Entscheidung getroffen Feuerwehrhaus in Aurich soll an die Diere
Nach viel Hin und Her ist die Entscheidung wohl gefallen. Der Auricher Feuerwehrausschuss sagt zu, den neuen Standort möglichst attraktiv gestalten zu wollen. Was die Feuerwehr dabei im Auge hat.
Aurich - Würde die Feuerwehr den Bericht schreiben, würde es darin wohl heißen: Die Situation ist unter Kontrolle. Am Dienstagabend wurde im Feuerwehrausschuss der Stadt Aurich eine Vernunftsentscheidung getroffen: Das neue Feuerwehrhaus für die Feuerwehr Kernstadt wird an der Diere gebaut. Stadtbrandmeister Heinz Hollwedel und Ortsbrandmeister Bernd Saathoff saßen mit der Verwaltung vorne im Rund, um das Einverständnis der Feuerwehr mit der Entscheidung zu signalisieren. Dass nur zwei Feuerwehrleute im Ratssaal saßen, um die Debatte zu verfolgen, zeigt, dass die Einsatzkräfte sich mit der Situation abgefunden haben.
Im vergangenen Jahr sah das noch ganz anders aus. Mehrmals besuchte eine große Zahl von Feuerwehrleuten die Sitzungen. Sie wollten gegen den Vorschlag der Verwaltung Stellung beziehen, den Neubau in der Diere zu errichten. Wegen der kürzeren Anfahrtswege zum Feuerwehrhaus im Einsatzfall präferierte die Ortswehr einen Standort an der Egelser Straße, auf dem Nachbargrundstück des Krankenhauses.
Lob an die Verwaltung für viele Versuche
Doch die Stadt konnte trotz längerer Verhandlungen keine Einigung mit den Eigentümern über den Preis erzielen. Saathoff lobte die Erste Stadtbaurätin Laura Vorwerk und Stadtbaurat Mirko Wento, weil sie alle zusammen weitere theoretisch geeignete Grundstücke im Stadtgebiet identifiziert und Verhandlungen mit den Eigentümern aufgenommen hätten. Doch vergeblich. Nach dem ganzen Hin und Her und unzähligen Stunden im Rathaus für ihn und Hollwedel sei die Wehr nun einfach froh, wenn eine Entscheidung falle und die Sache endlich vorangehe, so Saathoff.
Das Problem mit den längeren Anfahrtszeiten ist dabei aber noch nicht aus der Welt. Deshalb haben Saathoff und Hollwedel zusammen mit der Verwaltung mehrere Ideen entwickelt, um den Start in die Einsätze zu beschleunigen. Für eine schnellere Anfahrt soll die Ampelschaltung intelligent so gesteuert werden, dass die Einsatzkräfte über die Bundesstraße und die Raiffeisenstraße eine bessere Durchfahrt haben. Zudem sollen längere Abbiegespuren geplant werden, denn der Knotenpunkt „B72/Raiffeisenstraße/Zufahrt zum Baugebiet Diere und zum Feuerwehrhaus“ muss vom Investor für das Baugebiet ohnehin umgestaltet werden.
Wünsche der Feuerwehr sollen berücksichtigt werden
Außerdem wünscht die Feuerwehr sich laut Saathoff einen Kommandowagen, um die beim Einsatz entscheidende Erkundungszeit zu verkürzen. Den Kommandowagen soll der Einsatzleiter zu Hause oder bei der Arbeit abstellen können, um den Weg zum Feuerwehrhaus zu sparen. Er könnte dann direkt zum Einsatzort fahren, sich einen Überblick verschaffen und den ersten anrückenden Kameraden die nötigen Instruktionen geben.
Und es soll nach dem Wunsch auch etwas getan werden, um den neuen Standort attraktiver zu machen. Dazu zählen Sportmöglichkeiten, Arbeitsplätze und Wohnungen in der Nähe. Wenn die Kameraden in dem Bereich ihre Freizeit verbringen könnten oder das mobile Arbeiten, das sie nun von zu Hause aus machen, ins Feuerwehrhaus verlegen könnten, sei bei den Einsätzen über Tag bereits eine schnell verfügbare Gruppe vor Ort, erläuterte Saathoff. Angesichts des geplanten Wohngebiets in der Diere wäre es für Kameraden, die ohnehin eine Wohnung suchten, sicher auch attraktiv, wenn sie dort etwas finden könnten.
Baubeginn nicht vor 2027
Wento erläuterte den derzeitigen Zeitplan für das Vorhaben. Nach den Sommerferien soll der Entwurf für den Bebauungsplan in die Auslegung gehen. Im nächsten Jahr könnte nach seiner Einschätzung Baurecht geschaffen werden. Komplizierter werde es allerdings bei der Verkehrsanbindung. Wegen des Umbaus der Bundesstraße für den Knotenpunkt sei ein Planfeststellungsverfahren nötig. Das müsse erst einmal eingeleitet werden und dauere dann mindestens ein Jahr, so der Stadtbaurat. Die Stadt sei deshalb in Gesprächen mit der Landesstraßenbaubehörde und versuche, Druck zu machen. Vor 2027 könne aber nicht mit dem Bau des Feuerwehrhauses begonnen werden.
Hilfeleistungszentrum wie in Norden möglich
Saskia Buschmann (CDU) fragte nach der Möglichkeit, auf dem knapp einen Hektar großen Grundstück an der Diere auch das THW oder die Johanniter anzusiedeln. Beiden Organisationen werden ihr derzeitigen Standorte ebenfalls zu eng. Die Johanniter übernehmen beispielsweise im Zuge der Umstellung des Bereitschaftsdienstes der Kassenärztlichen Vereinigung eine größere Rolle. Laut Saathoff werde es keine großen Synergieeffekte geben können, weil die Einsätze und die Strukturen der drei Organisationen zu verschieden seien. Aus Sicht der Feuerwehr sollte es keine gemeinsamen Gebäude geben. Allerdings sei es denkbar, dass man sich Übungsflächen oder Parkplätze teile. Ähnlich wie beim Norder Hilfeleistungszentrum sei eine räumliche Nähe also durchaus möglich.
Eine Reihe weiterer Fragen schloss sich an. Gunnar Ott (Grüne) fragte, ob der bisherige Feuerwehrstandort mit einem mehrstöckigen Gebäude nicht doch weiter genutzt werden könnte. Dem erteilte Saathoff eine Absage: Die Fahrzeuge würden mit den damit zusammenhängenden Vorgaben das Grundstück bereits komplett ausfüllen. Übungsflächen seien dann schon nicht mehr möglich. Zudem entwickelten sich die Anforderungen im Katastrophenschutz rasant. Es müsse also Platz sein für die Ausstattung für weitere Aufgaben.