum (RGZ) als erfolgreichste derartige Einrichtung in Niedersachsen etabliert, ebenso als Partner im Projekt „Statamed“.

Die Hochrechnung des Jahresergebnisses 2025 sieht für die UEK Aurich/Norden den Angaben zufolge eine Verbesserung gegenüber dem Planergebnis um rund eine Million Euro vor.

Die absoluten Zahlen der Jahresergebnisse werden in der Pressemitteilung allerdings nicht genannt.

2023 erreichte das Konzerndefizit seinen bisherigen Höchststand von minus 29 Millionen Euro. Ausgeglichen wird dieses zu 70 Prozent vom Landkreis Aurich und zu 30 Prozent von der Stadt Emden. Gemeinsam bauen die Gebietskörperschaften die Zentralklinik in Uthwerdum (Südbrookmerland).

Deutlich weniger Kosten für Honorarärzte

Standortübergreifend sollen sich durch den „deutlichen Personalaufbau unter anderem im Ärztlichen Dienst“ die Honorararztkosten im Jahr 2025 halbieren – um minus vier Millionen Euro gegenüber 2023.Und weiter heißt es in der Mitteilung nach der Gremiensitzung: „Die Kliniken verbessern und verbreitern stetig ihre Leistungsangebote und ihre Versorgungsstabilität mit eigenen Teams und eigenen Mitarbeitern. Hiermit wird die Perspektive, die Zentralklinik Ostfriesische Meere mit einer hohen Auslastung und moderner, patientenorientierter Medizin zu betreiben, immer greifbarer und damit realer. Die Bündelung der drei Standorte an einem wird viele im heutigen Bestand nicht mehr lösbare Herausforderungen obsolet machen; die Attraktivität als vor dem Hintergrund der Krankenhausreform sicherer Arbeitgeber mit einem spannenden medizinischen Leistungsangebot wird hierdurch noch weiter zunehmen.“

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