Auricher Stadtfest-Bilanz  Ausgelassenheit in allen Ecken

| | 17.08.2025 20:26 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 7 Minuten
Am Sonnabend sorgten die Wild Boys mit bunten Anzügen und einem kunterbunten Musikmix für Stimmung auf dem Marktplatz. Foto: Karin Böhmer
Am Sonnabend sorgten die Wild Boys mit bunten Anzügen und einem kunterbunten Musikmix für Stimmung auf dem Marktplatz. Foto: Karin Böhmer
Artikel teilen:

Beim Auricher Stadtfest amüsierten sich am Wochenende Zehntausende Menschen – friedlich. Die Kämmerin hat unterdessen schon Musikwünsche fürs nächste Jahr.

Aurich - Wer findet, zu einer guten Feier gehört auch immer eine zünftige Schlägerei von anderen, dürfte vom Auricher Stadtfest 2025 enttäuscht gewesen sein. Alle anderen Gäste scheinen sich am Wochenende, 15. und 16. August 2025, gut amüsiert zu haben.

Sandra Pfeiffer-Fecht vom Stadtmarketing und die zuständige Kämmerin Katja Lorenz waren am Sonntag, 17. August 2025, sehr zufrieden mit Aurichs größter Party. Wie Bürgermeister Horst Feddermann es sich in seiner Eröffnungsansprache gewünscht habe, sei alles friedlich abgelaufen, so Lorenz.

Das Angebot an Getränken und Speisen ließ keine Wünsche offen. Foto: Karin Böhmer
Das Angebot an Getränken und Speisen ließ keine Wünsche offen. Foto: Karin Böhmer

Die Polizei berichtete von insgesamt drei Ingewahrsamnahmen. Es sei am Freitagabend nur am Rande zu Zwischenfällen gekommen. In einem Fall wurde einem 24-jährigen Besucher des Stadtfestes aufgrund seines belästigenden Verhaltens auf dem Marktplatz ein Platzverweis erteilt. In dem anderen Fall führte das Verhaltens eines 21-jährigen Besuchers in der Osterstraße zu einem Platzverweis. Beide Personen kamen dem Platzverweis nicht nach und wurden in Gewahrsam genommen. Einen dritten Fall gab es am Sonnabendabend.

Das Helene-Fischer-Double Victoria lockte eine große Zahl Schlagerfans an. Foto: Sandra Pfeiffer-Fecht
Das Helene-Fischer-Double Victoria lockte eine große Zahl Schlagerfans an. Foto: Sandra Pfeiffer-Fecht

Ansonsten sei alles friedlich gewesen. „Das war überhaupt kein Vergleich zum vergangenen Jahr“, so ein Polizeisprecher. Damals hatte es Ermittlungen wegen 18 Rohheitsdelikten gegeben, darunter neun gefährliche Körperverletzungen.

Retter waren mit großem Aufgebot vor Ort

Auch das Deutsche Rote Kreuz, das wie in den Vorjahren den Sanitätsdienst übernommen hatte, hatte nach viel Arbeit im vergangenen Jahr diesmal zwei relativ ruhige Nächte. Pro Schicht waren 37 DRK-Sanitätskräfte vor Ort. Außerdem ein Notarztteam für größere Einsätze sowie das THW und die DLRG zur Unterstützung. Erfahrungsgemäß sei mit Stürzen, Schnittverletzungen, Folgen von Auseinandersetzungen oder übermäßiger Alkoholisierung zu rechnen, sagte Einsatzleiter Ingo Ennen.. Entsprechend waren zur Sicherheit Rettungswagen vor Ort, wurde ein Sanitätszelt mit mehreren Behandlungsplätzen aufgestellt.

Diese Formation der Tanzschule Astrid Löschen fährt zur Deutschen Meisterschaft in Mühlheim. Foto: Karin Böhmer
Diese Formation der Tanzschule Astrid Löschen fährt zur Deutschen Meisterschaft in Mühlheim. Foto: Karin Böhmer

In der ersten Nacht gab es laut Ennen keine nennenswerten Einsätze. In der zweiten Nacht war etwas mehr zu tun. Insgesamt gab es 20 Hilfeleistungen, davon wurden fünf zur weiteren Behandlung ins Krankenhaus transportiert. „Generell war es ein sehr ruhiges Stadtfest. Auffallend war, dass wir nur zwei Patienten hatten, bei denen der Alkoholpegel das ausschlaggebende Problem war“, so Ennen.

