Feiern und Drogen Auricher Linken-Ratsherr kritisiert Kiff-Verbot auf Stadtfest
Per Allgemeinverfügung hat die Stadt Aurich den Cannabis-Konsum am Stadtfest-Wochenende innerhalb des Innenstadt-Rings untersagt. Hendrik Siebolds hat dazu eine klare Meinung.
Aurich - Als „völlig unnötig“ und „klare Diskriminierung“ für Konsumenten bezeichnet der Auricher Linken-Ratsherr Hendrik Siebolds das Cannabis-Verbot auf dem diesjährigen Stadtfest. „Es ist zudem eine Einschränkung der nach dem Grundgesetz Artikel 2 garantierten freien Entfaltung der Persönlichkeit“, schreibt Siebolds in einer persönlichen Stellungnahme.
Das Verbot gilt laut einer Allgemeinverfügung der Stadt Aurich von Freitag, 15. August, 12 Uhr, bis Sonntag, 17. August, 6 Uhr, innerhalb des Innenstadt-Rings.
Aus Sicht von Siebolds ist vor allem die Begründung nicht nachvollziehbar. Laut Stadtverwaltung gehe es um den Kinder- und Jugendschutz. Dazu Siebolds: „Es ist zwar völlig richtig, dass für Kinder und Jugendliche der Anblick von Drogen konsumierenden Erwachsenen sicherlich kein gutes Vorbild ist. Allerdings ist auch Alkohol eine Droge, ja sogar Volksdroge Nummer Eins. Es ist also höchst widersprüchlich, wenn es einerseits in Ordnung ist, dass Kinder und Jugendliche auf dem Stadtfest tausenden Erwachsenen beim fröhlichen und reichlichen Alkoholkonsum zuschauen dürfen, andererseits aber der Anblick von wenigen Cannabiskonsumenten eine Gefahr für das Kindeswohl darstellen soll. Diesen Widerspruch könnten auch die Eltern wohl kaum ihren Kindern erklären. Aber das müssen sie ja nun nicht, da der Bürgermeister den Cannabiskonsum auf dem Stadtfest verbietet.“
„Jeder sollte frei selbst entscheiden“
Der laut Gesetz verbotene Cannabiskonsum in „Sichtweite“ von Schulen, Kindergärten, Spielplätzen und ähnlichen Einrichtungen ist aus Sicht des Linken-Ratsherrn richtig. Dort müssten Kinder und Jugendliche täglich diese Einrichtungen aufsuchen und geschützt werden. Das Verbot des Konsums in „unmittelbarer Gegenwart von Personen unter dem 18. Lebensjahr“ sollte aber von der Stadt nicht so restriktiv angewendet werden, dass der Konsum auf öffentlichen Veranstaltungen wie dem Stadtfest gar nicht mehr erlaubt wird, meint Siebolds. „Hier kann schließlich jeder selbst und frei entscheiden, ob er dort hingeht und sich oder seine Kinder dem Anblick von trinkenden oder kiffenden Menschen aussetzt“, meint der Linken-Ratsherr.
In dem Cannabisverbot der Stadtverwaltung zeige sich, dass Cannabis zu einer „sehr gefährlichen, inakzeptablen Droge“ stigmatisiert wird, während der Alkoholkonsum als gesellschaftliches Highlight relativiert und verharmlost werde, meint Siebolds.
Hauptursache für Ärger meist Alkohol
Das gelte umso mehr, weil die Jugendlichen schon ab 16 Jahren mittrinken dürfen. „Dabei sind Cannabiskonsumenten schon beim letzten Stadtfest und auch sonst in der Öffentlichkeit in Aurich kaum unangenehm aufgefallen“, meint Siebolds. „Demgegenüber ist immer wieder Alkoholmissbrauch hauptursächlich für Streit, Schlägereien, Vandalismus, Unfälle und sonstige Störungen der Öffentlichkeit. Die hohe Präsenz von Polizei und Sicherheitsdiensten ist vor allem darauf zurückzuführen.“
Seine Kritik soll niemandem ein feucht-fröhliches Stadtfest vermiesen, betont Ratsherr Siebolds. „Aber man sollte dann eben die Cannabiskonsumenten als gleichberechtigt tolerieren. Und gegenüber Kindern und Jugendlichen sollte man offen und ehrlich über jede Art von Drogen aufklären und eindringlich vor deren Gefahren warnen. Aber Cannabiskonsumenten vom Stadtfest auszugrenzen ist nicht nur unbegründet und ungerecht, sondern in der Drogenaufklärung letztlich verlogen.“