SpVg jubelt beim OC  Aurich feiert symbolischen Erfolg gegen Großefehn

| | 19.07.2025 13:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Nach dem siegreichen Elfmeterschießen bricht bei den Aurichern große Freude auf dem Ellenfeld aus. Fotos: Wilfried Gronewold
Nach dem siegreichen Elfmeterschießen bricht bei den Aurichern große Freude auf dem Ellenfeld aus. Fotos: Wilfried Gronewold
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Ostfriesland-Cup: Nach einem 1:1 und Sieg im Elfmeterschießen gegen Großefehn bricht riesige Freude bei den Aurichern aus. Hinter dem Jubel steckt etwas Größeres.

Aurich – Sie jubelten, rissen die Arme in die Höhe, tanzten und umarmten sich, so als hätten die Spieler der SpVg Aurich am Freitagabend den großen Pokal des Ostfriesland-Cup (OC) gewonnen. Weit gefehlt. Die Auricher hatten zuvor in einer bedeutungslosen Partie der Gruppe Ost des lukrativen Fußballturniers gegen den SV Großefehn 1:1 gespielt. Nicht unbedingt ein Grund für Jubelarien. Das Motiv lieferte die Mannschaft von SpVg-Trainer Daniel Franziskus aber nach dem Abpfiff im obligatorischen Elfmeterschießen. Das spannende Duell vom ruhenden Punkt gewannen die Auricher 6:5. Dafür ließen sie es auf dem Ellernfeld krachen.

Teamgeist gezeigt

Zu Recht befand SpVg-Trainer Franziskus: „Die Mannschaft hat Einsatz und Teamgeist gezeigt“, lobte er den Auftritt seiner neu formierten Mannschaft. Sein Gegenüber, Bi Le Tran vom SVG, war enttäuscht und räumte ein: „Wir haben nicht das umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten.“

Energiegeladen an der Seitenlinie: Der Auricher Trainer Daniel Franziskus
Energiegeladen an der Seitenlinie: Der Auricher Trainer Daniel Franziskus

Rund 130 zahlende Zuschauer wollten das letzte Spiel in der Gruppe Ost sehen. Da waren die Würfel in Sachen Gruppensieg schon längst gefallen. Der SV Wallinghausen zog bereits am Donnerstag ins Halbfinale ein. So lieferten sich die beiden Bezirksligisten Aurich und Großefehn einen Schlagabtausch für die Statistik des Ostfriesland-Cup ab.

Endlich Ruhe auf dem Ellernfeld

Auf diesen Aspekt sollte einer der OC-Organisatoren nach Spielschluss im Gespräch mit dieser Zeitung noch eingehen und Veränderungen im Regelwerk in Aussicht stellen.

Darauf setzte auch Horst Kuhlmann, der kurzfristig eine Leerstelle im Auricher Kassenhäuschen ausfüllte. Der ehemalige Leiter der SpVg-Fußballherrensparte wunderte sich nicht über den schleppenden und überschaubaren Kartenverkauf. „Kein Wunder, es geht ja auch um nichts mehr“, so Kuhlmann und legte noch einen Satz zur Gemütslage bei der SpVg nach: „Endlich haben wir Ruhe im Verein nach den unruhigen Zeiten zuvor.“ Damit meinte er die Schlussphase der vergangenen Saison, als sich der Traditionsverein vom Ellernfeld und sein Trainer Claudio Casto uneinig waren über die Zukunftsstrategie und auseinandergingen.

Wichtiges Anliegen des SpVg-Chefs

Auch Vereinschef Ralf Dreiling freute sich über Frieden und Stille auf dem Ellernfeld und stellte am Freitagabend im Gespräch mit dem Autor dieser Zeilen noch eine Herzensangelegenheit klar. Sozusagen eine für ihn wichtige Fußnote zu den Querelen mit dem Ex-Trainer Casto: Dieser habe das Handtuch geworfen, wollte gehen und der Verein habe ihn nicht gefeuert, unterstrich Dreiling. So als wolle er sich ein Pflaster verordnen für die immer wieder aufplatzende Wunde, wenn es um die Deutungshoheit des Endes von Casto bei der SpVg gehe.

Nachdenkliche Blicke: SVG-Trainer Bi Le Tran
Nachdenkliche Blicke: SVG-Trainer Bi Le Tran

Fakt war, dass beide Seiten Anfang April eine Trennung zum Saisonende vereinbart hatten. Dennoch musste Casto vorzeitig fünf Spieltage vor Saisonende gehen, weil ihm der Verein ein unzureichendes Trainingsangebot vorwarf und ihn feuerte.

Großefehn beginnt vielversprechend

Vorbei. Die Blicke richteten sich am Freitagabend fortan auf das Geschehen auf dem Rasen.

Dort traten beide Mannschaften bei rund 20 Grad mit dem inneren Versprechen an, dieses Spiel zu gewinnen. Ein Sieg als Bonbon für die anstrengende und herausfordernde Vorbereitungszeit auf die in zwei Wochen beginnende Punktspielserie der Bezirksliga.

