Fachkräftegewinnung Auricher Verwaltungen setzen auf Stipendien
Die Stadt Aurich hat zwei Stipendien für angehende Ingenieure ausgelobt. Auch in anderen Fachbereichen sei dies künftig denkbar. Der Landkreis geht den gleichen Weg. So sind die Erfahrungen.
Aurich - Die Stadt Aurich wird zum Stipendiengeber. Um sich im Fachkräftemangel als attraktiver Arbeitgeber zu behaupten, hat die Stadtverwaltung vor Kurzem zwei Stipendien ausgelobt. Die Bewerbungsfrist endete für beide Ausschreibungen am 20. Juli 2025. Gefördert werden sollen angehende Ingenieure in den Bereichen Siedlungswasserwirtschaft sowie Tiefbau/Verkehrswesen.
„Insbesondere in den bautechnischen Fachrichtungen ist der Fachkräftemangel verstärkt zu spüren. Um diesem entgegenzuwirken, ist im Personalentwicklungskonzept der Stadt Aurich die Vergabe von Stipendien als ein Instrument zur Personalgewinnung aufgeführt“, teilte Stadtsprecher Cord Cordes dazu mit. Ein Stipendium für Studierende solle Nachwuchskräfte frühzeitig an die Stadtverwaltung Aurich binden und somit die Nachbesetzung in diesen Bereichen sicherstellen.
Pflichtpraktika, vorlesungsfreie Zeit und fünf Jahre nach dem Studium
Die Stadt Aurich unterstützt die Stipendiaten während des Studiums monetär und ermöglicht ihnen laut Cordes gleichzeitig, wertvolle Praxiserfahrungen zu sammeln. Denn ihre Pflichtpraktika müssen sie bereits im Rathaus im entsprechenden Fachdienst ableisten. Darüber hinaus erfolgt ein Einsatz in diesen Fachdiensten während der studienfreien Zeiten. Während dieser Praxiszeiten sollen die Stipendiaten die städtischen Mitarbeiter bei ihrer täglichen Arbeit unterstützen. So könne bereits eine soziale Bindung aufgebaut werden und die Stipendiaten bekämen die Gelegenheit, die Stadtverwaltung Aurich und ihren zukünftigen Arbeitsplatz kennenzulernen. „Darüber hinaus haben die Stipendiaten die Möglichkeit, ihr erworbenes Wissen frühzeitig in einem realen Arbeitsumfeld anzuwenden und zu vertiefen“, so Cordes.
Doch das ist natürlich nicht alles: Als Voraussetzung für diese beiden Stipendien verpflichten sich die Stipendiaten vertraglich, nach dem erfolgreichen Studienabschluss für mindestens fünf Jahre aktiv im Dienst der Stadt Aurich zu verbleiben. Andernfalls muss die finanzielle Unterstützung zurückgezahlt werden.
Stipendien auch für andere Studiengänge denkbar
Die Vergabe von Stipendien ist für die Stadtverwaltung keine Premiere. Sie hat nach Angaben von Cordes bereits im vergangenen Jahr jeweils ein Stipendium für den Bereich Siedlungswasserwirtschaft und für den Bereich Hochbau vergeben. Nach dieser guten Erfahrung gab es nun den nächsten Durchlauf.
Ähnliche Stipendien sind laut Cordes auch in anderen Aufgabenbereichen denkbar, in denen Stellen aufgrund des Fachkräftemangels nicht adäquat nachbesetzt werden können. Als Beispiele nennt er das Studium Soziale Arbeit oder den Bachelor Öffentliche Verwaltung. Die Stipendien würden grundsätzlich nach dem voraussichtlich zu erwartenden Bedarf ausgeschrieben. Die Dauer, für die die Stipendiaten sich dann vertraglich an die Stadtverwaltung binden müssen, hänge von den jeweils übernommenen Kosten ab.
Landkreis hatte im Frühjahr sieben Bewerbungen
Auch der Landkreis Aurich setzt seit einigen Jahren auf Stipendien, um Stellen frühzeitig zu besetzen, für die es grundsätzlich wenig Bewerber am Markt gibt. Nicht immer war das von Erfolg gekrönt. 2023 hatte die Kreisverwaltung damit keinen Bewerber für ein Bauingenieursstudium gefunden. In diesem Jahr war das anders, wie Kreissprecher Rainer Müller-Gummels mitteilte. Die Kreisverwaltung sei sehr zufrieden. „Aufgrund der guten Bewerbungen, die eingegangen sind, haben wir gleich zwei Stipendien vergeben.“ Insgesamt seien sieben Bewerbungen eingegangen. Die Ausschreibung lief vom 15. Januar bis 28. Februar 2025. Zum 1. September 2025 beginnen die Stipendien.
Auch diese beiden Stipendiaten binden sich vertraglich für fünf Jahre an ihren Stipendiengeber, nachdem sie ihr Studium erfolgreich abgeschlossen haben. In den studienfreien Zeiten erfolgt ihr Einsatz zunächst in den Ämtern für Bauordnung, Planung und Naturschutz sowie für Kreisstraßen, Wasserwirtschaft und Deiche. In den kommenden Jahren sei geplant, jährlich ein Stipendium für dieses Studium zu vergeben.
Seit 2012 vergibt der Landkreis überdies Stipendien für Medizinstudenten, die sich im Gegenzug verpflichten, ihre Assistenzarztausbildung im Rahmen der Fachweiterbildung an der Ubbo-Emmius-Klinik zu absolvieren.