Kündigungen  Erneut personeller Umbruch im Auricher Klima-Amt

| | 06.08.2025 17:50 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Stephanie Pospisil und Tjarko Tjaden begannen 2023 ihre Tätigkeit im Auricher Rathaus und stellten sich im November 2023 zusammen vor. Foto: Romuald Banik
Stephanie Pospisil und Tjarko Tjaden begannen 2023 ihre Tätigkeit im Auricher Rathaus und stellten sich im November 2023 zusammen vor. Foto: Romuald Banik
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Eine Ausschreibung der Stadt Aurich deutete darauf hin, dass wieder jemand den Fachdienst Klima, Umwelt und Verkehr verlässt. Doch es werden sogar mehr Stellen frei. Das steckt dahinter.

Aurich - Erneut steht ein erheblicher Umbruch im Fachdienst Klima, Umwelt und Verkehr im Auricher Rathaus an. Die Stadt Aurich hatte kürzlich eine Stelle für einen Klimaschutzmanager ausgeschrieben. Es handelte sich dabei um eine befristete Stelle, für die die Stadt eine Förderung bekommt. Gleichzeitig gab es Hinweise darauf, dass Klimaschutzmanager Tjarko Tjaden eine neue Stelle antritt. Verlässt er also das Auricher Rathaus?

Die Antwort der Stadtverwaltung ist Ja. Sie nennt zwar keine Namen, teilte jedoch mit, dass der stellvertretende Fachdienstleiter des Bereichs Klima, Umwelt und Verkehr - also Tjaden - das Rathaus zum 30. September 2025 verlässt. Seine Stelle ist aber noch gar nicht ausgeschrieben. Die Ausschreibung bezieht sich auf den Arbeitsplatz einer Kollegin von Tjaden, der bereits seit dem 1. Juli 2025 nicht mehr besetzt ist.

Stadt will über Struktur des Fachdienstes nachdenken

Und dann teilte die Stadtverwaltung noch mit, dass auch die Leiterin des Fachdienstes gekündigt habe. Und zwar zum 31. August 2025. Somit verlässt auch Stephanie Pospisil das Rathaus. In dem noch jungen Fachdienst sind also mit einem Mal drei Stellen frei. „Diese personellen Veränderungen werden auch zum Anlass genommen, um eine mögliche organisatorische Neustrukturierung des Aufgabenbereichs im besagten Fachdienst zu prüfen“, teilte Stadtsprecher Cord Cordes mit, ohne näher ins Detail zu gehen.

Die beiden größten Gruppen im Auricher Stadtrat, SPD/GAP und CDU/FDP, äußerten auf Nachfrage großes Bedauern über die Abgänge. Volker Rudolf (SPD/GAP) sagte, dass alle zutiefst schockiert seien über den Abgang von Tjaden. Der Klimaschutzmanager habe „absolute Kompetenz ausgestrahlt“ und sei in vielen großen Projekten wie der Kommunalen Wärmeplanung zentral eingebunden. „Da wird der Stadt Aurich eine Menge an Kompetenz weggezogen“, so Rudolph.

Großes Bedauern in der Auricher Politik

Das sei insbesondere schmerzlich, weil Tjaden für mehrere große Projekte die Berechnungen gemacht habe und beispielsweise für die Solaranlagen auf den städtischen Gebäuden verantwortlich sei. Auch Pospisil sei immer souverän in ihren Aufgaben gewesen, so Rudolph. Dass sich beide nach relativ kurzer Zeit im Rathaus schon wieder verändern wollten, sei sehr schade. Nun müssten die Stellen rasch wieder besetzt werden, damit in Projekten, die gerade ins Laufen gekommen seien, nicht gleich wieder Zeit verloren gehe.

Auch Arnold Gossel (CDU/FDP) findet nur bedauernde Worte für die anstehenden Veränderungen. Stephanie Pospisil habe sich beispielsweise mit guten Ideen und sehr kenntnisreich in die Überlegungen zum Stadtbus eingebracht. Und Tjaden sei sehr aufgeschlossen gewesen, habe für seine Aufgabe gebrannt, Projekte vorangetrieben und sich mit Leib und Seele und großer Kompetenz für den Klimaschutz eingesetzt. Er habe zum Teil wirklich sehr weitreichende Ideen für Aurich gehabt, aber er habe immerhin Ideen entwickelt und sie umgesetzt, so Gossel. Dass Tjaden nun in die freie Wirtschaft wechsele, liege vermutlich daran, dass er seine Ideen in einer Behörde nicht so schnell umsetzen könne, wie er es sich wünsche. Auch der CDU/FDP sei es manchmal angesichts der Kosten schwergefallen, Beschlüsse zum Thema Klimaschutz ohne längere Abwägung zu fassen.

Wechsel in die Wirtschaft

In den vergangenen Jahren komme es immer öfter vor, dass auch in Verwaltungen eine große Fluktuation herrsche und Mitarbeiter wieder kündigten, kaum dass sie sich eingearbeitet hätten, sagte Gossel. Erfreulicherweise könnten die Stellen meist relativ schnell nachbesetzt werden.

Tjaden selbst gab im Juli in einem Karriere-Netzwerk bekannt, dass es ihn als Projektentwickler für intelligente Energielösungen zur Firma 1PUNKT5 GmbH in Ottersberg zieht. Er war seit dem 1. Mai 2023 Klimaschutzmanager der Stadt, trieb unter anderem die Wärmeplanung, die Klimafolgenanpassung und die Einführung des Mitfahrportals Pendla für Berufstätige voran.

Hohe Fluktuation seit 2019

Stephanie Pospisil, anfangs noch Siefken, übernahm die Fachdienstleitung zum 1. November 2023. Damals war der Fachdienst, zu dem noch Klimaschutzmanagerin Deike Neumann, der Ingenieur für Landespflege Thomas Wulle, Landschaftsarchitektin Iris Brunken und Verkehrsplaner Volker Alberts gehören, noch sehr jung. „Ich habe vor, länger hierzubleiben“, sagte die Fachdienstleiterin damals gegenüber unserer Zeitung, will sich nun aber doch verändern.

Der Bereich Klimaschutz ist in der Stadt Aurich von hoher Fluktuation geprägt. Schon Pospisils Vorgängerin Marisa Tammen hatte nach einem Jahr gekündigt. Vor Tjaden waren Dr. Katharina Heidtmann, Patrick Mentzel und Evelyn Brudler für den Klimaschutz verantwortlich. Sie blieben alle weniger als ein Jahr auf ihrer Stelle.

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