Aurich und Wittmund Auffallend viele tödliche Unfälle in diesem Jahr
Im vergangenen Jahr gab es auf den Straßen in Aurich-Wittmund insgesamt 18 tödlich Verletzte. In diesem Jahr sind es in sieben Monaten bereits 15. Das hat die Polizei dazu beobachtet.
Aurich - Die Zahl der Unfälle mit tödlichem Ausgang im Bereich der Polizeiinspektion Aurich-Wittmund ist in diesem Jahr bisher auffällig hoch. Schon im vergangenen Jahr vermeldete die Verkehrsunfallstatistik einen ungewöhnlich hohen Wert mit insgesamt 18 tödlich verletzten Personen. In diesem Jahr kamen bei Unfällen bis Anfang August bereits 15 Menschen ums Leben. Im Juli starben binnen anderthalb Wochen drei Menschen bei Unfällen.
Zum Vergleich: 2023 gab es 15 tödlich verletzte Verkehrsteilnehmer, 2022 waren es zehn, 2021 zählte die Polizei acht Unfallopfer, 2020 waren es zwölf und 2019 insgesamt neun. In den Jahren zuvor lag die Zahl zwischen je neun Verkehrstoten in den Jahren 2012, 2013 und 2017 sowie insgesamt 19 tödlich Verunglückten im Jahr 2015.
Unfallabläufe und -ursachen sehr individuell
Die Unfälle dieses Jahres sind nach Angaben des Sachgebietsleiters Verkehr bei der Auricher Polizei, Hartmut Detmers, sehr verschieden abgelaufen und haben unterschiedliche Ursachen. Neben Autos seien Lastwagen, Kradfahrer und Radfahrer beteiligt gewesen. Fünf Unfälle hätten sich im Begegnungsverkehr ereignet, zweimal seien Autofahrer alleinbeteiligt von der Fahrbahn abgekommen und mit ihren Fahrzeugen gegen Bäume geprallt. Die Unfälle mit Krad-Fahrern und auch die mit Radfahrern seien ganz unterschiedlich verlaufen. Es habe Unfälle beim Überholen gegeben, aber auch Unfälle an Ampeln und Kreuzungen, wo die Vorfahrt nicht beachtet wurde. Auch tödliche Unfälle ohne andere Beteiligte habe es bei den Kradfahrern gegeben.
Klassische Unfallgefahren wie stark überhöhte Geschwindigkeit, Glatteis oder Nebel seien in diesem Jahr bei keinem der Unfälle ursächlich gewesen, so Detmers. Auch lasse sich nicht beobachten, dass die zeitweilige Verkehrszunahme durch Urlauber eine Rolle gespielt habe.
Polizei appelliert: Straßenverkehr braucht volle Aufmerksamkeit
Ein größerer Teil der Unfälle wäre allerdings nicht passiert, wenn alle Beteiligten vollkommen aufmerksam gewesen wären, so der Sachgebietsleiter. „Wir können nur appellieren, dass alle Teilnehmer im Straßenverkehr ihre volle Aufmerksamkeit auf den Verkehr richten.“ Aufgrund der steigenden Verkehrszahlen in allen Bereichen – egal, ob im motorisierten Kraftverkehr, bei Rädern oder auch Rollern – sei immer mehr Konzentration erforderlich. Auch Kreisverkehre erforderten viel Aufmerksamkeit. Sie seien zwar sehr gut, um den Verkehr zu lenken, aber dabei müssten alle voll bei der Sache sein.
Es zeige sich aber, dass es viele Ablenkungen gebe und Gefahren unterschätzt würden. „,Ich will mal eben schnell einkaufen‘ ist eine typische Situation“, so Detmers. „Da liegt der Fokus dann auf ,schnell‘, die Gedanken sind woanders, nicht auf der Straße.“ Komme es dann zu einer brenzligen Situation, erschreckten die Fahrer sich oft. Und schon ein kleines Verreißen des Lenkrades könne schlimme Folgen haben. Der Zufall entscheide dann, ob ein Auto im Graben lande und der Fahrer leicht verletzt sei oder ob die Fahrt an einem Baum mit tödlichen Verletzungen ende oder aber im Gegenverkehr mit weiteren Unfallbeteiligten.
Derzeit kein Ansatzpunkt für die Behörden erkennbar
Unfälle ließen sich generell oft vermeiden, wenn Verkehrsteilnehmer in unübersichtlichen Situationen die Geschwindigkeit reduzierten und die Situation erstmal analysierten oder sich untereinander abstimmten, sagte der Verkehrsexperte. Diese Zurückhaltung und Ruhe fehle aber oft. Oftmals verließen sich Fahrer heute auf die Technik im Auto, die rechtzeitig warne. „Aber Technik ist nicht alles.“
Es habe in diesem Jahr mehrere Unfälle außerorts gegeben, so Detmers. Oftmals sei dann überhöhte Geschwindigkeit die Ursache und die Behörden könnten beispielsweise durch ein Tempolimit regulierend eingreifen. Das lasse sich bei den schweren Unfällen dieses Jahres aber nicht beobachten. Keiner der Beteiligten habe „etwas Verwerfliches getan“, so Detmers. Es gehe vielmehr um situative Fehler mit schweren Folgen.