Absicherung von Veranstaltungen Aurich hat Zufahrtssperren bestellt
Die Stadt hat fünf Durchfahrtsbrücken und 25 Poller bestellt, um Veranstaltungen vor Anschlägen mit Fahrzeugen zu schützen. Der erste Einsatztermin steht schon fest.
Aurich - Angesichts verschiedener Anschläge mithilfe von Fahrzeugen auf Veranstaltungen in Deutschland rüstet nun auch die Stadt Aurich bei der Sicherheit auf. Wie berichtet, hat die Verwaltung sich entsprechende Abwehrsysteme angesehen und ist auf einen Betrag von rund 400.000 Euro gekommen, der dafür ausgegeben werden muss.
Im Ausschuss für Ordnung und Bürgerdienste stellte Ordnungsamtsleiter Helmut Lücht das Sicherheitskonzept und die Sperren zusammen mit drei Vertretern der Polizei Aurich vor.
Bestellt hat die Stadt die Vorrichtungen schon. Denn die Lieferzeiten seien angesichts der derzeitigen Nachfrage lang.
Zum Weinfest im Einsatz
Die Stadt hat sich für Durchfahrtssperren der Firma Hörmann entschieden. Nach einem Eilbeschluss des Verwaltungsausschusses im Mai seien umgehend fürs Erste fünf Durchfahrtsbrücken, sogenannte Road Blocker, und 25 Poller bestellt worden, so Lücht. Diese sollten, wenn alles nach Plan laufe, bis zum Weinfest am 17. bis 19. Juli einsatzbereit sein.
Die Poller wiegen je 450 Kilogramm. Die ebenfalls sehr schweren Brücken haben ein Sperrteil, das hoch- und runtergeklappt werden kann. So sei gewährleistet, dass Rettungsverkehr und zu bestimmten Uhrzeiten auch der Lieferverkehr die Sperren passieren könne, sagte Lücht. Für die Betätigung der Sperren ist ihm zufolge ein Schlüssel nötig, der an einen sehr kleinen Personenkreis ausgegeben werde. So könne bei Bedarf aber schnell reagiert werden, damit Rettungskräfte durchkämen. Grundsätzlich müssten all diese schwergewichtigen Vorrichtungen mit einem Hubwagen platziert werden.
7,5-Tonner bleibt nach knapp 25 Metern stehen
Lücht zeigte einige Grafiken und Videos. Eine Grafik zeigte eine mögliche Aufstellung der Absperrungen in der Burgstraße - zwischen dem Burgtor und der Zufahrt zum Schloss. So könnten auch Veranstaltungen in der Fußgängerzone geschützt werden, so der Ordnungsamtsleiter. „Das ist der höchste technische Standard, den es derzeit in Deutschland gibt.“ Die Sperren seien alle sehr variabel einsetzbar und könnten Autos und Lastwagen komplett zum Stehen bringen. In einem Video war dann zu sehen, wie ein 7,5-Tonner mit 50 Kilometern pro Stunde auf den Road Blocker fährt und nach rund 23 Metern stehen bleibt.
Laut Lücht passen die Sperren zu vielen Situationen, beispielsweise auch zur Absperrung der Vatertagsparty am Kukelorum oder der Konzerte auf dem Mehrzweckgelände. Auf Nachfrage von Johann Reiter (AWG) sagte Lücht, dass die Sperren für die Konzerte im Juni aber noch nicht zur Verfügung stehen.
Ziel: Keine Sperrgebietsatmosphäre bei Festen
In einer Arbeitsgruppe mit Vertretern der Stadt Aurich, der Feuerwehr, des Rettungsdienstes und der Polizei ist seit mehreren Monaten an einem Sicherheitskonzept gearbeitet worden. Polizeikommissar Henning Rost stellte die Überlegungen vor. Generell gehe es nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden um eine abstrakt hohe Gefährdungslage, bei der Einzeltäter mit einfachen Mitteln großen Schaden anrichten können. Bei den Veranstaltungen auf dem Auricher Marktplatz sei zu bedenken, dass es mehrere Zufahrtsstraßen gebe, über die Fahrzeuge Veranstaltungen erreichen könnten, so Rost.
Die Tiefgarage unter dem Marktplatz sei eine bauliche Hürde. Wegen ihr seien absenkbare Poller beispielsweise keine Option. Der Veranstaltungsraum auf dem Marktplatz sei offen, und es solle keine Sperrgebietsatmosphäre entstehen, so Rost. Eine Balance zwischen Sicherheit und Lebensqualität sei das Ziel. Zudem müssten ein störungsfreier Veranstaltungsablauf gewährleistet, das subjektive Sicherheitsgefühl der Besucher erhöht und die tatsächliche Gefahr reduziert werden.
Ausschussmitglieder fragten nach Messerattacken und Drohnen
Neben den Zufahrtssperren umfasst das Konzept daher noch mehr: Polizei und Ordnungsamt sollen mit Streifengängen präsent sein. Auch soll eine Bereitschaft zu den Veranstaltungen vorgehalten werden. Rettungsübungen sollen Einsatzkräfte auf mögliche Szenarien und Evakuierungen vorbereiten. Und Rettungswege müssen laut Rost geplant und freigehalten werden.
Mehrere Ausschussmitglieder sprachen andere Gefahren an. Die Sperren nützen nichts bei einem Messer- oder Drohnenangriff. Sollte innerhalb der Absperrung eine Panik entstehen, seien die Poller und Brücken aber deutlich leichter passierbar als die bislang genutzten Betonsperren, Container oder Lastwagen, sagte Lücht.
Bodo Bargmann (CDU) fragte, ob private Veranstalter an den Kosten beteiligt werden sollten, wenn sie die Sperren nutzen. Das konnte Lücht noch nicht beantworten. Es werde derzeit geprüft, ob und wie dies passieren solle. Es sei der Stadt nicht dienlich, wenn Veranstaltungen wegen solcher Kosten abgesagt werden müssten, so Lücht. Die Diskussion stehe aber am Anfang. Sicherlich würden die Kosten nicht 1:1 weitergegeben.