75. Hochzeitstag  Kronjuwelen und ganz großes Glück in Ost-Victorbur

| | 29.07.2025 09:50 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Dieses Foto von Engel und Gerd Uffen entstand vor fünf Jahren, zur Gnadenhochzeit. Nun sind es Kronjuwelen. Foto: Karin Böhmer
Dieses Foto von Engel und Gerd Uffen entstand vor fünf Jahren, zur Gnadenhochzeit. Nun sind es Kronjuwelen. Foto: Karin Böhmer
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Engel und Gerd Uffen aus Ost-Victorbur haben am 29. Juli 1950 geheiratet. Und sind 75 Jahre später immer noch verliebt. Noch heute lachen sie über kleine Pannen am Tag der Heirat.

Ost-Victorbur - An diesem Dienstag passiert etwas so Ungewöhnliches, dass selbst der liebe Gott bestimmt einen Extrablick auf ein Haus in Ost-Victorbur wirft. Dort treffen sich Gerd und Engel Uffen zum Frühstück mit ihren Kindern Hildegard und Rudolf und deren Ehepartnern. Das ist eigentlich nichts Ungewöhnliches. Aber an diesem Morgen ist es der gemütliche Start in ihren Hochzeitstag. Den 75. Hochzeitstag.

Wenn man die lange Liste der Ehejubiläen durchgeht, die Perlen- und die Rubinhochzeit längst hinter sich gelassen hat, auch die Eiserne und die Gnadenhochzeit, findet man den Namen für so einen 75. Hochzeitstag: Kronjuwelenhochzeit.

Kronjuwelen – ja, die hatte auch die britische Queen Elisabeth, die darüber hinaus für ihre lange Ehe bekannt geworden ist. 73 Jahre lang war sie mit Prinz Philipp verheiratet. Aber die Kronjuwelenhochzeit erreichte sie nicht.

Schnippelbohnen mit Schlagsahne zu Mittag

Die findet dafür in bescheideneren Verhältnissen nun in Ost-Victorbur statt. Am Morgen wird auf erklärten Wunsch des Jubelpaares der Tag ganz ruhig eingeläutet. Später steht die Tür offen für Besuch. Die Nachbarn werden laut Rudolf Uffen sicher vorbeischauen. Ebenso Pastorin Andrea Düring-Hoogstraat und der stellvertretende Bürgermeister Ralf Geiken. Auch die beiden Schwestern von Gerd Uffen werden erwartet. Beide leben noch, die eine 88-jährig, die andere 98-jährig. Seine ältere Tante habe sich gerade einen Traum erfüllt und sich eine weiße Jeansweste gekauft, sagt Rudolf Uffen. Und sie verreise immer noch gern. Außerdem darf das Jubelpaar mit Besuch von Enkeln, Urenkeln, Nichten und Neffen rechnen. Mittags gibt es auf Wunsch des Bräutigams übrigens Schnippelbohnen mit Schlagsahne.

Dieses Foto gefällt der Familie besonders gut und ist etwa 15 Jahre alt. Foto: privat
Dieses Foto gefällt der Familie besonders gut und ist etwa 15 Jahre alt. Foto: privat

Die Liebesgeschichte der beiden nun 96-Jährigen begann im Juni 1947. Damals waren sie 17 und 18 Jahre alt. Gerd Uffen fiel das blonde Mädchen mit den Zöpfen gleich auf, das auf dem Nachbarhof in Stellung gegangen war. Er hatte seinen Engel gefunden. Seine Avancen um die schöne neue Nachbarin blieben jedoch zunächst vergeblich. Nicht mal zum Tanzen durfte er sie ausführen - dabei tanzte er für sein Leben gern.

Schwester spielte eine entscheidende Rolle

Engel hingegen überhaupt nicht. Ihr Leben lang sollte sie damit nichts anfangen können. Und dennoch beginnt die Romanze beim Tanz in der Gaststätte Thun. Da hatte ihre ältere Schwester sie mit hingeschleppt. „Sie wollte unbedingt hin und hat so lange geredet, bis ich mitgekommen bin“, erzählt Engel Uffen heute. „Und Gerd tanzte da und kam gleich rüber.“

Bis vor wenigen Jahren gab es das Kookhus, in dem sie sich damals oft getroffen haben, wie ihr Sohn erzählt. Die Mutter frage manchmal noch danach. Und Gerd Uffen berichtet, dass er sich auf dem kleinen elterlichen Hof damals die Zeit relativ frei einteilen konnte, seine Engel aber leider nur sehr selten von der Arbeit auf dem Hof wegkonnte. Der damals strenge Umgang empört ihn heute noch.

Auto streikte im ungünstigen Moment

Der Schwester verdankt Engel Uffen nicht nur den Moment, in dem es Klick gemacht hat. Sie verdankt ihr auch den Brautstrauß, als es drei Jahre und einen Monat später zum Traualter ging. Der Hochzeitstag war turbulent. Zuerst hatte niemand über Blumen nachgedacht, sodass die Schwester kurzerhand im elterlichen Garten „räuberte“. Das Feuerwehrauto, mit dem der Schwager sie fuhr, blieb auf der Fahrt zur Victorburer Kirche auch noch stehen - das Benzin war aus. Die Brautleute gingen die letzte Strecke zu Fuß, der Schwager eilte unterdessen nach Georgsheil zur Tankstelle. Aber dann war der erste große Schritt geschafft.

