Schulschwimmen  Ihlower Politik sauer über Preiserhöhung im De Baalje

| | 15.07.2025 06:08 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 7 Minuten
Montags ist das Auricher Schwimmbad De Baalje außerhalb der Ferien dem Schulschwimmen vorbehalten. Foto: Romuald Banik
Montags ist das Auricher Schwimmbad De Baalje außerhalb der Ferien dem Schulschwimmen vorbehalten. Foto: Romuald Banik
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In Aurich soll das Schulschwimmen künftig kostendeckend sein. Das reißt ein Loch in den Ihlower Haushalt. Doch das ist nicht der einzige Grund für Kritik. So will Ihlow damit umgehen.

Ihlow/Aurich - Wie ein Stoß ins kalte Wasser hat die Gemeinde Ihlow die Nachricht getroffen, dass der Preis für das Schulschwimmen im Auricher Schwimmbad De Baalje mit dem neuen Schuljahr deutlich angehoben werden soll.

Statt wie bisher 2 Euro pro Stunde und Schüler sollen die Schulen nun künftig 8,39 Euro pro Stunde und Schüler zahlen. Entsprechende neue Verträge hätten die betroffenen Schulen mit Schreiben vom 17. Juni erreicht, sagte der Ihlower Bürgermeister Arno Ulrichs. Das sei mitten in der Zeugniszeit gewesen. Die Schulen hätten die Nachricht dann an die Gemeinde weitergegeben. Für eine politische Diskussion im Fachausschuss sei es da vor den Ferien allerdings schon zu spät gewesen.

Eine Preissteigerung um 420 Prozent sei „schon ein saftiger Aufschlag“, so Ulrichs. Zusammen mit den Ratsfraktionen sei dann beschlossen worden, den Schwimmunterricht im De Baalje vorerst für das nächste Schuljahr fortzusetzen. Parallel müssten Alternativen geprüft werden, so Ulrichs.

Ärger, dass reguläre Tickets günstiger sind als Schulschwimmen

Die Ihlower Ratsfrau Insa Buß (Grüne) kann ihren Ärger nicht verbergen. Die höheren Entgelte träfen die Gemeinde Ihlow hart. Der Haushalt sei bei immer mehr Pflichtaufgaben am Limit. Stiegen die Kosten an einer Stelle, müsse woanders etwas abgezwackt werden.

Buß ist nicht nur über die deutliche Erhöhung sauer, sondern auch über die kurzfristige Mitteilung der Stadt Aurich an die betroffenen Schulen. „Es war seitens der Politik nicht mal mehr eine Besprechung mit der Schulleitung und den Eltern möglich“, so Buß. „Es gab keine Reaktionsmöglichkeit mehr - außer den Unterricht zu streichen oder den höheren Preis zu zahlen.“ Das habe allgemein für Verärgerung in der Ihlower Politik gesorgt. „Man hat uns die Pistole auf die Brust gesetzt.“

Zudem kritisiert die Ratsfrau, dass das Schulschwimmen inzwischen teurer sei als ein reguläres Ticket. „Da muss man ja schon überlegen, ob man nicht diesen Weg wählt und für die Schüler Einzelkarten kauft“, so Buß. Denn die kosteten ab August für Kinder und Jugendliche nur 3,60 Euro für 90 Minuten im Bad. Und die Schüler hätten ihre Aufsichtskraft sogar dabei, verursachten für die Stadt Aurich also weniger Aufwand als Einzelnutzer, sagte Buß. Sogar der dreistündige „Wohlfühltarif“ für Vollzahler sei nur wenige Cent teurer als eine Stunde Schwimmen für Schüler.

Ihlow schickt Schüler von zwei Schulen ins De Baalje

Ganz so einfach ist es natürlich nicht. Denn das Hallenbad im De Baalje ist montags wegen des Schulschwimmens für die Öffentlichkeit geschlossen. Dienstags, mittwochs und donnerstags ist zudem ein Bereich des Aktivbeckens zeitweise für Schwimmunterricht gesperrt.

Aus Ihlow nutzen laut Buß derzeit Schüler der Grundschule Weene und der IGS Hermann-Tempel-Schule das Auricher Bad für den Schwimmunterricht. Die Gemeinde halte zwar Lehrschwimmbecken in Westerende und Weene vor – aber unbeheizt. Zudem werde das Schwimmbecken in Weene saniert, weshalb die Schüler Ersatz brauchen. Und für den Fortgeschrittenen-Schwimmunterricht sei ein Lehrschwimmbecken ohnehin nicht ausreichend, so Buß. Entsprechend müssten die Schüler ein Schwimmbad aufsuchen. Eigentlich müssten sogar noch weitere Schulen das Angebot bekommen, nach Aurich zu fahren. Aber dort fehlten Schwimmlehrer und der Aufwand für die Anfahrt sei höher. Schwimmunterricht sei ohnehin mit vielen organisatorischen Hürden behaftet. Wenn nun noch der Preis als Hürde hinzukomme, sei das wirklich problematisch.

