Trotz Anwohnerbedenken Baugebiet Boomweg in Rahe auf der Zielgeraden
Am Boomweg in Rahe sollen 20 Wohnungen entstehen. Der Auricher Bauausschuss hat dem Bebauungsplan nun zugestimmt, obwohl Anwohner seit Jahren Sturm dagegen laufen. Das sind die Argumente.
Aurich - Drei der Anwohner des geplanten Baugebiets Boomweg stellten sich auch in der Sitzung des Bauausschusses zum Satzungsbeschluss noch immer gegen das Vorhaben. Wie berichtet, sind auf einer Grünfläche zwischen dem Boomweg und der Straße Achter‘t Thunen in Rahe acht Wohngebäude geplant. Darunter eins mit vier Sozialwohnungen, eines mit vier Wohnungen zum regulären Mietpreis sowie sieben Doppelhäuser. Die 20 Wohneinheiten und dazugehörige insgesamt 40 mit Rasengittersteinen gepflasterten Parkplätze verteilen sich rund um eine Stichstraße vom Boomweg aus auf gut einem halben Hektar Fläche. In der Mitte des Gebiets bleiben die beiden Eichen stehen. Unter ihnen entsteht ein Spielplatz. Auch auf der nordöstlichen Grenze am Raherster Zugschloot bleiben drei Eichen erhalten. Außerdem sollen im Gebiet mehrere Blutbuchen neu angepflanzt werden.
Die Firsthöhe soll acht Meter nicht überschreiten. Die Doppelhäuser haben eine Wohnfläche von rund 75 Quadratmetern je Hälfte. In den Vierfamilienhäusern sind die Wohnungen im Erdgeschoss jeweils 63 Quadratmeter und im Dachgeschoss. 56 Quadratmeter groß.
Anwohner: Entwässerung nach alten Maßstäben geplant
Die Anwohner haben sich vor Monaten zu einer Bürgerinitiative (BI) zusammengetan. Die drei Anwesenden brachten als Kritikpunkt eine unzureichende Planung der Entwässerung vor. Die Entwässerungssituation im Umfeld sei ohnehin schon problematisch und nun solle noch mehr Fläche versiegelt werden. Aus ihrer Sicht sei vorprogrammiert, dass sich das Wasser in den Gräben bei Starkregen noch weiter zurückstaue und die Gärten, Garagen und im schlimmsten Fall sogar Häuser in der Umgebung geflutet würden. Bislang habe die Weide, die nun bebaut und versiegelt werden solle, bei starken Niederschlägen stets unter Wasser gestanden, so eine Anwohnerin.
Das neue Baugebiet wird für ein Wohngebiet vergleichsweise wenig versiegelt, weil bei den Parkplätzen Rasengittersteine verswendet werden. In geringer Tiefe befindet sich jedoch eine steife Geschiebelehmschicht. Die Anwohner kritisierten, dass bei der Entwässerungsplanung nur das veraltete Arbeitsblatt DWA-A 117 zum Einsatz gekommen sei, obwohl seit Herbst letzten Jahres das Arbeitsblatt DWA-A 118 gültig sei. Zudem gebe es eine Neufassung des Arbeitsblattes DWA-A 138. „Jetzt wurde alles auf alter Grundlage geplant“, beklagte ein Anwohner. Die Nachbarschaft werde im Regen stehen gelassen. Angesichts zunehmender Extremwetterereignisse seien veraltete Regeln eine schlechte Grundlage. Diese Kritik sorgte bei einigen Ausschussmitgliedern für Verunsicherung. Gerda Küsel (SPD) fragte, wie viel Zeit es brauche, um die Entwässerungsplanung nach den neuen Vorgaben erneut durchzurechnen. Arnold Gossel (CDU) sagte, die Entwässerungsplanung sei gründlich geprüft und genehmigt worden. Darauf müssten sich die Ratsleute verlassen können.
Stadtbaurat: Probleme der Vergangenheit werden jetzt nicht gelöst
Planungsamtsleiter Till de Buhr betonte ebenso wie Stadtbaurat Mirko Wento, dass die Daten zur Entwässerung vom Landkreis gründlich geprüft worden seien. Diese weisen zudem einen außergewöhnlich niedrigen Versiegelungsgrad auf, so de Buhr. Mehrfach sei Investor Ingo Eschen den Wünschen der Anlieger entgegengekommen. Zur Regenrückhaltung würden unterirdisch Speicher mit einem Volumen von 77 Kubikmetern in Form von Rohren angelegt. Das gesammelte Niederschlagswasser wird anschließend über einen Pumpenschacht mit Notüberlauf in das vorhandene Gewässer abgeleitet. Zudem würden Mulden auf den nördlichen Grundstücken angelegt. Die Anlagen – so die Zusage – würden durch einen Hausmeister regelmäßig instandgehalten. Die ohne Zweifel vorhandenen Entwässerungsprobleme in der Umgebung seien aber auch unabhängig vom neuen Baugebiet da und würden dadurch nicht verschlimmert.
Auch Hendrik Siebolds (Linke) befürwortete die Pläne, denn so werde eine Baulücke geschlossen – und dann noch mit einem Anteil an Sozialwohnungen und mit Gebäuden, die sich gestalterisch gut in die Umgebung einpassten. Gunnar Ott (Grüne) zeigte sich wegen der Versiegelung als einziger skeptisch. Am Ende zeigte der Bauausschuss sich überzeugt und befürwortete den Bebauungsplan mit einer Gegenstimme von Ott.
BI brachte viele Argumenten gegen das Vorhaben vor
Die Bürgerinitiative protestiert seit zwei Jahren gegen das neue Baugebiet. Sie brachte dabei eine ganze Reihe von Argumenten vor. Der Bauausschuss schaute sich die Fläche vor Ort an. Und der Investor nahm eine Reihe von Anpassungen vor. Dennoch riss der Protest nie ab.
Argumente der Gegner waren, dass der Boomweg für den Verkehr zu schmal sei. Bei 20 neuen Wohneinheiten befürchteten die Anwohner, dass Autos an der Straße geparkt werden müssten, sodass landwirtschaftliche Fahrzeuge nicht mehr vorbeikämen. Auch wegen der Müllabholung waren die Anwohner in Sorge: Wenn ein Müllwagen im neuen Baugebiet nicht drehen könne, müssten die Tonnen am Boomweg abgestellt werden. Das konnte aber mit einem Wendekopf in der Siedlung verhindert werden. Auch die Bäume in der Mitte der Wiese und am Rahester Zugschloot waren Thema. Dem Wunsch der BI, diese zu erhalten, wurde entsprochen. Zusätzlich sollen noch Blutbuchen in dem Neubaugebiet gepflanzt werden.
Zudem beklagte die BI, dass die Mehrparteien- und Doppelhäuser sich nicht in die Einfamilienhausstruktur der Umgebung einpassen würden und wegen der vier Sozialwohnungen und 16 Mietwohnungen sogar ein Ghetto entstehen könnte. Den Mitgliedern wäre lieber gewesen, wenn die Wohnungen verkauft worden wären.