Offenbar wirkten die Allgemeinverfügungen

Im vergangenen Jahr war nach dem Stadtfest eine Diskussion über den kurz zuvor zum Teil legalisierten Cannabis-Konsum aufgekommen. In diesem Jahr hatte die Stadt einen Riegel vorgeschoben und in einer Allgemeinverfügung für die gesamte Dauer des Festes im Innenstadtring ein Konsumverbot erlassen. Sowohl Pfeiffer-Fecht als auch Lorenz hatten den Eindruck, dass dieses Verbot befolgt wurde.

Im Carolinengang war zeitweise kaum ein Durchkommen. Foto: Karin Böhmer
Im Carolinengang war zeitweise kaum ein Durchkommen. Foto: Karin Böhmer

Auch „Schnapsleichen“ gab es wenige. Vielleicht kein Wunder, denn die Getränkestände hatten alle weit mehr im Programm als Bier und Charly, was die Besucher auch in Anspruch nahmen – und entsprechend teurer bezahlen mussten.

Die Polizei zeigte sich zufrieden mit der zweiten Allgemeinverfügung. Der Landkreis hatte den gesamten Bereich im Innenstadtring zur Waffenverbotszone erklärt. Das erlaube auch die Sicherstellung von eigentlich legalen Gegenständen, die im Stadtfestgetümmel gefährlich werden könnten. Sie hätten wegen der Allgemeinverfügung nach dem Auffinden dem Besitzer vorerst weggenommen werden können, sagte der Einsatzleiter der Polizei auf Nachfrage.

Auricher für Auricher: Die Bands auf der Jugendbühne kamen an. Foto: Karin Böhmer
Auricher für Auricher: Die Bands auf der Jugendbühne kamen an. Foto: Karin Böhmer

Die Polizei hatte insgesamt aber wenig Anlass für verdachtsbasierte Kontrollen. Ein Messer sei sichergestellt worden – allerdings im Rahmen eines anderen Sachverhalts, so der Beamte. Die deutlich kommunizierte Verfügung habe abschrecken sollen. Und der eine oder andere habe vielleicht deshalb noch einen potenziell gefährlichen Gegenstand wie ein Taschenmesser aus dem Rucksack genommen.

Die Feuerwehr war mit dem Einsatzleitwagen und je drei Kräften ebenfalls im Einsatz zur Brandsicherheitswache.

Vor den Bühnen wurde es voll

Während die Retter auf dem Parkplatz hinter der Ostfriesischen Landschaftlichen Brandkasse in Alarmbereitschaft und auf dem Fest mit mobilen Trupps unterwegs waren, wurde wenige Meter weiter ausgelassen gefeiert. Irgendwann am Freitagabend war im Carolinengang kein Durchkommen mehr. Und auch vor den Bühnen auf dem Markt, am DJ-Tower und am Lambertshof wurde es eng.

Im Lambertshof schufteten Verbände in den Getränkebuden für den guten Zweck. Auf der Bühne stand am Freitag Adenalin. Foto: Karin Böhmer
Im Lambertshof schufteten Verbände in den Getränkebuden für den guten Zweck. Auf der Bühne stand am Freitag Adenalin. Foto: Karin Böhmer

Von Freitagabend bis Sonnabendnacht war das Auricher Stadtfest gut besucht. Einige Auricher trauern zwar noch immer der alten Zeit nach, wo man für 100 Meter in der Burgstraße wegen der Enge mehr als eine Stunde brauchte. Aber viele Besucher genießen auch die größeren Räume, die durch die Reduktion der Bühnenzahl und breitere Rettungswege entstanden sind.

Der DJ-Tower in der Burgstraße hat seine Fan-Gemeinde gefunden. Foto: Karin Böhmer
Der DJ-Tower in der Burgstraße hat seine Fan-Gemeinde gefunden. Foto: Karin Böhmer

Genaue Teilnehmerzahlen lassen sich bei mehrtägigen Großereignissen nur schwer nennen. Sandra Pfeiffer-Fecht sprach am Sonntag von mehreren Zehntausend Besuchern. Nach den Erfahrungen der Vorjahre gehe es in Richtung 50.000 Besucher.

Allein 10.000 bis 15.000 Gäste habe der erfahrene Flohmarktorganisator Kurt Graf gemeldet. Es sei trotz der parallel stattfindenden Einschulungsfeiern der bestbesuchte Stadtfest-Flohmarkt gewesen, an den Graf sich erinnern könne, berichtete Pfeiffer-Fecht.

