Vorstoß im Kreistag  Auricher Realschule soll Oberschule werden

| | 23.08.2025 07:56 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Die städtische Auricher Realschule wird plötzlich Thema in der Kreis-Schulpolitik. Foto: Archiv
Die städtische Auricher Realschule wird plötzlich Thema in der Kreis-Schulpolitik. Foto: Archiv
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Die Wählergruppe im Kreistag „Moin, Herr Weiss“ hat die städtische Realschule im Visier. Mit ihrem Ausbau zur Oberschule könnten Schulwechsel reduziert werden, so die Fraktion.

Aurich - Die Realschule in Aurich ist der ganze Stolz der stätischen Politik. Vor Jahren im Schulgutachten totgesagt, entwickelte sie sich zum Erfolgsmodell. 2022 musste wegen Platzmangels sogar eine Begrenzung auf fünf Klassen pro Jahrgang beschlossen werden. Diese sollten nur dann für Kinder aus anderen Gemeinden offen sein, wenn alle Auricher Interessenten einen Platz haben. Aufgegangen ist dieses Konzept bisher nicht: Auch in den Jahren 2023, 2024 und 2025 gab es mehr als 150 Fünftklässler und somit jeweils sechs Klassen. Ein Erweiterungsbau soll in absehbarer Zeit mit acht Fachräumen Entlastung in der Raumnot bringen.

Während die Stadt Aurich über Platzprobleme nachdenkt, kommt ein Vorstoß aus der zweiköpfigen Kreistagsfraktion „Moin, Herr Weiss“, der die ganze Schule noch mal ordentlich durcheinanderwirbeln würde: die Umwandlung der Realschule Aurich in eine Oberschule. Dies verbessere die Schullandschaft für die Schüler in der Region Aurich, so die Fraktion.

Notruf der IGS Aurich war Anlass für die Überlegung

Hintergrund des Vorschlags war die Klage der IGS-Leiterin Dr. Dorothee Göckel im Kreis-Schulausschuss kurz vor den Ferien. Die IGS befindet sich in Trägerschaft des Landkreises. Sie berichtete von mehr als zehn Prozent Inklusions-Schülern und zwischen 30 und 40 Prozent mit Migrationshintergrund. Durch die Auflösung der Hauptschule in Aurich sei die IGS in eine demografische Schieflage gekommen.

Dies will „Moin, Herr Weiss“ nun ändern, indem es in einer Oberschule wieder ein Hauptschulprofil geben soll. Die Oberschule ist seit 2011/2012 eine eigene Regelschulform als Ergänzung der Schullandschaft, in der seit rund 20 Jahren die Hauptschulen kaum nachgefragt sind.

Unterschiedliche Schullandschaften in den Landkreisen

In den ostfriesischen Landkreisen hat sich die Landschaft der weiterführenden Schulen recht verschieden entwickelt. Im Landkreis Aurich sind - abgesehen von den Berufsbildenden und den Förderschulen, die hier nicht betrachtet werden - nur zwei Einrichtungen in Trägerschaft des Landkreises. Den Rest verantworten die Gemeinden.

Landkreis Aurich:

in Trägerschaft des Landkreises: 2 Gymnasien, 2 IGS

in Trägerschaft der Gemeinden: 2 IGS, 2 Inselschulen mit Grundschule und Oberschule, 4 KGS, 2 Realschulen, 1 Haupt- und Realschule, 1 Oberschule

privat: Waldorfschule, Freie Christliche Schule Ostfriesland (Außenstandort), Freie Schule Ostfriesland

Landkreis Leer:

in Trägerschaft des Landkreises: 2 Hauptschulen, 3 Realschulen, 3 Haupt- und Realschulen, 5 Oberschulen, 3 Gymnasien, 1 Gesamtschule

privat: Freie Christliche Schule Ostfriesland

Landkreis Wittmund:

in Trägerschaft des Landkreises: 1 Hauptschule, 1 Realschule, 1 Haupt- und Realschule, 1 Hauptschule, 1 KGS, 1 Inselschule mit Grundschule und Oberschule, 1 Inselschule mit Grundschule und Haupt- und Realschule

in anderer Trägerschaft: 2 Internatsgymnasien

Stadt Emden:

