60 Jahre TuS Weene  Wie ein Turnlehrer Dortmunder Vereinsfarben zum TuS Weene brachte

| | 27.05.2025 12:57 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Die vierfache Ossiloopsiegerin Verena Coordes ist das Aushängeschild der Leichtathletiksparte des TuS. Foto: Stephan Friedrichs
Die vierfache Ossiloopsiegerin Verena Coordes ist das Aushängeschild der Leichtathletiksparte des TuS. Foto: Stephan Friedrichs
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Vor 60 Jahren wurde in Ostersander der Mehrspartenverein gegründet. Bei der Wahl der Vereinsfarben gab ein Mann den Ausschlag.

Weene - Ein Verein in Bundesliga-Farben: Als sich vor 60 Jahren Männer und Frauen in der Gaststätte Altona in Ostersander zusammenfanden und mit ihren Unterschriften den TuS Weene gründeten, wurde auch über die Vereinsfarben gesprochen. Zur Debatte standen Rot/Schwarz oder Schwarz/Gelb.

Die treibende Kraft der Vereinsgründung, Turnlehrer Heinrich Lührs, gab wohl den Ausschlag für die zweite Farbkombination. Auch deshalb, weil er ein Anhänger des BVB Dortmund war. Der Ruhrpottverein lief seit 1913 in schwarzgelben Trikots auf.

Bevor die Gründungsversammlung am 1. Februar 1965 stattfand, hatte sich Lührs einige Mitstreiter gesucht. Dazu zählten Tamme Bohls Senior, ehemaliges Vorstandsmitglied TuS Schirum, der Landwirt Mimke E. Saathoff sowie Hans-Claus Petersen, Leiter der Mittelpunktschule.

47 Frauen und Männer gehörten zu den Gründungsmitgliedern. Sie wählten Ludwig Friesenborg zum 1. Vorsitzenden und Heinrich Lührs wurde sein Vize. Markenkern des neuen Vereins sollte Turnen und Fußball sein.

Harm Park, der seit 2000, den Verein führt, blickt im Gespräch mit den Ostfriesischen Nachrichten zurück auf die Anfänge des TuS.

Im Keller war es staubig und der Fußballplatz holprig

„Zuerst ging es darum, ausreichende Trainingsmöglichkeiten für die Mitglieder zu schaffen. Es waren bescheidene Verhältnisse und es musste improvisiert werden“, so Park. Tischtennis wurde im Keller der Grundschule gespielt. Dort wurde auch geturnt. Auf einem Bolzplatz neben der Schule rollte der Fußball. Für die Turnabteilung besorgte Turnlehrer Lührs vom MTV Aurich ausrangierte Matten, Bänke und Turnböcke.

„Man behalf sich beim TuS, auch wenn es im Keller staubig und der Fußballplatz holprig war“, so Park.

Trotz der beschwerlichen Startbedingungen wuchs der Verein stetig. Schon nach wenigen Wochen zählte der TuS einige Hundert Mitglieder. Dafür gab es zwei Gründe. Zum einen hatte der Verein vor Ort keine Konkurrenz. Zum anderen baute er sein Sportangebot aus. Neben Fußball, Turnen und Tischtennis kamen Leichtathletik (1965), Schwimmen (1965), Handball (1967), Volleyball (1973) und Tennis (1977) dazu. Der Sportverein kam familiär daher. Einzelne Personen drückten dem Vereinsleben ihren Stempel auf.

Zu diesen Leuchttürmen gehörte nach Ansicht von Harm Park auch Lührs. Der spätere Vereinschef fuhr mit seinem Auto Kinder ins Wiesmoorer Schwimmbad. Später kutschierte er den Schwimmnachwuchs zum Auricher Hallenbad.

Fröhliche Vorstandssitzungen

Vorstandssitzungen wurden auch zu Hause bei Lührs abgehalten. Eine fröhliche Zusammenkunft, die der großzügige Gastgeber hin und wieder auch mit einer Tombola verfeinerte, erinnert sich Park.

