Wirtschaft Auricher Gewerbe offenbar im Aufwind
Die Stadt Aurich hat ihre Gewerbesteuerprognose angepasst. So viel Steuer auf Unternehmensgewinne erwartet sie in diesem Jahr.
Aurich - Es ist zwar nur ein Zwischenstand nach dem ersten Halbjahr, doch der Wirtschaft in Aurich scheint es im Großen und Ganzen besser zu gehen als im vergangenen Jahr prognostiziert. Wie dem Finanzbericht der Stadt Aurich zu entnehmen ist, wo alle Veränderungen gegenüber dem Haushaltsplan vom vergangenen Herbst aufgeführt sind, erwartet die Stadt derzeit für 2025 deutlich höhere Gewerbesteuereinnahmen als kalkuliert.
Bei zwölf Millionen Euro liegt die derzeitige Korrektur. Statt 27 Millionen Euro erwartet die Stadt nun also 39 Millionen Euro, die die steuerpflichtigen Auricher Unternehmen insgesamt auf ihre Gewinne zahlen müssen. Das ist ein Anstieg um 44 Prozent. Laut dem Finanzbericht basieren die Mehreinnahmen zum Teil auf Rückrechnungen vergangener Jahre.
Zuweisungen fallen schmaler aus
Die Einnahmen aus der Grundsteuer A sind nach der Grundsteuerreform hingegen in der Halbjahresprognose um 57.000 Euro zurückgegangen. Das sind 19 Prozent weniger. Nur leicht zurückgegangen gegenüber dem Plan ist das Steueraufkommen bei der Grundsteuer B. Die Grundsteuerreform hat also, wie vorgesehen, nicht dazu geführt, dass unterm Strich mehr im Stadtsäckel landet.
Einige andere Steuern bleiben hinter Erwartung
Anders als in den Vorjahren ist bislang auch keine positive Entwicklung beim Einkommenssteueranteil der Kommune zu erkennen. Dort geht es um fehlende Einnahmen für Aurich in Höhe von rund 675.000 Euro. Beim Umsatzsteueranteil werden derzeit gut 500.000 Euro weniger erwartet als geplant.
Nicht alle Auricher Unternehmen sind gewerbesteuerpflichtig. Einzelunternehmer oder Personengesellschaften profitieren bei der Gewerbesteuer von einem Freibetrag von 24.500 Euro. Und der Anstieg um die prognostizierten 12 Millionen Euro in Aurich bedeutet auch nicht, dass es allen Firmen besser geht. Wegen des Steuergeheimnisses verrät die Stadt nicht, ob der Anstieg auf wenige Unternehmen zurückgeht oder auf eine allgemein gute Entwicklung. Der Hebesatz für die Gewerbesteuer liegt in Aurich derzeit bei 400 Prozent.Gewerbesteuer
Mehreinnahmen in Höhe von rund 100.000 Euro werden bei der Vergnügungssteuer erwartet – ein Anstieg um fast 15 Prozent. Die Hundesteuer, die im vergangenen Jahr angepasst wurde, spielt laut Prognose knapp 5000 Euro weniger ein als geplant. Der Ertrag aus der recht frisch eingeführten Zweitwohnungssteuer wird zur Jahresmitte 2025 deutlich geringer prognostiziert als noch im Herbst 2024. Gegenüber dem Plan von 150.000 Euro steht nun eine Prognose von 50.000 Euro.
Defizit verschwindet nicht, wird aber kleiner
Trotz der Mehreinnahmen durch die Gewerbesteuer kommt die Stadt Aurich nicht auf einen ausgeglichenen Haushalt. Das prognostizierte Defizit fällt allerdings geringer aus. Mitte des Jahres lautete die Prognose für das Jahresergebnis minus 8,5 Millionen Euro. Gegenüber den zunächst angenommenen minus 18,6 Millionen Euro ein großer Fortschritt. Nämlich um 54 Prozent. Im Finanzbericht wird aber auch betont, dass sich die Zahlen im Laufe des zweiten Halbjahres noch deutlich ändern können.
In den vergangenen Jahren gab es häufiger positive Nachrichten für die Stadt Aurich aus der eigenen Wirtschaft. Beispielsweise 2022 hieß es zur Halbjahresbilanz, dass statt 21 Millionen Euro sogar mehr als 34 Millionen Euro an Gewerbesteuer eingenommen werden. Auch 2024 lag der erwartete Wert zur Jahresmitte bei 33 Millionen Euro und damit sieben Millionen Euro über dem Plan. In diesem Jahr ist der erwartete Ertrag mit den jetzt angesetzten 39 Millionen Euro aber noch einmal deutlich höher.
In der Kämmerei nimmt man die positiven Zahlen stets mit gebremster Begeisterung zur Kenntnis. Sie bedeuten, dass im Folgejahr die Kreisumlage steigt und sich auch andere Umlagen zuungunsten der Stadt Aurich verändern. Damit sind rund 80 Prozent der guten Nachricht schon wieder aufgefressen.