First-Responder-App So soll künftig der Einsatz von nahen Ersthelfern funktionieren
In den Kreisen Aurich, Wittmund und Leer sollen bald Ersthelfer, die sich nahe bei einem Notfall befinden, zur schnellen Hilfe alarmiert werden. So werden sie ausgewählt, das sind ihre Aufgaben.
Aurich/Wittmund/Leer - Mit der neuen Technik in der Kooperativen Regionalleitstelle Ostfriesland (KRLO) soll künftig eine noch schnellere Versorgung im Notfall durch eine First-Responder-App möglich sein. Leitstellen-Geschäftsführer Michael Grönheim geht davon aus, dass das System im Herbst in Betrieb gehen kann.
Die Schnittstelle ist in Vorbereitung, dann soll die App Katretter Ersthelfer, die sich in der Nähe eines Notfalls befinden, alarmieren können. Die technischen Voraussetzungen seien ansonsten dafür nun geschaffen, so Grönheim. Auch die Landkreise haben sich politisch auf diese neue Form der Zusatzhilfe vorbereitet. Im Betriebsausschuss „Rettungsdienst Landkreis Aurich“ stimmten die Kreispolitiker beispielsweise kürzlich schon einstimmig für die Einführung eines solchen Systems. Das letzte Wort hat dabei aber der Kreistag in seiner Sitzung im September.
Qualifikation muss nachgewiesen werden
Laut Grönheim werden die Ersthelfer zusätzlich zum offiziellen Rettungsdienst informiert. Ihre Stärke soll sein, dass sie sich sehr nah am Einsatzort befinden und schnell vor Ort sein können. Wer First Responder werden will, muss sich zum einen die kostenlose App runterladen. Zum anderen muss er sich bei seinem jeweiligen Landkreis registrieren und freischalten lassen.
Ist das nicht eine Steilvorlage für Gaffer, sich frühzeitig über Einsätze in ihrer Nähe informieren zu lassen? Nein, sagt Grönheim. Denn die Ersthelfer müssen sich nicht nur registrieren, sondern auch eine Qualifikation in Erster Hilfe nachweisen, bevor sie freigeschaltet werden. Die genauen Voraussetzungen lege jeweils die ärztliche Leitung des Rettungsdienstes fest.
Bei den Mitarbeitern der Leitstelle ist es beispielsweise eindeutig. Sie sind alle qualifizierte Rettungssanitäter und werden sich auch überwiegend selbst als First Responder registrieren, wie im Gespräch mit unserer Redaktion durchklang.
Aufgefunden werden die Helfer per Funkmast-Abfrage
Vorgesehen sei nach jetzigem Planungsstand dennoch, dass die registrierten Helfer zu einem Kennenlern-Treffen mit einigen praktischen Übungen eingeladen werden. Dort könnten auch Fragen beantwortet werden, beispielsweise zu Versicherungen oder der rechtlichen Verantwortung. Die Hürden für Gaffer, sich einfach eins System einzuschleichen, seien also sehr, sehr hoch, betont Grönheim. Zudem erfolge eine Evaluierung der Einsätze, sodass schwarze Schafe spätestens dann erkannt und aus dem System gelöscht würden.
Wenn es zu einem Notfall kommt, werden die Smartphones Grönheim zufolge über die Funkmast-Zuordnung geortet. Wer in der Nähe des Einsatzortes eingeloggt sei, werde also gefunden - auch wenn die Standort-Erkennung des Telefons deaktiviert sei. Dann würden nach Möglichkeit drei Ersthelfer benachrichtigt. Die Leitstelle sei an der Auswahl nicht beteiligt, das steuere die Technik.
Einsätze können auch abgelehnt werden
Die alarmierten First Responder müssten auf die Alarmierung mit einer Zusage oder Absage reagieren. Sie dürften den Einsatz aber durchaus ablehnen, wenn sie beispielsweise gerade für Kinderbetreuung zuständig oder anderweitig nicht abkömmlich seien, betonte der Leitstellen-Chef. Dann würden vom System weitere First Responder kontaktiert, damit nach Möglichkeit niemand alleine vor einer Notsituation steht. Ohnehin bezieht sich der Einsatz der First Responder nur auf die allerersten Maßnahmen, bis ein Rettungswagen vor Ort ist und den Einsatz übernimmt.
Erst wenn First Responder einen Einsatz offiziell angenommen haben, werden sie über weitere Details wie das Einsatzstichwort und die genaue Adresse informiert.
Bei der Hilfe gehe es um erste Maßnahmen, die helfen, Schaden von einer Person in Notlage abzuwenden, so Grönheim. Nach wenigen Minuten ohne Sauerstoff werde das Gehirn nachhaltig geschädigt. Deshalb seien beispielsweise Beatmungsmaßnahmen in den allerersten Minuten essentiell für den späteren Zustand eines Patienten.