Dörfer halten zusammen Protestfahrt und mahnende Fahrräder
In Riepe, Simonswolde und Oldersum fordern Bürger Radwege entlang der L1 und der K111. Sie setzten zudem Zeichen am Straßenrand.
Riepe/Simonswolde/Oldersum - Die Teilnehmer des Fahrradkorsos von Riepe nach Simonswolde nach Oldersum schafften am Sonntag spielend eine Sache, die an kaum einer anderen Stelle im Landkreis Aurich gelingt: Sie fuhren in wenigen Kilometern an zwei Stellen über die Autobahn A 31. Sowohl an der L 1 als auch auf K 111 mussten sie am Sonntagvormittag die Fahrt an den vielbefahrenen Straßen aber ohne Radweg meistern.
Mit den Protestfahrten wollen die Teilnehmer auf dieses Problem hinweisen. Die Landesstraße zwischen Riepe und Oldersum ist schmal und ein Zubringer zur Autobahn. Radfahrer fühlen sich auf der Strecke so gefährdet, dass sie in aller Regel lieber andere Verkehrsmittel wählen.
Das führt zu einer Verzerrung der Wahrnehmung: Dass dort keine Radfahrer unterwegs sind, heißt nicht, dass dort niemand fahren möchte, wie immer wieder in den Dörfern betont wird. Seit mehr als 20 Jahren wird eine Radwegeverbindung zwischen den drei Orten gefordert.
Feuerwehr muss zur Absicherung mitfahren
Zur Sicherheit wird der Protestkorso, an dem in diesem Jahr insgesamt knapp 40 Radler teilnahmen, von den Feuerwehren aus Riepe, Oldersum und Simonswolde begleitet. Die Fahrzeuge sperren an den Abzweigungen für die Radler den Weg frei und signalisieren den Autofahrern schon von weitem mit ihrem Blaulicht, dass Vorsicht geboten ist.
Doch der Oldersumer Ortsbürgermeister Jens de Vries (SPD) erlebte schon auf der Anfahrt zum Startpunkt in Riepe eine gefährliche Situation, wie er berichtete. Obwohl die 17 Teilnehmer aus Oldersum auch da schon von einem Feuerwehrfahrzeug begleitet wurden, habe es ein riskantes Überholmanöver gegeben.
Seit diesem Jahr haben die Vertreter der drei Orte den Druck auf die Behörden erhöht. Nach einem tödlichen Unfall im Oldersumer Abschnitt im Januar – dem zweiten für Radler tödlichen Unfall insgesamt – trafen sich Anfang Februar rund 140 Interessierte zu einem Auftakttreffen für eine Bürgerinitiative. Die wurde nach Angaben von de Vries bisher zwar nicht formal gegründet. Entstanden ist aber eine Interessengemeinschaft (IG) mit rund einem Dutzende aktiver Mitglieder, die Aktionen planen, und rund 90 Unterstützern, die per E-Mail auf dem Laufenden gehalten werden.
Abgeordneter versprüht Optimismus
Der Landtagsabgeordnete Nico Bloem (SPD, Leer/Borkum) war ebenfalls am Vormittag per Fahrrad von Oldersum nach Riepe gekommen. Er geht mit viel Optimismus an die Sache ran. Der Abgeordnete berichtete, dass laut Landesstraßenbaubehörde das Planfeststellungsverfahren spätestens 2027 eingeleitet werden soll. In diesem Jahr soll die Entwurfsplanung in Auftrag gegeben werden. Bloem hofft auf ein schnelleres Voranschreiten und einen Baubeginn in zwei Jahren, wie er sagte.
Vor dem Auftrakttreffen der IG war er mit seinem Landtagskollegen Wiard Siebels (SPD, Aurich) und dem damaligen Wirtschafts- und Verkehrsminister Olaf Lies (SPD) an der Strecke unterwegs, um den Bedarf auch beim Ministerium ins Bewusstsein zu bringen. Das hat offenbar geklappt. Lies ist inzwischen Ministerpräsident und habe ihn gerade erst gefragt, ob es schon Neues zum Radweg-Projekt gebe, so Bloem.
Das Engagement möglichst vieler Bürger sei wichtig, damit das Projekt in Hannover gesehen werden. Über die direkt betroffenen Dörfer hinaus sei der Kampf um den Radweg bekannter geworden, sagte Bloem. Er werde in seinem Heimatort Weener darauf angesprochen.
Fahrräder auf Siloballen und an Zäunen
Für dauerhafte Sichtbarkeit hat die IG-Spitze am Sonnabend etliche Fahrräder entlang der L1 und der K 111 aufgestellt. Sie stammen laut de Vries aus Fahrradspenden für Geflüchtete. Einige Räder seien damals ausgeschlachtet worden, um andere zu reparieren. Die Restbestände seien nun aufgestellt worden. Dabei machten die Aufsteller selbst vor schwiegen Stellen am Zaun an der Brücke über die Autobahn nicht Halt.
Volker Degner vom Riepster Ortsrat (CDU) sagte, die Landwirte hätten dabei sehr gut unterstützt. Es seien eigens Bullen umgeweidet, Siloballen gestiftet und Räder draufgesetzt worden. Leider seien aber auch schon die ersten beiden Räder geklaut worden.
Kurzer Gedanke an einen Bürgerradweg an der K111
Es geht der IG um 6,8 Kilometer Radweg an der L 1 zwischen Riepe und Oldersum und um 3,7 Kilometer Radweg an der K 111. Damit hat sie mit verschiedenen Baulastträgern zu tun: einerseits der Landesstraßenbaubehörde, andererseits dem Landkreis.
Im Februar kam die Idee auf, den Landkreis Aurich um eine Veränderung in der Prioritätenliste zu bitten. Dort steht ein neuer Radweg entlang der K 137 zwischen Riepe und Emden höher als der Radweg entlang der K 111 nach Simonswolde. Dabei gebe es an der K 137 eine Parallelstrecke. Diese Idee sei bislang aber nicht intensiv verfolgt worden, so de Vries. Die IG-Spitze habe einmal auch darüber diskutiert, ob der Radweg an der K 111 auch als Bürgerradweg entstehen könne, um das Projekt zu beschleunigen.
Degner betonte, dass ihm jede Teilmaßnahme, die frühzeitig beginnen könne, lieber sei, als das Warten auf einen Komplettausbau in einem Stück. Oldersum, Riepe und Simonswolde seien Teil der Dorfregion Ihlow-Moormerland. Auch bei der Dorfregion müssten die Radwege ein wichtiges Projekt werden, so Degner. „Was bringen sonst die gemeinsamen Vorhaben, wenn wir nicht mal ohne Gefahr zueinanderkommen können?“