Gesundheitsversorgung in Ostfriesland Das ändert sich beim Ärztlichen Bereitschaftsdienst
Die niedergelassenen Ärzte sollen vor allem vom Fahrdienst mit Hausbesuchen entlastet werden. Die übernimmt jetzt eine andere Organisation.
Aurich - Mehr Telemedizin und bessere Versorgung der Patienten bei weniger Belastung für die Ärzte – und ein neuer Fahrdienst der Johanniter: Mit diesen Zielen wurde der Ärztliche Bereitschaftsdienst in Niedersachsen in den vergangenen Wochen neu ausgerichtet.
In Ostfriesland und im Landkreis Aurich sind die Veränderungen zum 2. Juni in Kraft getreten, wie der Geschäftsführer der Auricher Bezirksstelle der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN), Dieter Krott, auf Anfrage dieser Redaktion sagte.
Dabei geht es vor allem um die ambulante Akutversorgung außerhalb der Öffnungszeiten von Arztpraxen, also etwa abends, nachts und am Wochenende oder Feiertagen. Gemeint sind nicht lebensbedrohliche Fälle, in denen kein Rettungswagen oder die Vorstellung in der Klinik-Notaufnahme nötig ist. Wie bisher erhalten Patienten, die die Bereitschaftsdienst-Telefonnummer 116 117 wählen, eine strukturierte medizinische Ersteinschätzung.
Telemedizin soll viele Probleme klären
Die KVN geht davon aus, dass sich viele Probleme der Patienten bereits telemedizinisch, also telefonisch oder per Videokonferenz, klären lassen. Dafür stehen Ärzte aus ganz Niedersachsen bereit.
Sollte ein Hausbesuch notwendig sein, soll der „Telearzt“ an den medizinischen Fahrdienst übergeben. Neu ist nun: Dieser Dienst wird durch die Johanniter-Unfall-Hilfe, die für die Region ihren Sitz in Aurich hat, übernommen. Dadurch sollen die Ärzte entlastet werden.
Bislang hatten Ärzte aus dem jeweiligen Bezirk neben den Diensten in den Bereitschaftspraxen, zum Beispiel in Aurich, Norden und Emden, auch den sogenannten Fahrdienst. Sie mussten sich also auch außerhalb der Öffnungszeiten der Bereitschaftspraxen in Telefon- und Fahrbereitschaft halten und zu Hausbesuchen ausrücken. Das falle nun weg, erklärte Krott.
Stattdessen gibt es eine Art Pool von Ärzten aus ganz Niedersachsen, die sich freiwillig für den Fahrdienst melden können. Mit dabei sei stets auch ein Arzt aus Ostfriesland, sodass eine relativ zügige Erreichbarkeit gewährleistet sei.
Ärztemangel ein Grund für die Reform
Ein Hauptgrund für die Reform ist laut KVN der immer stärker spürbare Ärztemangel. Mit der Reform könne man zum einen die Patienten besser versorgen, zum anderen die Ärzte spürbar entlasten.
Die ersten Erfahrungen in den vergangenen Tagen zeigten, dass sich rund die Hälfte der Fälle bereits telefonisch oder per Videokonferenz klären lassen, sagte der Auricher KVN-Bezirksstellenleiter Krott. Oft gehe es zum Beispiel um Krankschreibungen oder Rezepte für Medikamente. Diese ließen sich mittlerweile komfortabel elektronisch ausstellen. Auch über die Pfingst-Feiertage habe sich das neue Modell bereits bewährt. Dieses sei für die nächsten Jahre fest vereinbart. „Wir wollen das weiterentwickeln“, sagte Krott.
An Bedeutung gewinnen wird das Modell wohl spätestens ab 2029, wenn die Zentralklinik in Uthwerdum eröffnet. Denn dann sollen voraussichtlich auch die drei Bereitschaftspraxen an den bisherigen Klinikstandorten Aurich, Emden und Norden schließen.
Gezahlt wird der Bereitschaftsdienst mit einer Umlage von den Mitgliedern der KVN, also den niedergelassenen Ärzten.