Den besseren Start legten die Fehntjer hin. Eine Flanke von der rechten Seite wuchtete Torjäger Klaas Bikker (5.) mit viel Wumms ins Auricher Netz. Unhaltbar für den SpVg-Torwart Mathis Laue. Nur wenige Minute später hatte der antrittsschnelle Bikker das 2:0 für die Gäste auf dem Fuß. Er war seinem Bewacher enteilt und kam frei vor dem Auricher Tor zum Schuss. Diesmal wehrte Laue den Ball zur Ecke ab. Die Vorentscheidung blieb aus und die Auricher kämpften sich bei hohen Temperaturen ins Spiel. Es spielte sich vorwiegend zwischen den beiden Strafräumen ab. Gefährliche Chancen auf beiden Seiten? - Fehlanzeige.

Auricher Trainer unter Strom

Während die Partie ohne sehenswerte Aktionen auskommen musste, rannte an der Seitenlinie der Auricher Trainer Franziskus auf und ab. Er feuerte laute Kommandos für seine Spieler ab, wies mit den Händen die Richtung an. Franziskus gönnte sich nur wenige Momente des Innehaltens.

„So bin ich eben,“ sagte er später nach Spielschluss, „und ich will meine ganze Mentalität auf den Platz zu meinen Spielern bringen“.

Bis zur Pause blieb sein energiegeladener Einsatz vor der Trainerbank noch ergebnislos. Die SpVg ging mit dem 0:1-Rückstand in die Kabine. Daran sollte sich aber im zweiten Durchgang noch etwas ändern.

Zuerst ließ nach Wiederanpfiff der für Bikker eingewechselte Alexander Geis (55.) mit einem Kopfstoß das 2:0 aus. Der Ball rauschte knapp am Pfosten vorbei. Die Fehntjer grämten sich der verpassten Chance. Nicht nur das. Sie mussten nach einer Stunde Spielzeit den Ausgleich hinnehmen. Ein sehenswerter Treffer der Auricher, der vom flinken Kafil Kouame Isimaila mit einem Sololauf bis zur Grundlinie auf der rechten vorbereitet wurde. Sein exakter Querpass fand in der Mitte des gegnerischen Strafraums Aurichs Stürmer Marvin Rothkegel (60.), der den Ball über die Line schob. 1:1.

Großefehn verpasst Siegtreffer

In der Schlussphase punktete Großefehn zwar mit drei guten Möglichkeiten, die alle vergeben wurden. Darunter ein spektakulärer Seitenfallzieher von Geiß, der den Ball volley traf und vom eingewechselten Auricher Torwart Rico Heyen mit einem Reflex entschärft wurde. So gingen beide Mannschaften mit einem 1:1 beim Abpfiff ins Elfmeterschießen.

Im entscheidenden sechsten Durchgang, zuvor gab es beim 5:5 keine Fehlschüsse auf beiden Seiten, hielt SpVg-Torwart Heyen den Schuss von SVG-Spieler Helge Janssen. Diese Vorlage nutzte Aurichs Kapitän Marco Mouzong und hämmerte den sechsten Elfer ins Netz. Die Auricher rissen die Arme hoch und freuten sich über den symbolischen Erfolg im Elfmeterschießen, der mit 100 Euro für die Mannschaftskasse veredelt wurde.

Vor dem Spiel entbrannte eine Diskussion, ob auf dem Grill der Auricher die von den Organisatoren genehmigten Bratwürste liegen würden. Orgachef Manfred-Bloem befand: „Es sind die richtigen Würste!“
Vor dem Spiel entbrannte eine Diskussion, ob auf dem Grill der Auricher die von den Organisatoren genehmigten Bratwürste liegen würden. Orgachef Manfred-Bloem befand: „Es sind die richtigen Würste!“

Beim Verlierer gab es nachdenkliche Mienen. SVG-Trainer Tran räumte ein: „Nach vier Spielen in sieben Tagen fehlten uns die Körner.“

Für SpVg-Trainer Franziskus befindet sich seine Mannschaft auf Kurs. Er freute sich über einige gelungene Spielzüge und den Teamgeist. Der soll am Sonnabend mit dem Mannschaftsabend weiter gestärkt werden.

Vorsingen und andere Regeln

„Da werden wir Spaß haben. Die Neuen werden jeder ein Lied singen und später geht´s durch die Stadt zum Weinfest.“

Prächtige Aussichten für die SpVg. Über die Aussichten für den Ostfriesland-Cup 2026 ließ sich Mitorganisator Manfred Bloem nach Spielschluss in die Karten schauen.

Er sagte: „Wir werden wohl wieder zum K.O.-System zurückkehren, um die Spannung in allen Spielen hochzuhalten. Das war diesmal in einigen Gruppenspielen nicht so. Da ging es um nichts mehr. Das hat uns auch nicht gefallen.“

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