So sahen Gerd und Engel Uffen aus, als sie sich kennenlernten. Foto: privat
So sahen Gerd und Engel Uffen aus, als sie sich kennenlernten. Foto: privat
Das Paar befand sich auf dem Weg zum ersten Ehejubiläum, der Papierhochzeit.

Daran wurde aber kein Gedanke verschwendet, denn die Zeiten waren schlecht und der Aufbau der Familie kostete alle Kraft. In den ersten drei Jahren wohnten die Frischvermählten getrennt, jeweils bei den Eltern. Unterdessen wurde in Eigenleistung das erste Stück des heutigen Hauses gebaut. Mit Tochter Hildegard zogen beide ein. Sohn Rudolf kam dort zur Welt.

Das Familien-Netz hat nicht das kleinste Loch

Anfang der 1960er-Jahre fand Gerd Uffen dauerhafte Anstellung bei einem Bauunternehmen in Emden. Die Zeiten wurden besser. Engel Uffen versorgte die Kinder, Haus, Garten und das Schlachtschwein.

Mit den Nachbarfrauen pflegte sie einen engen Austausch, sang für ihr Leben gern und pflanzte in jede freie Ecke Blumen. Wenn das Wetter gut ist und die Kinder sie rausschieben, schauen die Uffens noch heute in den Garten. Sonst stellen Hildegard oder Rudolf ihrer Mutter Blumen in die Küche.

Das Familien-Netz hat nicht das kleinste Loch. Auch wenn Gerd und Engel Uffen mit ihren 96 Jahren inzwischen beide im Rollstuhl sitzen und der Pflegedienst zweimal am Tag vorbeikommt, ist ihre Küche selten leer. Rudolf kommt jeden Morgen vorbei, Hildegard jeden Nachmittag. Dann wird das Nötige gemacht und viel über die alte Zeit gesprochen. Die Eltern würden immer wieder neue Dinge aus den ersten Jahren erzählen, sagt Hildegard. „Man kann gar nicht glauben, wie einfach das Leben war und was sie alles bewältigen mussten.“ Da das Jubelpaar nie ein Auto hatte, musste Engel Uffen alles mit dem Fahrrad erledigen. Auch größere Einkäufe.

Alle schlimmen Zeiten zusammen durchgestanden

Die Kindheit sei sehr glücklich gewesen, sagen beide Kinder. Auch um die Enkel und die Urenkel hätten sich die beiden Jubilare intensiv gekümmert - sogar mit mehr Muße als bei den eigenen Kindern, als immer etwas zu tun war. Eine Enkelin kümmere sich als Fachkraft nun mit um die medizinische Versorgung. Und Nichte Foline, die direkt nebenan wohne, komme immer dann vorbei, wenn die Kinder mal verhindert seien. „Wenn wir unsere Kinder nicht hätten, wäre es schwierig“, sagt Engel Uffen.

Wie viele Kronjuwelenhochzeiten in Niedersachsen? Ab der Goldenen Hochzeit bekommen Ehepaare in Niedersachsen zu den runden Ehejubiläen eine Ehrenurkunde aus Hannover, entweder aus dem Innenministerium oder vom Ministerpräsidenten. Bei der Goldenen und Diamantenen Hochzeit unterzeichnet Innenministerin Daniela Behrens, bei der Eisernen Hochzeit, Gnadenhochzeit und Kronjuwelenhochzeit der Ministerpräsident, also Olaf Lies. Laut einem Sprecher des Innenministeriums lässt sich nicht sagen, wie viele der Urkunden tatsächlich im Jahr ausgegeben werden, da die jeweils zuständigen Kommunen sich darum kümmern, die Namen einzusetzen. Was die Kronjuwelenhochzeit angeht, kann das Innenministerium immerhin sagen, dass für 2024 niedersachsenweit 150 Urkunden bestellt wurden. In diesem Jahr seien 200 Urkunden von den Kommunen angefordert worden.

Ihr und ihrem Mann ist die Dankbarkeit anzumerken. Für den familiären Rückhalt ebenso wie für die vielen gemeinsamen Jahre. Beide waren schwer krank und haben die schlimmen Zeiten zusammen durchgestanden. Vor zwei Jahren sah es sogar sehr ernst aus. Aber zusammen und mit der Fürsorge der Familie wurde auch dieses Tal durchschritten.

Beide sind genau auf alle Aufgaben eingespielt

„Wir sind überglücklich, dass wir so viele Jahre zusammen hatten und immer noch beieinander sind“, sagt Engel Uffen. Ihr Mann grinst verschmitzt. Und ganz schön oft greift er während des Gesprächs nach ihrer Hand oder knufft sie ein kleines bisschen in den Arm.

In den Stunden, wo sie alleine sind, machen sie alles zusammen, sind genau auf alle Aufgaben eingespielt. Wenn sie Appetit auf Tee haben, sitzt jeder Handgriff im Zusammenspiel. Die Kinder sind stolz auf ihre Eltern. „Es ist schon etwas Besonderes, wenn beide Eltern zur eigenen Goldenen Hochzeit kommen“, sagt Hildegard Oltmanns und lacht.

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