Nach der großen Sause Vatertagsparty am Kukelorum – Politik schluckt teure Kröte
Zwar sind Polizei und Stadt voll zufrieden mit dem Verlauf der Vatertagsparty am Kukelorum. Das Sicherheitskonzept sei aufgegangen. Doch einige Probleme bleiben ungelöst.
Aurich - Vollauf zufrieden sind Helmut Lücht vom Ordnungsamt der Stadt Aurich und Sven Rohl, Leiter des Einsatz- und Streifendienstes bei der Polizei in Aurich, mit dem Sicherheitskonzept für die Vatertagsparty an der Schleuse Kukelorum in Rahe. In den vergangenen Jahren war diese Feier mehrfach aus dem Ruder gelaufen, wenn Tausende alkoholisierte Menschen dort auf den Grünflächen feierten. Dabei kam es zu Körperverletzungen, zum Stoppen von Rettungswagen auf der Durchfahrt oder zu Sprüngen in den Kanal beziehungsweise die Schleuse.
Schon im vergangenen Jahr hatte die Stadt Aurich die Zufahrt zum Gelände für motorisierten Verkehr eingeschränkt. In diesem Jahr wurde deutlich mehr getan: Zufahrtssperren riegelten den Bereich für den Durchgangsverkehr ab. Auch Taxis mussten diesmal im Boomweg warten, so Lücht. Das habe sich sehr bewährt. Zudem richtete sich die Polizei im vergangenen Jahr erstmals eine Dauerpräsenz auf dem Gelände ein. Damals waren in der Spitze rund 6000 Personen gleichzeitig auf dem Areal. Damals gab es etliche verletzte Personen durch Stürze, Körperverletzungen oder Alkoholvergiftung. Der Kreis-Rettungsdienst musste nachträglich eine Verletztensammelstelle einrichten, der Sicherheitsdienst war im Dauereinsatz. Diesmal beauftragte die Stadt einen privaten Sanitätsdienst, der mit 15 Einsatzkräften, einem Zelt und einem eigenen Rettungsfahrzeug vor Ort war.
Mobile Zufahrtssperren bestellt
In diesem Jahr waren witterungsbedingt deutlich weniger Gäste da als 2024. Gleichwohl seien sowohl der Sanitätsdienst als auch die Polizei zu der Überzeugung gelangt, dass das Sicherheitskonzept auch bei 6000 Besuchern aufgegangen wäre, sagte Rohl: „Das Konzept hat super funktioniert aus polizeilicher Sicht.“ Im kommenden Jahr könnten die Zufahrtssperren sogar noch besser eingesetzt werden, wenn die Stadt die mobilen Vorrichtungen, die sie jetzt bestellt hat, dafür nutzen kann. Als sehr effektiv habe sich die Erstversorgungsstelle erwiesen.
Die Sanitäter hätten sich vor allem um Schnittwunden gekümmert. Vier Personen hätten ins Krankenhaus gebracht werden müssen. Dabei habe aber kein Rettungswagen des Kreis-Rettungsdienstes angefordert werden müssen, sagte der Auricher Ordnungsamtsleiter Helmut Lücht. Der Sanitätsdienst habe alle diese Fälle selbst abarbeiten können.
Die Kosten, die im Ausschuss am Dienstag nicht genannt wurden, trägt die Stadt Aurich. Es ist ganz einfach: Sonst ist niemand da. Das Problem ist, dass es keinen privaten Veranstalter für das Großtreffen gibt.
Wer ist für die Sicherheit verantwortlich?
Zwar gibt es auch einen Vatertags-Anlaufpunkt an der Gaststätte am Kukelorum. Dort sind in der Regel eine Bierbude und ein Zelt aufgebaut und es gibt Musik. Auf die große Masse an Feiernden, die zum Kukelorum strömen, ist diese Veranstaltung aber nicht ausgelegt. Zudem zeigen die meisten Vatertags-Ausflügler auch keinerlei Interesse an einer offiziellen Veranstaltung. Der weit überwiegende Teil bringt sich Getränke mit und setzt sich auf die Wiese. Die Hinterlassenschaften an Müll sowie das Eindringen in Vorgärten in der Nachbarschaft sorgten mehrfach für Ärger. Denn keiner ist offiziell zuständig.
Hilde Ubben (AWG) und Monika Gronewold (CDU) zogen in Zweifel, dass es Aufgabe der Stadt sei, für die Sicherheit auf einer Vatertagsparty zu sorgen, die sie nicht veranstalte. Es müsse einen Veranstalter geben, der dann auch die Verantwortung zu tragen hätte. Lücht winkte aber ab. Die Verwaltung habe mehrfach versucht, einen Veranstalter zu finden. Ergebnislos. Denn die Kosten für die Sicherheit seien hoch und die Einnahmen angesichts der Selbstversorgung auf dem Gelände gering.
Abgesagte Feiern und das Müllproblem
2017 erlebten die damaligen Betreiber der Gaststätte ihr blaues Wunder, als sie die Verantwortung für die Veranstaltung übernahmen. Im Folgejahr verschlossen sie die Türen. Stattdessen meldete sich ein anderer Veranstalter. Andreas Wermerssen, Sohn der ehemaligen Kukelorum-Betreiber Elli und Lüppo Wermerssen, wollte die Umgebung der Schleuse zu einem Partyort machen – bekam dafür aber erhebliche Auflagen. Als das Wetter dann auch nicht mitspielen sollte, sagte er die Feier ab.
Seitdem trafen sich die Feierfreudigen einfach so am Kukelorum, hinterließen Müll und zum Teil Sachbeschädigungen. Im vergangenen Jahr wurde es der Stadt und dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz, in dessen Eigentum die Wiesen sind, zu bunt. Vermüllung und die Zerstörungen hätten ein nicht mehr tolerierbares Ausmaß angenommen, hieß es.
Warum nicht alles absperren?
Gronewold und Ubben ließen nicht nach: Es sei die Frage, ob die wilde und unangemeldete Party nicht unterbunden werden könne. Doch Lücht und Rohl winkten wieder ab. Die Stadt und die Polizei seien für die öffentliche Sicherheit verantwortlich und in der Pflicht, Alkoholisierte davon abzuhalten, sich in Gefahr zu bringen. Das Gelände komplett abzusperren, sei unrealistisch, so Lücht.
Große Vatertagspartys im Umfeld werden zudem seltener: In diesem Jahr fand erstmals keine Vatertagsparty an der ehemaligen Diskothek Galaxy in Georgsheil statt. „Opas Wies“ war diesmal zur Disco Thun in Moorhusen umgezogen. Neben der Party am Kukelorum gab es in der Stadt Aurich nur kleinere Feiern von privaten Veranstaltern – unter anderem am Badesee Tannenhausen und beim Packhus in der Innenstadt.