Familienmeile lockte Kleine wie Große

Von den Ständen auf der Familienmeile in der Osterstraße habe es ebenfalls sehr positive Rückmeldungen gegeben. Nicht nur lockten die Bands auf der JUZ-Bühne am Freitagabend ein großes junges Publikum an. Auch am Sonnabend im Tagesprogramm war die Familienmeile gut besucht. Das Familien- und Jugendzentrum, die Skatehalle, das Zentrum für Natur und Technik, das Energie-Erlebnis-Zentrum und die Kunstschule hatten ein kunterbuntes Mitmach-Programm für kleinere und größere Besucher gestaltet und freuten sich laut Pfeiffer-Fecht alle über drei- bis vierstellige Besucherzahlen.

Am ON-Stand konnte jeder sein Glück testen. Foto: Karin Böhmer
Am ON-Stand konnte jeder sein Glück testen. Foto: Karin Böhmer

Anziehungspunkt war tagsüber auch für alle Generationen die Hauptbühne auf dem Marktplatz, wo mehrere Sport- und Tanzschulen sowie die Bigband des Ulricianums den größten Teil des schmissigen Programms gestalteten.

Bürgermeister Horst Feddermann hatte das Stadtfest am Freitagabend bei Kaiserwetter eröffnet. Bevor er den Hammer zum Fassanstich schwang, begrüßte er die Gäste und dankte allen Helfern und den Anwohnern in der Innenstadt für ihre Geduld, den Organisatoren und insbesondere allen Sponsoren.

Nach den ersten Schlucken aus dem überdimensionalen Bierglas begann zur Freude der wartenden Zuschauer der Ausschank des Eröffnungs-Freibiers.

Schlagerbühne soll bleiben

Um die Zeit zwischen offizieller Eröffnung und Abendprogramm nicht zu lang werden zu lassen, begann das Bühnenprogramm auf dem Marktplatz bereits um 19 Uhr. Auf der Haupttribüne begeisterte die Partyband „Strike“. Auf der ON-Bühne ließ Helene-Fischer-Double Victoria die Herzen höherschlagen.

Anna-Maria Zivkov und DJ Nachtpilot gingen ab. Foto: Karin Böhmer
Anna-Maria Zivkov und DJ Nachtpilot gingen ab. Foto: Karin Böhmer

Mit geladenen Gästen aus Behörden, dem Rat, der Wirtschaft und aus den Nachbargemeinden gingen Feddermann und seine Kollegen vom Verwaltungsvorstand im Anschluss an die Eröffnung ins Hochzeitshaus zum zweiten Auricher Marktessen. Es solle dazu dienen, in gemütlicher Atmosphäre locker ins Gespräch zu kommen und Kontakte zu pflegen, so der Bürgermeister. Serviert wurden Grillspezialitäten und allerlei Salatkreationen mit Zutaten aus heimischen Betrieben, erläuterte Peter Lachnicht am Grill.

Die Band „Strike“ heizte den Stadtfestbesuchern am Freitagabend nach der offiziellen Eröffnung ein. Foto: Karin Böhmer
Die Band „Strike“ heizte den Stadtfestbesuchern am Freitagabend nach der offiziellen Eröffnung ein. Foto: Karin Böhmer

Die zuständige Fachbereichsleiterin im Rathaus, Kämmerin Katja Lorenz, hat bereits Pläne für das nächste Stadtfest im Kopf. Und da geht es nicht um Kürzungen. Sondern ums Gegenteil: Während die ON-Schlagerbühne und die Jugendbühne in der Osterstraße beim reinen DJ-Programm eine überschaubare Menge Zuschauer anzogen, steppte dort der Bär, sobald es Live-Acts gab. Die Schlagerbühne sei ein Erfolg, der nächstes Jahr wiederholt werden solle, so Lorenz. Dann aber mit ein bis zwei zusätzlichen Livebands. Sie habe bereits Kandidaten im Sinn, die sie auf anderen Festen gehört habe, so Lorenz. Die müssten gewiss frühzeitig angefragt werden.

Die Gruppe Strike trat gleich nach der Eröffnung auf die Hauptbühne. Foto: Karin Böhmer
Die Gruppe Strike trat gleich nach der Eröffnung auf die Hauptbühne. Foto: Karin Böhmer

Auch über eine Ausweitung der Band-Zeit auf der Jugendbühne werde nachgedacht.

Ähnliche Artikel