Bevorstehendes Aus für den Upstalsboom-Hort Eltern haben Angst vor Verschlechterung der Betreuung
In der Umstellung auf Ganztagsschulbetrieb sehen die Eltern der Hortkinder der Auricher Kita vor allem Nachteile. Die Stadt hingegen will Ungleichbehandlung verhindern.
Aurich - Die Eltern des Horts der Kita Upstalsboom fanden klare Worte: Überrumpelt fühlen sie sich von dem Vorschlag, den Ganztagsschulbetrieb an dem Standort im nächsten Sommer auf einen Schlag für alle vier Jahrgänge einzuführen. Sie bemängeln den deutlich schlechteren Betreuungsschlüssel in der Ganztagsschule als im Hort, fürchten eine schlechtere Mittagsverpflegung, wenn der Koch wegfällt, und beklagen, dass die Schule sie bei der Konzeption für die Ganztagsschule zu wenig einbinde.
Die Eltern würden generell zu wenig in die Umstellung einbezogen, kritisierte Dr. Rainer Janssen, die die Elternfragen vortrug: „Wir wissen nichts, der Schulvorstand weiß nichts, der Schulelternrat weiß nichts.“ Vielen Eltern sei überhaupt nicht klar, was bei der Ganztagsschulbetreuung anders sein werde als im Hort. Der Wechsel erfolge mit der Ad-hoc-Umstellung aller vier Jahrgänge überstürzt.
Sorge um Überforderung von Betreuern und Kindern
Die Eltern bekamen im Rahmen der Jugendausschusssitzung Gelegenheit, ihre Sorgen vorzutragen. Die Politik bot an, dass die Eltern ihre Position in den Fraktionen vorstellen könnten, bevor im September der endgültige Beschluss im Stadtrat über die Umstellung an der Upstalsboom-Grundschule ansteht. Die Verantwortlichen des Horts und die Eltern haben um ein Jahr Aufschub gebeten. Dann habe die Schule mehr Zeit für ihr Konzept und der Hort für den Übergang, so das Argument. Außerdem wäre dann wohl auch die neue Mensa fertig oder fast fertig, die eigens für die Ganztagsschule gebaut werden soll.
Die Schule habe landesseitig die Möglichkeit, erst ein Jahr später in den Ganztagsbetrieb zu starten, sagte der Vorsitzende des Fördervereins der Kita, Geerd Smidt. Und gleichwohl könnten schon jetzt die Fördermittel für die geplante Mensa beantragt und im nächsten Jahr abgerufen werden. Mit der aus ihrer Sicht viel zu schnellen Umstellung würden die Kinder zu Versuchskaninchen gemacht, sagte Janssen weiter. Eine Mutter hinterfragte zudem die Qualifikation des Personals, das im Gegensatz zum Hort in einer Ganztagsgrundschule zum Einsatz kommen könne: Keineswegs seien dies alles pädagogische Fachkräfte, sondern zum Teil pädagogische Hilfskräfte oder auch Mitglieder von Vereinen, die Angebote für die Schule machten. Sie fürchte eine Überforderung der Betreuer und eine mögliche Schädigung der Kinder.
Fachbereichsleiterin: Ganztag funktioniert an anderen Schulen bereits
Die zuständige Fachbereichsleiterin Dr. Edith Ulferts warnte die Eltern davor, den Ganztagsschulbetrieb zu negativ zu sehen. An neun von zwölf Auricher Grundschulen gebe es ihn längst. Es sei nicht angemessen, wenn die Eltern die dortige Arbeit in Misskredit brächten. Dem widersprachen wiederum einige Eltern.
Ulferts hält die Verschiebung des Ganztagsbetriebs in Upstalsboom um ein Jahr für nicht sinnvoll. Die Verwaltung hat in der Beschlussvorlage eine Reihe von Argumenten pro und contra der Ad-hoc-Umstellung auf Ganztag zusammengestellt. Darin geht es auf der Pro-Seite neben den Einsparungen von rund 340.000 Euro für die Stadtkasse, die bisher jährlich für die drei Hortgruppen zugeschossen wurden, vor allem um Vorteile für die Familien der Upstalsboom-Kinder und um Gerechtigkeit. Zunächst zum Finanziellen: Statt der regulären Hortkosten von gut einer Million Euro rechnet die Stadt für drei Übergangsjahre mit einem Zuschuss von insgesamt 800.000 Euro.
Verwaltung: Alle Eltern haben frühzeitig Chance auf kostenlose Betreuung
Noch wichtiger sei der Verwaltung: Wenn alle vier Jahrgänge ab dem nächsten Jahr den kostenlosen Ganztagsbetrieb besuchen könnten, profitierten davon mehr Familien, so Dr. Ulferts. Auch für die Familien, die bisher den Hort in Anspruch nehmen, werde es günstiger. Den Eltern diesen finanziellen Vorteil wegzunehmen, erscheine ihr sehr fraglich. Für die Schule werde es zudem mit einer großen Zahl Teilnehmer einfacher, von Anfang an ein gutes Angebot auf die Beine zu stellen.
Alle Kinder der Schule erhielten zudem den gleichen Zugang zu Förder- und Bildungsangeboten im Ganztag. Das trage zur Chancengleichheit bei. Lehrer und Betreuungspersonal müssten nicht differenzieren, ob es sich um ein „Ganztagskind“ oder „Hortkind“ handelt.
Verwaltung: Räume reichen nicht für einen längeren Parallelbetrieb
Würde der Hort weitergeführt, würden die Räume nicht reichen. Entweder bliebe der Hort in den Räumen der Schule. Dann müssten die Kinder der Ganztagsschule an andere Schulen ausweichen, so die Fachbereichsleiterin. Oder man müsse parallele Strukturen schaffen. Das sei dem Steuerzahler kaum zu vermitteln. Insbesondere, da nur eine sehr kleine Zahl Kinder im Vergleich zur Gesamtgrundschülerzahl in Aurich profitiere und der Hort angesichts der kostenlosen Betreuung in der Ganztagsschule wohl perspektivisch leerlaufen werde.
Die Ausschussmitglieder nahmen die Argumente mit, empfahlen dem Rat aber, dem Vorschlag der Verwaltung für die Ad-hoc-Umstellung mit Beibehaltung einer Hortgruppe zuzustimmen. Am 26. August 2025 behandelt der Schulausschuss ab 17 Uhr das Thema erneut.