Verkehrswende in Aurich So sollen Pendler im Landkreis online Mitfahrer finden
Fast 12.000 Menschen fahren täglich aus dem Kreis Aurich allein nach Emden zur Arbeit. Sie sollen künftig einfacher Fahrgemeinschaften bilden können. Vorbild ist eine Idee aus der Stadt Aurich.
Aurich - Früher war es etwa unter Emder VW-Werkern aus dem Landkreis Aurich weit verbreitet, Fahrgemeinschaften zur Fabrik zu bilden. Doch zunehmende Individualisierung, ausgeweitete Arbeitszeiten und vor allem immer mehr eigene Autos haben diese Fahrgemeinschaften reduziert.
Im Sinne des Klimaschutzes will der Landkreis Aurich dieser Entwicklung nun entgegenwirken. Man wolle zusammen mit der Stadt Aurich die Mitfahrplattform auf Basis der Software „Pendla“ ausbauen, sagte der Leiter der Kreis-Wirtschaftsförderung, Jelto Müller, im zuständigen Ausschuss.
Über eine Internetseite können Interessierte herausfinden, wer sie auf dem Weg zur Arbeit mitnehmen könnte. So finden Menschen zu Fahrgemeinschaften („Matches“) zusammen, die sonst nicht vom jeweils anderen gewusst hätten. Bereits zum 1. August soll die Plattform starten, eine Werbekampagne soll ebenfalls noch im Sommer stattfinden.
89.000 Pendler-Bewegungen täglich im Landkreis
Nach Müllers Angaben gibt es im Landkreis Aurich täglich gut 89.000 Pendler-Bewegungen von gut 15.000 Einpendlern, gut 26.000 Auspendlern und knapp 48.000 Binnenpendlern.
Die meisten Einpendler in den Kreis Aurich kommen aus dem Landkreis Wittmund (3761), es folgen der Landkreis Leer (3265), die Stadt Emden (1985), die Landkreise Friesland (655), Ammerland (426), Emsland (375), die Stadt Oldenburg (329), der Landkreis Cloppenburg (235), die Stadt Bremen (223) und die Stadt Wilhelmshaven (190).
Die mit Abstand meisten Auspendler verlassen den Kreis Aurich in Richtung der Seehafenstadt Emden (11.987), ein Großteil davon wohl Mitarbeiter des dortigen Volkswagenwerks. Es folgen die Landkreise Leer (2716) und Wittmund (2322), die Stadt Oldenburg (755), die Landkreise Ammerland (606) und Friesland (568), die Stadt Wilhelmshaven (512), der Landkreis Emsland (371) sowie die Städte Bremen (351) und, erstaunlicherweise, Hamburg (339).
Die Kosten für die Einführung der „Pendla“-Plattform liegen laut Jelto Müller bei 5760 Euro jährlich und können durch Klimaschutzmittel des Landes und die Wirtschaftsförderung finanziert werden. Die Laufzeit beträgt zunächst fünf Jahre.
Die Städte und Gemeinden im Landkreis Aurich sollen über das Angebot informiert werden und können sich ebenfalls beteiligen. Dasselbe gilt für Unternehmen.
Initiative kam von Auricher Klimaschutzmanager
Die Initiative für die Ausweitung der „Pendla“-Plattform war vom Klimaschutzmanager der Stadt Aurich, Tjarko Tjaden, gekommen. Die Stadt hatte bereits im März 2024 eine Mitfahrplattform auf Basis von „Pendla“ eingeführt. Innerhalb eines Jahres registrierten sich immerhin 262 Menschen, die laut einer Präsentation von Tjaden im Februar 2025 genau 914 Fahrangebote pro Woche repräsentieren. 25 Arbeitgeber (von 234 angeschriebenen Unternehmen) hatten sich als Zielorte in das Portal, das im Internet unter aurich.pendla.com erreichbar ist, eingetragen.
Aus Sicht der Auricher Stadtverwaltung ist das „Pendla“-Angebot ein Erfolg. Die kritische Masse an Nutzern sei erreicht. Das lasse sich daran festmachen, dass man bei einem beliebigen Wohnort zehn Kilometer um das Stadtzentrum entfernt mindestens zwei bis drei qualifizierte Mitfahrgelegenheiten finde.
Kreis-Wirtschaftsförderer Jelto Müller sagte, man wolle „Pendla“ idealerweise auf ganz Ostfriesland ausweiten. Die Stadt Emden habe schon Bereitschaft signalisiert, dazu kämen dann im besten Fall noch die Landkreise Leer und Wittmund.
Übrigens: Die künftig kreisweite Pendler-Plattform soll unter dem plattdeutschen Motto „Mitnanner na Arbeid“ stehen – so ähnlich wie es wohl viele VW-Werker ausgedrückt haben.