in eigener Trägerschaft; 3 Oberschulen, 1 IGS, 2 Gymnasien

Für die Schülerschaft, die sich nach dem Besuch der Grundschule für das gegliederte Schulwesen – Gymnasium und Realschule – entschieden haben, fehle wegen der aufgelösten Hauptschule ein alternatives Schulangebot, heißt es in der Pressemitteilung. Da das Schulgesetz die Neugründung kombinierter Haupt- und Realschulen nicht zulasse, bleibe nur die Umwandlung der Realschule Aurich in eine Oberschule, so „Moin, Herr Weiss. Deshalb beantragt die Fraktion die Einrichtung einer Oberschule als Ersatz für die Realschule Aurich. Der Kreis-Arbeitskreis Schulentwicklung solle zeitnah tagen, um sich über die Herausforderungen, denen sich das Gymnasium, die Realschule und die IGS tagtäglich ausgesetzt sehen, zu beraten. Für Schüler und Lehrkräfte aller Schulformen müsse eine Schullandschaft geschaffen werden, die die Grundlage für die bestmögliche Bildung aller Schüler darstelle, heißt es in der Pressemitteilung.

Gute Durchlässigkeit an einer Oberschule

Unter einem Dach könnten Schüler auf Real- und Hauptschulniveau beschult werden. Der Vorteil für die zukünftigen Schüler sei, dass ohne Schulortwechsel eine Durchlässigkeit der Schulsysteme in beide Richtungen möglich wäre. Schüler könnten bei verbesserten Leistungen wieder auf Realschulniveau beschult werden. Zugleich blieben die Schüler auch in ihren sozialen Strukturen. Zudem sei die Stigmatisierung für Schüler einer Oberschule geringer als für Schüler einer Hauptschule.

Bestärkt fühle sich die Fraktion durch den weiterhin großen Zulauf an den gegliederten Schulen in Aurich. Ebenso habe ein Einwohner in der Sitzung am Juni mit seiner Frage nach einer Hauptschuleinführung dazu beigetragen. Diese Thematik sei in einer Gesprächsrunde zwischen politischen Vertretern und Lehrkräften der IGS kurz vor Schuljahresende nochmals aufgekommen, so „Moin, Herr Weiss“.

Fraktion: Schulwechsel sorgen für Unruhe

Die Fraktion sieht in einer Oberschule eine Stabilisierung des dreigliedrigen Schulsystems, in dem es derzeit aber häufig zu Schulwechseln komme. „Bis zum Abitur verliert das Gymnasium viele Schüler, wie die veröffentlichten Abiturzahlen im Abgleich mit den Einschulungszahlen aufzeigen. Die Schülerschaft, die das Gymnasium verlassen muss, wechselt überwiegend zur Realschule und teils zur IGS. Gleichzeitig wechselt ein großer Teil der Schülerschaft der Realschule ebenfalls zur IGS.“

Die IGS müsse als ersetzende Schule die rückläufigen Schüler aufnehmen. Das belaste das System der Integrierten Gesamtschule stark. Eltern und Schüler entschieden sich nach Jahrgang 4 bewusst für die IGS, damit eine Klassengemeinschaft über sechs Jahre gemeinsam beschult werde - eingebettet in ein Jahrgangskonzept mit festen Räumen und Ansprechpartnern. „Wenn nun in den aufsteigenden Jahrgängen immer neue Klassen gebildet werden müssen, zerstört es die aufgebauten Klassengemeinschaften. Und oftmals können nicht alle Klassen auf einer Ebene untergebracht werden und sind über verschiedene Stockwerke verteilt. Das Jahrgangsprinzip wird zerstört“, heißt es in dem Antrag.

Ab 2013 Standort für Hauptschule und Realschule

Wegen den geringen Anmeldezahlen an der Hauptschule Aurich wurde 2012 der Umzug der Schule an den Standort der Auricher Realschule beschlossen. Dort wurden die Schulen zum Schuljahr 2013/2014 zusammengelegt. Die Stadt investierte schon damals in neue Räume. Ziel war es, die Schule zunächst vier- bis sechszügig zu fahren, später vierzügig mit drei Klassen in der Realschule und einer in der Hauptschule. Da die Anmeldezahlen weiter stagnierten, wurden 2017 die letzten Absolventen der Hauptschule verabschiedet und die Schule geschlossen. Die Realschule wuchs deutlich.

Eine ähnliche Entwicklung der stagnierenden Schülerzahlen für die Hauptschule gab es in der Gemeinde Südbrookmerland - nur wurde dort die Haupt- und Realschule insgesamt abgewickelt.

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