Umstellung auf Ganztagsbetreuung Streit um Upstalsboom-Hort
Eltern und der Träger der Einrichtung stemmen sich gegen die Einführung der Ganztagschule in Upstalsboom für alle vier Jahrgänge schon zum nächsten Schuljahr. Sie hätte massive Folgen für den Hort.
Aurich - Die Umstellung der Grundschulen auf ein Angebot mit einer verlässlichen Betreuung auch am Nachmittag – die sogenannte Ganztagsgrundschule, die mit dem Schuljahr 2026/27 beginnend mit dem ersten Jahrgang sukzessive eingeführt werden soll – beschäftigt derzeit alle Gemeinden rund um Aurich. In der Stadt selber wird allerdings eine Besonderheit, auf die die Stadt immer stolz war, zur Herausforderung: der Übergang an den Horten. Denn Horte gibt es landkreisweit nur in Aurich sowie in der Stadt Norden.
In Wallinghausen gibt es einen städtischen Hort mit zwei Gruppen, direkt angrenzend an die dortige Kita und die Grundschule. Die Pinguin-Kita hat ebenfalls eine Hortgruppe, ist aber räumlich keiner Grundschule direkt zugeordnet. Drei Gruppen gibt es im städtischen Hort Sandhorst, ein paar Hundert Meter entfernt von der Grundschule Sandhorst. Drei Gruppen gibt es in der Kita Upstalsboom, direkt angrenzend an die Grundschule Upstalsboom. Und ein ganz anderes Modell praktiziert der Lambertihort in Trägerschaft des DRK, der seit 2017 zusammen mit der Lambertischule in einem Pilotprojekt ein teilgebundenes Ganztagsschulangebot mit integriertem Hortangebot entwickelt hat. An mehreren Auricher Hortstandorten gibt es Sorgen, wie die Umstellung auf die Ganztagsschule, welche für die Eltern kostenlos und für die Stadt günstiger ist, ablaufen wird.
Schulleiter hält Umstellung nur im Ganzen für sinnvoll umsetzbar
Am vergangenen Donnerstag hatte sich erneut eine große Zahl Eltern und Hortmitarbeiter im Jugendausschuss der Stadt versammelt. Dabei geht es vor allem um den Upstalsboom-Hort. Denn dort soll die Ganztagsschule nach Vorschlag des Schulleiters für alle vier Jahrgänge gleichzeitig im nächsten Jahr starten. Zum einen, so das Argument von Schulleiter Uwe Schumacher, brauche die Schule die Räume des Horts, um ihre Ganztagsschulangebote machen zu können. Derzeit findet der Hortbetrieb in Räumen der Grundschule statt. Die Auricher Fachbereichsleiterin Dr. Edith Ulferts sagte, dass die Stadt keine Wahl habe, als sie der Schule wieder zu überlassen.
Vorschlag der Verwaltung für den Upstalsboom-Hort
Da an der Grundschule Upstalsboom der Ganztagsschulbetrieb im kommenden Jahr mit allen vier Jahrgängen gleichzeitig starten soll, schrumpft der verfügbare Platz für den Hort deutlich. Der Hort gehört zur Kindertagesstätte Upstalsboom gGmbH. Die Stadtverwaltung hatte im Mai nach Bekanntwerden der Umstellung auf die Ganztagsschule auf einen Schlag vorgeschlagen, den Hortbetrieb ab dem nächsten Schuljahr komplett einzustellen. Das sorgte für lauten Protest des Hortes und der Eltern. Der Beschluss wurde daraufhin zurückgestellt. Es wurde lediglich beschlossen, dass an der Grundschule eine neue Mensa gebaut werden soll. Seit dieser Sitzung haben zwei Gespräche mit den Beteiligten in der Kita, der Stadtverwaltung und Landkreisvertretern stattgefunden. Der Kompromissvorschlag lautet, dass im kommenden Sommer zwei Hortgruppen schließen und eine noch bis 2029 weitergeführt wird. Dann ist auch der jetzige erste Jahrgang in der vierten Klasse angekommen. Dies ist allerdings an eine „angemessene Auslastung“ geknüpft, denn die Stadt muss zum Hortbetrieb einen Zuschuss leisten. Die Kita fürchtet, dass diese für die Eltern der betreuten Kinder kostenpflichtige Hortgruppe möglicherweise schon früher aufgelöst wird, wenn der Ganztagsbetrieb Fahrt aufnimmt. Andererseits lägen derzeit Willensbekundungen von Eltern vor, dass sie ihre Kinder auch künftig lieber im Hort als in der Ganztagsschule betreuen lassen wollten, so die Verantwortlichen.
Zum zweiten sei es für Elternschaft nicht nachzuvollziehen, dass Erstklässler kostenlos im Ganztag betreut werden, während die anderen kostenpflichtig – und zudem länger am Tag – im Hort wären.
Zum Dritten lasse sich für die Schule eine attraktive Ganztagsschule einfacher entwickeln, wenn gleich mehr Kinder teilnehmen, so Schumacher. Er rechnete im Ausschuss vor: Pro Schüler bekomme er 0,07 Lehrerstunden. Rechnerisch sind also 15 Kinder nötig, damit eine Lehrkraft eingesetzt werden könnte, beziehungsweise damit Lehrerstunden so kapitalisiert werden können, dass von dem Geld pädagogisches Personal bezahlt werden könne. Starte er nur mit einem Jahrgang, sei das Angebot kaum umzusetzen. Zu einem um ein Jahr späteren Starttermin für die komplette Ganztagsbetreuung äußerte Schumann sich in der Sitzung nicht.
Übergangsschuljahr gewünscht - aber es gibt ein Gegenargument
Während die Kita auf Basis einer Abfrage bei den Eltern überzeugt ist, dass sie den neuen Erstklässlern ihren Anspruch auf Ganztagsbetreuung in einem Übergangsschuljahr 2026/2027 im Hort erfüllen könnte, sieht die Verwaltung dies kritisch. Zum einen könnten Plätze fehlen, zum anderen fielen dann die Kinder aus einkommensschwachen Haushalten durchs Raster, die bisher für die Hortkosten die wirtschaftliche Jugendhilfe des Landkreises in Anspruch nehmen können. Mit dem Anspruch auf Ganztagsschule werde dieser Zuschuss wegfallen, sagte die Auricher Gleichstellungsbeauftragte Anna Eggers. Diese Kinder würden dann entweder vom Ganztagsbetrieb ausgeschlossen oder müssten an eine andere Schule ausweichen.