Prozess in Aurich  Vorwurf – neunjährige Nichte mit Unterstützung der Ehefrau missbraucht

| | 27.08.2025 16:19 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Der Angeklagte wurde am Mittwochmorgen in Handschellen in den Gerichtssaal geführt und nahm neben seinem Verteidiger, dem Auricher Rechtsanwalt Joachim Müller, Platz. Foto: Holger Janssen
Der Angeklagte wurde am Mittwochmorgen in Handschellen in den Gerichtssaal geführt und nahm neben seinem Verteidiger, dem Auricher Rechtsanwalt Joachim Müller, Platz. Foto: Holger Janssen
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Ein 34-jähriger Mann aus Südbrookmerland soll über Jahre seine eigene Nichte sexuell missbraucht und vergewaltigt haben – und zwar mit Unterstützung seiner Frau. Was dazu bisher bekannt ist.

Aurich/Südbrookmerland - Kopfschütteln und Fassungslosigkeit: Das waren die Reaktionen im Zuschauerraum des Auricher Landgerichts, als ein Vertreter der Staatsanwaltschaft am Mittwochmorgen die Vorwürfe gegen ein Ehepaar aus Südbrookmerland vorlas. Einem 34-jährigen Mann wird unter anderem vorgeworfen, die eigene Nichte über Jahre immer wieder sexuell missbraucht und möglicherweise auch vergewaltigt zu haben. Seine Frau soll ihn dabei unterstützt und die zahlreichen Treffen „vermittelt“ und teilweise sogar Fotos davon gemacht haben. Das mutmaßliche Opfer war zum Zeitpunkt der ersten dem Paar vorgeworfenen Tat gerade einmal neun Jahre alt.

Das wird den Angeklagten vorgeworfen

In Handschellen wurden die beiden Angeklagten am Mittwochmorgen in den Schwurgerichtssaal des Auricher Landgerichts geführt. Beide befinden sich derzeit in Untersuchungshaft – er in Oldenburg und sie in Vechta. Anfang März dieses Jahres waren sie festgenommen worden. Für den ersten Verhandlungstag war lediglich die Verlesung der Anklage – sie umfasst für beide Angeklagten mehr als 20 Taten – vorgesehen. Das damals neunjährige mutmaßliche Opfer ist laut Anklage die Hauptbetroffene einer ganzen Serie von Taten. Die Rede war aber auch noch von zwei jugendlichen Mädchen, die der Angeklagte sexuell belästigt haben soll. Darüber hinaus wird ihm der Besitz kinderpornografischer Inhalte vorgeworfen.

Die beschuldigte Ehefrau wird von dem Esenser Rechtsanwalt Heiko Rahmann vertreten. Foto: Holger Janssen
Die beschuldigte Ehefrau wird von dem Esenser Rechtsanwalt Heiko Rahmann vertreten. Foto: Holger Janssen

Was die Nichte des Paares betrifft, begannen die Taten bereits im Jahr 2022. Das Mädchen lebte seinerzeit in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Beschuldigten. Laut Anklage habe die 32-Jährige ihrer Nichte geschrieben, ob sie nicht „zum Kuscheln“ rüberkommen wolle. Später sei es dann zum ersten Übergriff des Mannes auf die Neunjährige gekommen.

Derartige Taten habe es in der Folge immer wieder gegeben – mal in kürzeren und mal in längeren Abständen. In allen Fällen sei es die 32-jährige Tante des Mädchens gewesen, die mit ihr Kontakt aufgenommen und sie ihrem Mann „zugeführt“ habe. Mutmaßlich, so die Anklage, um ihre Ehe aufrechtzuerhalten.

Opfer soll Tante um Hilfe gebeten haben – vergebens

Genauer ausgeführt wurde diese Annahme am ersten Verhandlungstag noch nicht. Allerdings findet sich in der Anklageschrift an anderer Stelle noch ein ähnlicher Sachverhalt. So habe die Frau einmal eine solche „Vermittlung“ vorgenommen, um von ihrem Mann die Erlaubnis zu bekommen, das Haus zu verlassen. Dieser Erlaubnis habe er sich jedoch verweigert. Auch zu diesem Vorfall wurden noch keine näheren Angaben gemacht.

Besonders groß war die Bestürzung im Publikum bei einer anderen Tat. So habe sich das Mädchen hilfesuchend an ihre Tante gewandt und sie gebeten, „dazwischenzugehen“, als sich der Beschuldigte abermals an der Neunjährigen vergriff. Doch statt ihrer Nichte zu helfen, habe die Angeklagte die Taten fotografiert.

Einige Zuschauer verließen während der Verlesung der Anklage den Sitzungssaal, andere brachen zeitweise in Tränen aus. Die beiden Beschuldigten nahmen die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft dagegen weitgehend regungslos zur Kenntnis.

Angeklagter kündigt Teilgeständnis an

Nicht so die Eltern des mutmaßlichen Opfers, die, vertreten von Rechtsanwalt Arno Saathoff, als Nebenkläger auftreten. Sie waren sichtlich mitgenommen, als sie die detaillierte Aufstellung dessen, was ihrer Tochter laut Anklageschrift widerfahren ist, hörten.

Weil für das beschuldigte Ehepaar am Mittwoch noch ein anderer Gerichtstermin anstand, kam es nach der Verlesung der Anklage zu keinen weiteren Erörterungen. Die soll es erst in der Fortsetzung am 10. September geben. Dann haben die Angeklagten Gelegenheit, sich zu den Vorwürfen zu äußern. Joachim Müller, Verteidiger des 34-Jährigen, kündigte in diesem Zusammenhang ein Teilgeständnis seines Mandanten an. Ob sich auch die 32-Jährige zu den Vorwürfen äußern wird, steht dagegen noch nicht fest, wie ihr Verteidiger Heiko Rahmann sagte.

Wenig Hoffnung gibt es derzeit darauf, dass dem mutmaßlichen Hauptopfer der vorgeworfenen Taten eine quälende Aussage vor Gericht erspart wird. Joachim Müller kündigte jedenfalls an, voraussichtlich nicht auf ihre Aussage verzichten zu können.

Darüber hinaus dürften noch weitere Zeugen zu Wort kommen. Für den Prozess sind, nach dem Auftakt am Mittwoch, noch drei weitere Verhandlungstage angesetzt. Wegen des Termindrucks der Beschuldigten zu Beginn könnte noch ein weiterer Tag hinzukommen.

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