Ehemaliges Kasernengelände in Aurich  Viele Ideen von Hängematte bis Hochbeet für „Blücherpark“

| | 19.06.2025 12:56 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Viel Grün gibt es auf dem Auricher Kasernengelände. Es soll in die künftige Gestaltung eingebunden werden. Foto: Romuald Banik
Viel Grün gibt es auf dem Auricher Kasernengelände. Es soll in die künftige Gestaltung eingebunden werden. Foto: Romuald Banik
Artikel teilen:

Seit mehr als zehn Jahren liegt das riesige Auricher Kasernengelände weitgehend brach. Erste neue Straßen wurden gebaut. Nun wurden Pläne für die Grünflächen vorgestellt.

Aurich - Hängematten, Liegebänke, Fitness-Geräte, Hochbeete, Picknick-Flächen: Er soll der zentrale Aufenthaltsort im künftigen neuen Stadtviertel auf dem Gelände der früheren Auricher Kaserne werden: Der „Blücherpark“. So stellt es sich zumindest Landschaftsarchitektin Johanna Reisch vom Büro Henning Larsen aus Hamburg vor. Sie präsentierte ihre Vorstellungen von der „Freiraumplanung“ für das Kasernengelände am Dienstagabend im Bauausschuss der Stadt Aurich. Es gebe viele „kleine Ideen“, mit denen man die Flächen beleben könne, so Reisch. Trends wie „Outdoor-Fitness“ (früher: Trimm-Dich) und „Urban Gardening“ (deutsch etwa: Gemeinschaftliches Gärtnern in der Stadt) sollen dabei berücksichtigt werden. Mit der Anpflanzung von Obstbäumen könne man „Ansätze der essbaren Stadt“ verwirklichen.

Auch einen Spielplatz soll es im Bereich dieses „Blücherparks“ geben, natürlich barrierefrei mit einem Mix aus Flächen aus Sand und Gummigranulat. Auch schirmartige „Schattenelemente“, angesichts häufigerer heißer Sommer, soll es geben. Bei der Gestaltung sollen Tritt-Steine aus alten Betonresten wieder verwendet werden. Auch die Natur, die sich auf dem jahrelang brachliegenden Gelände entwickelt habe, wolle man berücksichtigen. Bei der Landschaftsgestaltung solle außerdem ein „integriertes Regenwasser-Management“ zum Einsatz kommen mit offenen Mulden – im Sinne des Konzepts einer „Schwammstadt“.

Ideenreigen kommt bei Ratsleuten gut an

Bei den Auricher Ratsleuten kam der bunte Ideenreigen der Landschaftsarchitektin gut an. Fast jedes einzelne Ausschussmitglied äußerte sich mit einem eigenen Wortbeitrag dazu. „Das hat mir sehr gut gefallen“, meinte etwa Richard Rokicki (AWG). Auch Heidrun Weber (Gruppe GFA/Specken) sprach von „sehr schönen Visionen“. Sie wies darauf hin, dass gerade für Jugendliche neue Felder für Basketball und Beachvolleyball schön wären. Diese würden aber laut Stadtbaurat Mirko Wento eher im Bereich des vorhandenen Kasernen-Sportplatzes entstehen.

Volker Rudolph (GAP) sagte, man müsse bei der Planung auch an ältere Bürger denken. Er schlug eine Boule-Bahn und ein Groß-Schachfeld vor – und eine kleine Bühne für Musik oder Freiluft-Theater.

„Schön, dass wir endlich mal über grüne Flächen reden“

Gunnar Ott (Grüne) meinte: „Schön, dass wir endlich mal über grüne Flächen reden. Das sind Dinge, die wir Grüne seit langem fordern.“ Ein Wermutstropfen sei für ihn aber dennoch, dass insgesamt der Großteil der Grünflächen auf dem Gelände wegfalle und „zugebaut“ werde, so Ott. „Wir müssen aufpassen, dass wir nicht jeden Quadratmeter zuplanen.“ Die Fläche im südlichen Teil des Kasernengeländes sei die letzte größere grüne Freifläche im Stadtgebiet. Dort könne man womöglich einen Stadtpark anlegen.

In den Jahren, in denen das Kasernengelände brach lag, hat sich die Natur Räume zurückerobert. Foto: Romuald Banik
In den Jahren, in denen das Kasernengelände brach lag, hat sich die Natur Räume zurückerobert. Foto: Romuald Banik

Hendrik Siebolds (Linke) sprach ebenfalls von „vielen schönen kreativen Ideen“. Er aber äußerte zugleich Sorge um den Baumbestand – und betonte, bei der Planung müssten unbedingt die Wurzelbereiche freigehalten werden. Landschaftsarchitektin Reisch versicherte: „Es ist uns ein großes Anliegen, die großen Bäume zu erhalten.“

Umsetzung soll parallel mit Wohnbebauung laufen

Reinhold Mohr (Grüne) fragte, wie der angrenzende Wald Eickebusch eingebunden werden soll. „Da könnte man einen schönen fließenden Übergang machen“, meinte Mohr. Stadtbaurat Wento betonte dagegen: „Der Wald wird ausdrücklich nicht integriert.“ Denn dort gebe es eine größere Fledermauspopulation. Daher wird der Wald mit einer Wallhecke vom Kasernengelände abgegrenzt.

Arnold Gossel (CDU) lobte ebenfalls die „sehr schönen Pläne“, fragte aber, wann diese denn umgesetzt werden sollen. Wenn das sehr schnell geschehe, sei zu befürchten, dass die Elemente schon wieder kaputt sind, bevor überhaupt Bewohner in das neue Stadtviertel einziehen. Stadtbaurat Wento antwortete, die Landschaftsplanung solle parallel mit den Gebäudebauten laufen. Darüber sei man mit dem Investor im Gespräch. Man hoffe, dass man ab 2026 in die Umsetzung gehen könne.

Frage nach Kosten bleibt offen

Artur Mannott (CDU) sagte: „Das ist eine ganz tolle Planung“. Er fragte aber zugleich nach den Kosten: „Die sind sicher nicht von Pappe.“ Stadtbaurat Wento sagte, eine konkrete Zahl wisse man derzeit noch nicht. Man hoffe aber auf finanzielle Unterstützung durch Förderprogramme. „Dass das nicht für 3,50 Euro zu kriegen ist, ist uns auch bewusst“, so Wento.

Der Stadtbaurat kündigte an, man werde im nächsten Schritt eine detaillierte Entwurfsplanung mit Kostenberechnung vorstellen. „Wir werden stramm dran weiter arbeiten“, versprach er.

Ähnliche Artikel