Guerilla-Aktion  Stadt Aurich staunte über Fahrradpiktogramme

| | 02.09.2025 08:53 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Gerade an der Einmündung des Hoheberger Wegs in die Große Mühlenwallstraße ist der Raum für die Verkehrsteilnehmer knapp. Foto: ADFC
Gerade an der Einmündung des Hoheberger Wegs in die Große Mühlenwallstraße ist der Raum für die Verkehrsteilnehmer knapp. Foto: ADFC
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Auf dem Hoheberger Weg tauchten plötzlich weiße Zeichen auf der Fahrbahn auf. Während der ADFC sich freute, ließ die Stadt die Piktogramme schnell wieder entfernen. Ein teurer Spaß.

Aurich - Da staunte die Stadtverwaltung nicht schlecht - und ärgerte sich zugleich. Unbekannte haben in der Nacht zu Freitag, 22. August 2025, illegal Fahrradpiktogramme auf die Fahrbahn des Hoheberger Wegs in Aurich aufgebracht. Die Stadt Aurich und die Polizeiinspektion Aurich/Wittmund bitten nach Angaben von Stadtsprecher Cord Cordes mögliche Zeugen um Hinweise zur Aufklärung des Vorfalls.

Insgesamt wurden fünf Piktogramme auf die Fahrbahn des Hoheberger Wegs im Abschnitt zwischen Pferdemarkt-Kreuzung und der Einmündung zum Hammerkeweg aufgebracht. Dies stelle einen Eingriff in die Straßenverkehrssicherheit dar, so Cordes. Entsprechend schnell seien die Piktogramme von einer Spezialfirma mittels Trockeneisspritzen wieder entfernt worden.

Reinigung kostete allein gut 1000 Euro

Diese Arbeiten haben Kosten in Höhe von gut 1000 Euro verursacht. Jedoch konnten die Piktogramme laut Cordes nicht rückstandslos entfernt werden, sodass eine dauerhafte Schädigung des Straßenbelags nur durch das Abfräsen und Neuversiegeln der betroffenen Stellen verhindert werden könne. Die Gesamtschadenshöhe dürfte daher deutlich höher sein. Die Stadt Aurich hat in diesem Zusammenhang Strafantrag gestellt. Wie Stadtbaurat Mirko Wento im Umweltausschuss sagte, finde die Stadt die Guerilla-Aktion überhaupt nicht witzig.

In anderen Straßen hat die Stadt selbst Piktogramme veranlasst, um die Autofahrer darauf aufmerksam zu machen, dass dort Radfahrer auf der Fahrbahn fahren dürfen. Im vergangenen Jahr wurden diese Hinweise laut Cordes in den Straßen Breiter Weg, Extumer Weg, Johannes-Diekhoff-Straße, Raiffeisenstraße, Ems-Straße und Popenser Straße aufgebracht. Auf der Fahrbahn des Hoheberger Wegs könne ein Aufbringen entsprechender Piktogramme nicht erfolgen, „da die hierfür erforderlichen rechtlichen Voraussetzungen derzeit nicht vorliegen“, so der Stadtsprecher.

Hinweise zur Aufklärung des Vorfalls nimmt die Stadt Aurich unter schaden@stadt.aurich.de oder Tel. (04941) 12 31 01 entgegen. Zeugen können sich auch an die Polizeiinspektion Aurich/Wittmund unter Tel. (04941) 60 62 15 wenden.

ADFC zeigte sich erfreut, aber auch kritisch

Der ADFC hatte die Piktogramme auf dem Hoheberger Weg auch schnell bemerkt. Er lobte in einer Stellungnahme die Stadt am 22. August umgehend für die Umsetzung der bestehenden Idee. „Endlich wird für alle sichtbar, dass auf dem Hoheberger Weg der Radverkehr im Regelfall auf der Fahrbahn stattfindet. Das ist ein erster, wichtiger Schritt zu mehr Sicherheit für Radfahrende“, so ADFC-Vorstandssprecher Albert Herresthal. Weitere müssten folgen, beispielsweise Tempo 30 auf dem Abschnitt, auf dem es keinen eigenständigen Radweg gebe.

Die Ränder der Guerilla-Piktogramme waren verschmiert. Foto: ADFC
Die Ränder der Guerilla-Piktogramme waren verschmiert. Foto: ADFC

Der Wunsch nach Fahrrad-Piktogrammen und einem Tempo-30-Abschnitt entstand im Herbst 2023. Seitdem ist die Nebenanlage des Hoheberger Weges als Gehweg definiert. Das Radfahren ist dort zwar grundsätzlich zugelassen, aber nur in Schrittgeschwindigkeit. Eine Geschwindigkeit von 4 bis 7 Stundenkilometern sei für Radfahrende in der Regel aber unrealistisch, so Herresthal.

Die Umwidmung des ehemals gemeinsamen Zwei-Richtungs-Rad- und Gehwegs zum reinen Gehweg vor fast zwei Jahren war rechtlich notwendig, weil der Weg zu schmal ist, um die hohe Frequenz an Fußgängern und Radfahrern sicher aufzunehmen.

Viele Radfahrer nutzten dennoch weiterhin den Gehweg, was dort zu vielen Konflikten und kritischen Situationen führe und im Falle eines Unfalls den Radfahrern eine große Verantwortung aufbürde, so der ADFC. Andererseits würden die Radfahrer, wenn sie die Fahrbahn nutzten, vielfach vom motorisierten Verkehr bedrängt, weggehupt oder gefährlich eng überholt.

Hoffnung auf verbesserte Verkehrsführung durch Kasernenentwicklung

Der ADFC schrieb am 22. August, dass nun die Hoffnung bestehe, dass sich die Situation durch die Piktogramme auf der Fahrbahn entspanne. Dies könne aber nur ein erster Schritt für die Verkehrssicherheit sein, denn erst durch Tempo-30 auf dem Abschnitt zwischen Pferdemarkt und Arbeitsamt werde sich die Situation grundlegend entspannen. Eine Temporeduzierung verringere die Differenzgeschwindigkeit zwischen Fahrrad und Kfz deutlich. Dadurch werde das regelkonforme Radfahren auf der Fahrbahn deutlich sicherer.

Damit ist es nun aber Essig. Es gibt weder das neue Tempolimit noch die Piktogramme. Wento konnte auf eine Anfrage in der Bürgerfragestunde im Umweltausschuss hin aber etwas Mut machen, dass die Situation im Hoheberger Weg mittelfristig stellenweise entschärft wird. Wenn die Entwicklung des Kasernen-Areal weiter voranschreite, werde es auch um die Nebenanlagen am Hoheberger Weg gehen. Dann werde sich die Verkehrsführung immerhin auf einem Teilstück des Hoheberger Wegs verbessern. Die Planungen sollen im nächsten Jahr beginnen. Umgesetzt werden könne das Projekt aber frühestens 2027.

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