Hochwasserschutz  Größte Ratsfraktion will Südbrookmerland zur „Schwammstadt“ machen

| | 03.06.2025 06:28 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Unter anderem im Postweg hat es in der Vergangenheit wiederholt Probleme mit der Entwässerung gegeben. Foto: Karin Böhmer
Unter anderem im Postweg hat es in der Vergangenheit wiederholt Probleme mit der Entwässerung gegeben. Foto: Karin Böhmer
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Die FWG im Gemeinderat hat Ideen für eine nachhaltige Entwässerung entwickelt. Es gibt auch einige konkrete Vorschläge.

Südbrookmerland - In der Diskussion um die Probleme mit der Entwässerung in Teilen von Südbrookmerland macht die größte Fraktion im Gemeinderat jetzt neue Vorschläge. „Südbrookmerland soll Schwammstadt werden“ heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung der FWG-Fraktion. Bei einer Klausurtagung habe man Ideen für eine „nachhaltige und klimaresiliente Entwicklung“ der Gemeinde entwickelt, teilte Fraktionsvorsitzender Detlev Krüger mit.

Angesichts zunehmender Extremwetterereignisse wie Starkregen, Trockenphasen und Hitzewellen werde deutlich: „Unsere Gemeinde muss sich an die veränderten Bedingungen anpassen – zum Schutz der Menschen, der Umwelt und der Infrastruktur.“

Regenwasser dort aufnehmen, wo es fällt

Im Mittelpunkt der Beratungen standen den Angaben zufolge zwei aktuelle Anträge, die der Gemeinderat demnächst beraten soll. Die FWG-Fraktion setze darin auf ein innovatives Konzept, das weltweit immer mehr Anwendung findet – das der „Schwammstadt“. Dieses Modell, das mittlerweile in vielen europäischen Kommunen umgesetzt werde, verfolge ein zentrales Ziel: Regenwasser soll nicht mehr schnell abgeleitet werden, sondern möglichst dort zurückgehalten, gespeichert und wieder nutzbar gemacht werden, wo es fällt.

„Die Gemeinde soll im übertragenen Sinne wie ein Schwamm funktionieren – Wasser aufnehmen, speichern und bei Bedarf wieder abgeben. So lassen sich nicht nur Überflutungen verhindern, sondern auch die Grundwasserneubildung fördern, das Klima in den Wohngebieten verbessern und langfristig sogar Kosten für Entwässerung und Infrastruktur reduzieren“, schreibt Detlev Krüger. Gleichzeitig könne durch mehr Begrünung die Artenvielfalt gesteigert und die Lebensqualität für alle Einwohner verbessert werden.

Grüne Dächer und Regenwasserspeicher

Das Schwammstadtprinzip bringe vielfältige Maßnahmen mit sich, die sowohl im privaten als auch im öffentlichen Raum zur Anwendung kommen können. So ließen sich etwa Dächer begrünen, sodass sie Regenwasser zurückhalten und durch langsame Verdunstung zur Kühlung der Umgebung beitragen. Anstelle versiegelter Flächen wie Asphalt könnten wasserdurchlässige Beläge verwendet werden, durch die Regenwasser direkt ins Erdreich gelangen kann.

Regenwasserspeicher wie Zisternen oder unterirdische Tanks ermöglichen es in dem Modell, Wasser später beispielsweise zur Gartenbewässerung zu nutzen. Auch Mulden und begrünte Gräben spielten bei der „Schwammstadt“ eine wichtige Rolle, indem sie Niederschlagswasser sammeln und langsam versickern lassen, so die FWG.

Offen geführte Wasserläufe wie Teiche oder renaturierte Bachläufe wirkten als natürliche Rückhalteräume und verbesserten gleichzeitig das Landschaftsbild. Eine intelligente Begrünung mit Bäumen, Sträuchern und Stauden fördere zudem die Verdunstungskühlung und reduziere die Hitzeentwicklung in Siedlungsgebieten.

Starkregenanalyse soll erstellt werden

Die FWG-Fraktion habe konkrete Vorschläge formuliert, die nun nach und nach in die Bauleitplanung der Gemeinde einfließen sollen. So soll beispielsweise für das gesamte Gemeindegebiet eine umfassende Starkregenanalyse erstellt werden, um besonders gefährdete Bereiche frühzeitig zu identifizieren. Neue Baugebiete sollen von Anfang an klimaresilient geplant werden – mit grünen Dächern, durchlässigen Wegen, ausreichend Versickerungsflächen und der Möglichkeit zur Regenwassernutzung direkt auf dem Grundstück. Auch die Gestaltung öffentlicher Straßenräume, Parks, Spiel- und Sportflächen soll künftig stärker auf Wasserrückhalt und Begrünung ausgerichtet werden.

FWG-Fraktionsvorsitzender Detlev Krüger betont, dass es nicht darum gehe, neue Hürden für Bauwillige aufzubauen, sondern darum, kluge und zukunftssichere Lösungen aufzuzeigen. „Wer zum Beispiel Regenwasser auf dem eigenen Grundstück zurückhalten oder für die Gartenbewässerung nutzen möchte, soll dazu nicht nur ermutigt, sondern auch durch Beratung und gezielte Anreize unterstützt werden“, so Krüger. Die FWG setze dabei auf Freiwilligkeit, Transparenz und eine frühzeitige Einbindung der Bürger.

„Kein theoretisches Konzept, sondern praktischer Weg“

„Das Schwammstadtmodell ist für uns kein theoretisches Konzept, sondern ein praktischer Weg, wie wir den Herausforderungen des Klimawandels vor Ort begegnen können“, so Krüger. „Es geht darum, Schäden zu vermeiden, Grünräume zu schaffen, Ressourcen zu schonen und gleichzeitig das Wohnumfeld für die Menschen in Südbrookmerland attraktiver zu machen.“

Die Umsetzung des Modells biete große Vorteile für Südbrookmerland. Die Kanalisation werde entlastet, die Gefahr von Überschwemmungen sinke, Dürreperioden ließen sich besser überbrücken und für Neubau- oder Sanierungsprojekte eröffne sich ein breiter Handlungsspielraum. „Besonders in Zeiten knapper Kassen ist es wichtig, mit intelligenten und dezentralen Lösungen nicht nur ökologisch, sondern auch wirtschaftlich nachhaltig zu planen“, schreibt Krüger.

Die FWG Südbrookmerland lade alle politischen Gremien, die Verwaltung und die Bürger dazu ein, diesen Weg gemeinsam zu gehen. „Denn nur wenn wir heute vorausschauend handeln, können wir unsere Gemeinde auch morgen lebenswert und sicher gestalten“, heißt es.

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