Notfallversorgung in Ostfriesland  Förderverein der UEK Norden ruft zu Protest in Emden auf

| | 03.06.2025 18:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die Einfahrt zur Notaufnahme des Klinikums Emden für Rettungswagen.Foto: Stephanie Schuurmann
Die Einfahrt zur Notaufnahme des Klinikums Emden für Rettungswagen.Foto: Stephanie Schuurmann
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Am Mittwoch soll der Emder Stadtrat den Bürgerentscheid von 2019 „konkretisieren“. Dagegen gibt es harsche Kritik nicht nur aus Emden, sondern auch aus dem Norderland.

Norden/Emden - Am Mittwoch, 4. Juni, soll im Gesundheitsausschuss des Emder Stadtrates eine neue Entscheidung zur vieldiskutierten Notfallversorgung getroffen werden. Damit solle der Bürgerentscheid des Jahres 2019 „konkretisiert“ werden, heißt es von der Stadtverwaltung.

Der Förderverein der Ubbo-Emmius-Klinik (UEK) am Standort Norden kritisiert diesen Vorschlag der Emder Stadtverwaltung „aufs Schärfste“, wie Helmut Hagemeister mitteilt. Der Verein ruft deshalb die Bürger im Altkreis Norden auf, sich an der Protestaktion in Emden zu beteiligen. Diese ist am Mittwoch um 16 Uhr am Verwaltungsgebäude II (Ringstraße 38b) geplant. Um 17 Uhr findet dort im Emder Ratssaal die Ausschuss-Sitzung statt.

Im Emder Bürgerentscheid war eine „Rund-um-die-Uhr-Notfallversorgung“ zugesagt worden, ohne im Detail zu sagen, was damit gemeint ist. Klinik-Chef Dirk Balster bestätigte jüngst in einer Klausurtagung des Emder Stadtrates, dass es künftig in Aurich und Emden keine Notaufnahmen mehr geben werde. Das führte zu Protesten, zunächst in Emden, später auch im Auricher Stadtrat.

Stadtverwaltung sieht bei Aufrechterhaltung der Notaufnahme Patientensicherheit gefährdet

Im neuen Beschluss heißt es nun: „Die Rund-um-die-Uhr-Notfallversorgung für das Gebiet der Stadt Emden wird nach Inbetriebnahme der Zentralklinik Ostfriesische Meere an deren Standort sichergestellt.“

Das sei schon wegen neuer gesetzlicher Vorgaben unausweichlich, argumentiert die Stadtverwaltung. Außerdem heißt es: „Eine Notfallversorgung, die die Anforderungen nicht erfüllt, würde nicht nur dann geltendem Recht widersprechen, sondern die Patientensicherheit gefährden. Verzögerungen bei der Versorgung, fehlende Strukturen für die Behandlung schwerer Notfälle und eine nicht ausreichende personelle Ausstattung könnten im Ernstfall gravierende Folgen haben. Hinzukämen extreme, nicht refinanzierte Kosten.“ Mit der Zentralklinik in Uthwerdum werde sich die Qualität der Notfallversorgung spürbar verbessern – nach der höchsten in Deutschland definierten Notfallstufe. Des Weiteren heißt es: „Die Aufgabe von Rat und Verwaltung ist es, auf geänderte Rahmenbedingungen verantwortungsbewusst zu reagieren und sicherzustellen, dass die Gesundheitsversorgung in der Region zukunftsfähig bleibt.“

Förderverein fürchtet Überbelastung einer einzigen Notaufnahme

Der Förderverein der UEK Norden kritisiert diese „Konkretisierung“ der Emder Stadtverwaltung. „Damit würde es für rund 240.000 Menschen in Emden und dem Landkreis Aurich nur noch eine einzige Notaufnahme geben, die hoffnungslos überlastet wäre“, schreibt Helmut Hagemeister. Als Lösung werde der Ausbau und die verstärkte Inanspruchnahme des Rettungsdienstes propagiert. Bereits heute reiche jedoch die Zahl der verfügbaren Rettungskräfte bisweilen nicht aus, der Arbeitsalltag im Rettungsdienst sei durch „ständige Überbelastung“ gekennzeichnet, behauptet Hagemeister. Und weiter schreibt er: „Praktisch bedeutet das, dass die flächendeckende Versorgung von Notfällen zum Glücksspiel für die Patienten wird – mit allen Risiken, die weder durch verbesserte Patientensteuerung noch durch Telemedizin wegzudiskutieren sind.“ Einen Vorgeschmack gäben bereits die Auswirkungen der vorzeitigen Schließung des Norder Krankenhauses im Jahr 2023, ebenfalls entgegen früherer Zusagen. Die Schließung führe bereits zu Engpässen in den Notaufnahmen in Aurich und Emden, so Hagemeister. Nicht nur die Menschen im Norderland und die vielen Urlauber spürten dies, sondern auch Patienten aus dem Auricher und Emder Gebiet.

Auch Bereitschaftspraxen sollen schließen

Ebenfalls erwähnt wird in der Emder Beschlussvorlage, dass nach Inbetriebnahme der Zentralklinik auch die Bereitschaftspraxen der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) in Aurich, Emden und Norden geschlossen werden – die nächste Hiobsbotschaft für Patienten. „Das wäre in der Tat der GAU für unsere Notfallversorgung“, meint der Förderverein der UEK Norden.

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