Ganztagsschule in Aurich  Umstellung hat Folgen für die Hort-Mitarbeiter

| | 26.08.2025 12:54 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Viele Fachkräfte sehen sich und ihre Situation bei der Einführung der Ganztagsschule nicht wahrgenommen. Foto: Heino Hermanns
Viele Fachkräfte sehen sich und ihre Situation bei der Einführung der Ganztagsschule nicht wahrgenommen. Foto: Heino Hermanns
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Unter anderem im Hort Upstalsboom sind die Mitarbeiter in Sorge wegen der Umstellung auf das Ganztagsschulsystem. Das sind die Gründe.

Aurich - Die Kita Upstalsboom verfügt über zwei Krippen, drei Kindergarten- und drei Hortgruppen. Die Mitarbeiter der Hortgruppen sind direkt von den Veränderungen im Umstellprozess auf den Ganztagsschulbetrieb betroffen. Schon bei einer Reduzierung der Gruppen ab dem nächsten Jahr – so wie von der Verwaltung vorgeschlagen – müssen laut Einrichtungsleiterin Patricia Janssen elf Mitarbeiter gehen. Betroffen seien nicht nur die pädagogischen Fachkräfte, sondern eben auch Verwaltungs-, Küchen und Reinigungspersonal.

Die Stadt Aurich habe zwar angeboten, Personal zu übernehmen, denn auch für den allgemeinen Ganztagsschulbetrieb in Aurich wird Personal gebraucht. Doch die Arbeitszeiten der Mitarbeiter würden unattraktiver. Derzeit öffnen die Horte mittags nach Schulschluss und haben bis 17.30 Uhr geöffnet. Für die Hortmitarbeiter bedeutet dies also je nach Standort eine Arbeitszeit von vier bis fünf Stunden täglich – also mindestens eine Halbtagsstelle. Das sei für viele Mitarbeiterinnen attraktiv, so Janssen. Halte man die Betreuungszeit des Ganztages dagegen, der um 16 Uhr enden könne, hätten die Mitarbeiter deutlich weniger Stunden – was die Arbeitsplätze unattraktiv mache.

Ausschuss sichert Kita gegen finanzielle Klage-Folgen ab

Ebenso, so heißt es aus Mitarbeiterkreisen mehrerer Horte, sei die Arbeit im Ganztagsschulbetrieb weniger attraktiv. Im Hort, der nach dem Kitagesetz geregelt ist, gibt es in jeder Gruppe mit 20 Kindern zwei qualifizierte Betreuungskräfte. Der Ganztagsschulbetrieb fällt unter das Schulgesetz. Und das sieht nur eine Betreuungskraft für bis zu 25 Kinder vor. Das Personal der Kita Upstalsboom ist bei einer gGmbH angestellt. Hervorgegangen ist die Einrichtung aus einem Elternverein. Sie ist also kein städtischer Hort oder an einen Verband angebunden, sondern wirtschaftet eigenständig. Der Förderverein des Hortes ist daher in Sorge, was die Umstellung wirtschaftlich für die gesamte Kindertagesstätte Upstalsboom gGmbH bedeutet.

Der Jugendausschuss hat am Donnerstag einen Passus in die Abstimmung aufgenommen, der die Kita immerhin davor schützt, wegen arbeitsrechtlichen Klagen von Mitarbeitern im Zuge der Umstellung in die Insolvenz zu geraten. Das würde sonst auch den Kindergarten und die Krippe gefährden. Sollten finanzielle Forderungen vor Gericht durchgesetzt werden, wird die Stadt demnach die gGmbH absichern.

Elternverein möchte ein weiteres Jahr für den Übergang

Der Elternverein wünscht sich, dass die Umstellung auf Ganztagsbetreuung erst ein Jahr später beginnt. Dann wäre Zeit für einen geordneten Übergang, so das Argument – und zwar sowohl für den Hort als auch für die Schule und die Kinder und Eltern, die danach in den Ganztagsschulbetrieb wechseln. Die Schule hätte dann mehr Zeit, das Konzept zu erarbeiten, so der Vorsitzende des Elternvereins Geerd Smidt.

Laut Fachbereichsleiterin Dr. Edith Ulferts würde das dazu führen, dass vielleicht Erstklässler, deren Eltern den Anspruch auf Ganztagsbetreuung im nächsten Jahr durchsetzen, aber nicht die Gebühren für den Hort zahlen wollen, an andere Schulstandorte ausweichen müssten. Das widerspreche der Gleichbehandlung.

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