Stadtrat: Auricher Steuerzahler können nicht fremden Schwimmunterricht subventionieren

In der Schule das Schwimmen zu lernen, sei eine wichtige Sache, so die Ratsfrau. Es gebe immer mehr Badeunfälle, weil Kinder nicht ausreichend schwimmen könnten. Die Gemeinde Ihlow stehe also unter Zugzwang, den Schwimmunterricht zu bezahlen. Dass die Stadt Aurich ihre Preispolitik nun so ändere, dass die normalen Tickets trotz allgemeiner Preiserhöhung weiterhin subventioniert würden, während die Schulen beziehungsweise deren Träger einen kostendeckenden Preis zahlen müssten, sei das ungerecht, so Buß. Der Auricher Haushalt werde auf dem Rücken der umliegenden Kommunen saniert, obwohl diese finanziell auch mit dem Rücken zur Wand stünden. Aus Sicht des Stadtrates sehe das sicher anders aus. „Aber ich vertrete die Gemeinde Ihlow“, sagte die Grüne.

In der Stadt Aurich wurde die Diskussion naturgemäß tatsächlich anders geführt. Eine Arbeitsgruppe erarbeitete über mehrere Monate das neue Preiskonzept. Ticket-Ermäßigungen für Kinder, Jugendliche und Familien, die auch das neue Preiskonzept enthält, wurden insbesondere mit Blick aufs Schwimmenlernen beibehalten. In der Diskussion im April hieß es aber auch, dass die Stadt eine Dienstleistung für die Schulen erbringe, die kostendeckend bezahlt werden müsse. Der Auricher Steuerzahler könne nicht den Schwimmunterricht in Nachbargemeinden subventionieren. Der neue Preis treffe die städtischen Schulen ebenso wie die Schulen des Landkreises und der Nachbarkommunen. Die Preiserhöhung müsse aber weder von den Eltern noch von den Schulen direkt getragen werden, sondern vom jeweiligen Schulträger.

Mehrkosten in Höhe von rund 11.500 Euro

Diese Rechnung können weder Buß noch der Ihlower Bürgermeister Arno Ulrichs ganz nachvollziehen. Ulrichs betonte zwar, dass er die Preispolitik der Stadt Aurich nicht zu kommentieren habe. Die Mehrkosten die der Gemeinde müssten aber trotzdem vom Steuerzahler, also auch den Eltern, aufgebracht werden.

Laut Buß hat Ihlow für die HTG-Schüler zuletzt 2580 Euro im Jahr für die Schwimmstunden im De Baalje gezahlt, für die Schüler aus Weene etwa 1000. Im Jahr 2026 lägen die Kosten dann bei 11.000 Euro plus 4000 Euro. Das seien rund 11.500 Euro mehr. „Die Haushalte sind immer knapper gestrickt“, so Buß. „Wir werden in den nächsten Beratungen über viel niedrigere Beträge diskutieren müssen.“

Auch Ulrichs geht davon aus, dass die Gemeinde entweder an anderer Stelle kürzen muss, um das teurere Schwimmen zu bezahlen. Oder der Schwimmunterricht stehe zur Debatte. Zugleich würden aber auch Alternativen geprüft. Da die HTG-Schüler Aurich aber mit dem Linienbus erreichen könnten, werde eine insgesamt günstigere Lösung aber kaum zu finden sein.

Auch Wiesmoor erhöht das Entgelt fürs Schulschwimmen

Nicht betroffen von der Preiserhöhung im De Baalje ist die Auricher Nachbargemeinde Südbrookmerland. Die Grundschüler haben nach Angaben des zuständigen Fachbereichsleiters Joachim Betten Lehrschwimmbecken in Moordorf und Moorhusen zur Verfügung. Die IGS-Schüler haben Schwimmunterricht erst am Standort Marienhafe - wo es ein Schwimmbad gibt.

Auch die Gemeinde Großefehn ist laut dem Ersten Gemeinderat Frank Cramer von der Auricher Preispolitik nicht betroffen. Dafür aber von Änderungen in Wiesmoor. Auch dort wird das Schulschwimmen teurer. Laut Cramer werden dort künftig 195 Euro pro 45-Minuten-Einheit berechnet, statt wie bisher 65 Euro. „Die Gründe dafür wurden uns erläutert und sind grundsätzlich auch nachvollziehbar“, so Cramer. Es gab keine Anpassung seit zehn Jahren, aber gestiegene Kosten.

„Dennoch löst diese Verdreifachung der Entgelte natürlich Stirnrunzeln und auch Überlegungen bei den Schulen und uns als Schulträger aus. Eine abschließende Umgangsweise mit dieser Erhöhung werden wir nach den Sommerferien mit den Schulleitungen abstimmen“, so Cramer.

Gerade für die Fehngemeinde Großefehn mit ihren Kanälen sei es den Schulen und der Gemeinde als Schulträger besonders wichtig, dass die Kinder die Chance haben, schwimmen zu lernen. Neben dem Schulschwimmen werde deshalb auch das Freibad in Holtrop unterhalten. Das sei für den Schwimmunterricht aber nur im Sommer nutzbar.

Bisher seien pro Jahr und Schule Kosten in Höhe von rund 6000 Euro pro Jahr entstanden, so Cramer. „Zukünftig werden wir wohl bei dem doppelten Betrag landen. Das ist bei vier Grundschulen und der KGS natürlich eine ordentliche Steigerung, die es irgendwie zu finanzieren gilt.“

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