Ebenso an einer Aussprache zwischen Vereinsvorstand und dem damaligen Pastor Janssen. Beide Seiten einigten sich darauf, dass während des Gottesdienstes am Sonntagvormittag keine Fußballspiele ausgetragen wurden.

Intern gab es einen Vorstandsbeschluss für die Spieler. Sie wurden angehalten, die Spiele in der näheren Umgebung mit dem Fahrrad anzusteuern. Ob dieser Beschluss noch gültig ist, darf wohl bezweifelt werden.

Handball in der Anfangszeit ist beim TuS mit Walter Bock verbunden. „Er war Lehrer an der Schule und brachte den Handball in den Verein“, so Park. Und wie kam Park zu den Schwarz-Gelben?

Rathauskollege entdeckt den Handballer Park

Rathausmitarbeiter Tamme Bohls sah seinen jungen Kollegen Park Handballspielen bei den Auricher Stadtmeisterschaften. Bohls sprach Park an: „Wenn du vernünftig Handball spielen willst, dann komme zum TuS Weene.“

Und so kam es. Kurze Zeit später absolvierte Park Anfang Februar 1974 in Holterfehn sein erstes Spiel für Weene. 26 Jahre später übernahm er den Vorsitz. Er ist der siebte Vereinsvorsitzende in der Riege seiner Vorgänger: Ludwig Friesenborg, Dirk Speckmann, Mimke E. Saathoff, Horst Reinecke, Klaus Gronewold und Willy Groß.

Das Angebotsprofil hat sich im Verlaufe der Zeit beim TuS verändert. Handball und Tennis wurden eingestellt. Dafür kamen Gymnastik, Fitnessdance, Mutter-Kind-Turnen sowie Dart und Basketball dazu.

Aushängeschild aus der Leichtathletik ist seit einigen Jahren Verena Coordes. Sie gewann viermal den Ossiloop (2019, 2023 bis 2025). Dazu gesellen sich einige Läufer, die zu den Topläufern Ostfrieslands zählen. Auch der Vorsitzende hat sich dem Laufsport verschrieben und bekennt: „Mein Herz schlägt fürs Laufen.“

Dart gehört gegenwärtig beim TuS zur Boomsparte. Die Mitgliederzahl ist nach Auskunft von Park auf 45 Aktive explosionsartig angestiegen. Kürzlich feierte Basketball Premiere in Weene. Ein Verein im Wandel, der mit seiner traditionellen Schwimmsparte ein Markenzeichen geschaffen hat. Es liegen über 400 Anmeldungen für das laufende Jahr vor. Ebenso eine lange Warteliste für das nächste Jahr, erzählt Park.

TuS Weene gilt als bodenständig und gesellig

Gegenwärtig hat der TuS knapp 600 Mitglieder. Park hofft, dass auch zukünftig junge Menschen den Weg zum TuS finden. Den beschreibt der Vorsitzende „als einen bodenständigen, geselligen Verein“, wo das Miteinander und die Freude im Vordergrund stehe.

An Herausforderung mangle es nicht, räumt Park ein. Turnhalle und Schwimmbecken müssten saniert werden. Baustellen, die den Vereinsbetrieb einschränken würden. Park macht sich sorgen um die Fitness der Jugend. Die habe deutlich nachgelassen, warnt er. Der Verein werde auch zukünftig ein breitgefächertes Angebot anbieten, aber nicht jedem Trend hinterherlaufen.

Der TuS Weene feiert seinen 60. Geburtstag mit einer Sportwoche vom 20. bis 29. Juni. Dann werden sich die Abteilungen präsentieren. Dazu gehören verschiedene Turniere aus den Bereichen Fußball, Dart, und Tischtennis, Läufe, ein Basketballfreundschaftsspiel, Tanzeinlagen sowie Leichtathletik.

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