Saskia Buschmann im Porträt  Von der Handballerin zur Vereinschefin

| | 16.05.2025 10:52 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Seit Mitte März steht die Auricherin Saskia Buschmann an der Spitze des TuS Aurich Ost. Mit rund 1000 Mitgliedern der zweitgrößte Auricher Sportverein. Foto: Wolf-Rüdiger Saathoff
Seit Mitte März steht die Auricherin Saskia Buschmann an der Spitze des TuS Aurich Ost. Mit rund 1000 Mitgliedern der zweitgrößte Auricher Sportverein. Foto: Wolf-Rüdiger Saathoff
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Wie Saskia Buschmann als neue Vorsitzende des TuS Aurich-Ost Sport und Politik unter einen Hut bringt. Eine Liebe teilt sie mit ihrem Vorgänger.

Aurich - Sie gehört zu den wenigen Frauen in Aurich, die an der Spitze eines Sportvereins steht und zugleich für einen Fußballclub ihre Daumen drückt, der im tiefen Westen der Republik zu Hause ist. Saskia Buschmann löste Mitte März Paul Sobottka ab, der nach zehn Jahren als Vorsitzender des TuS Aurich-Ost für eine weitere Amtszeit nicht mehr zur Verfügung stand. Nach rund 30 Jahren Vorstandsarbeit wollte er sich aus dem TuS-Führungsteam zurückziehen. Er machte sich Gedanken, um eine Nachfolgeregelung auf den Weg zu bringen. Und er wurde fündig. Im Visier Saskia Buschmann, Jahrgang 1979. Vielseitige Sportlerin beim TuS, Polizistin und seit 2022 CDU-Abgeordnete des Niedersächsischen Landtags.

Für Sobottka eine ausgezeichnete Kandidatin. Eine, die „zielorientiert und pragmatisch vorgeht, ein offener und geselliger Typ, der ein politisches Netzwerk für die Vereinsarbeit mitbringt“, meint Sobottka. Buschmann ließ sich Zeit, dachte über die Offerte des Mehrspartenvereins mit rund 1000 Mitgliedern nach, schaute sich beim TuS um.

„Die Gespräche mit Paul zogen sich über ein Jahr hin“

Im Gespräch mit den Ostfriesischen Nachrichten sagt sie: „Die Gespräche mit Paul zogen sich über ein Jahr hin. Ich habe dann zugesagt, weil ich für den Sport brenne, einen intakten Verein vorgefunden habe, und in den TuS hineingewachsen bin.“

Damit meint sie ihre sportlichen Aktivitäten beim TuS. Sie war Anfang der 2000er-Jahre aktiv als Handballerin für den TuS unterwegs. Die Handballsparte war damals das Aushängeschild des Vereins. Aus dieser Zeit hat sie noch das rot-blaue Sport-Sweatshirt behalten. Anfang 2020 gründete sie beim TuS die Skisportsparte. Ein Alleinstellungsmerkmal mit dem Schwerpunkt Skigymnastik. Dazu gesellt sich ihre Liebe zum Tennisspielen beim TuS. Und nun steht sie an der Spitze des Vereins, der 1972 gegründet und von seinem ersten Vorsitzenden Alfred Meyer jahrzehntelang nachhaltig geprägt wurde.

Teamplayerin, die auf den Gesamtverein schaut

Buschmann setzt auf eine gemeinschaftliche Arbeit des Vorstandes. Gerhard Olthoff (Wassersport), Sebastian Wiese (Tennis) und Andreas Ringhand (Kendo) sind ihre Mitstreiter in der TuS-Führungsriege. Sie bekennt: „Ich bin ein Teamplayer und schaue auf den Gesamtverein. Es geht darum, die verschiedenen Interessen der einzelnen Sparten zusammenzuführen.“ Aus dem Mehrspartenverein stechen Tennis, Wasser- und Kampfsport hervor. In diesen drei Bereichen tummeln sich rund zwei Drittel der Mitglieder, so Buschmann. Der zweitgrößte Auricher Sportverein kämpft wie viele andere Vereine auch, um Hallenzeiten. Ein Engpass und ein wichtiger Punkt auf der Agenda der neuen Vorsitzenden. Sie will sich zuerst ein Bild machen und die Sparten des Vereins besuchen.

Buschmann muss mit ihrer Zeit haushalten. Ihre politische Arbeit in Hannover und im Auricher Wahlkreis vor Ort bindet Zeit. „Meine Zeit ist begrenzt, deshalb ist es so wichtig, dass wir im Vorstand als Team arbeiten“, gibt die Vorsitzende zu bedenken. Ihre Freundin und Mitarbeiterin aus dem Auricher Wahlkreisbüro Insa Schubert sorgt dafür, dass es im Terminkalender von Buschmann auch Leerstellen zum Verschnaufen gibt. Schubert beschreibt Buschmann als einen „ehrlichen, zielstrebigen und sportbegeisterten Menschen“, mit Sternzeichen Stier. Buschmann habe ein Faible für farbige Schuhe und beide spielten gerne Tennis zusammen.

Sport-Campus im Fokus

Für Entlastung beim TuS sorgt ihr Vorgänger Sobottka, der nicht nur zum Ehrenvorsitzenden gekürt, sondern auch zum Geschäftsführer des TuS bestellt wurde. „Ein kluger Schachzug“, meint Buschmann. Auch deshalb, weil sich Sobottka mit dem Zahlenwerk des TuS auskennt und die Geschäftsstelle aufbaut. Buschmann will den TuS für die Zukunft wappnen. Das Problem: Die Vereinsbindung nimmt ihrer Meinung nach stetig ab. Immer mehr Menschen kämen nicht mehr lebenslang, sondern nur noch projektbezogen in die Sportvereine. Sie belegten Kurse und sobald diese zu Ende gingen, suchten sie sich etwas Neues. Deshalb sei es wichtig, dass der TuS auf Interessen der Mitglieder und möglicher Neu-Mitglieder mit einem breit gefächerten und flexiblen Angebot reagiere.

„Wir sind noch in der Findungsphase, wo es mit unserem Verein in den kommenden Jahren hingehen soll“, betont Buschmann. Zuvor muss sie sich in die Strukturen der Sport-Verbände einarbeiten, Kontakte zum Kreissport- und Landessportbund knüpfen. Die neue Vereinschefin denkt über den Tellerrand hinaus. Sie beschreibt ihre Idee von einem „Sport-Campus“ in Aurich, wo Sportvereine an einem Ort zusammenkommen, ihre Kräfte bündeln und ihren Sport austragen. Noch sei das Zukunftsmusik, aber man solle darüber sprechen und prüfen, was möglich sei, so Buschmann. Dafür könnten ihre Verbindungen in die Politik nützlich sein.

Laufen zum Dampf ablassen

Wenn sie in Hannover ihrer politischen Arbeit nachgeht, dann dürfen Laufeinheiten in der Landeshauptstadt nicht fehlen. Sie dreht gerne die eine oder andere Runde um den Maschsee. Für sie eine Wohltat im termingetriebenen Alltag der Abgeordneten. „Ich hole mir vor den Sitzungen beim Laufen Kraft und lasse auch Dampf ab“, sagt sie und ergänzt: „Eine Woche ohne Sport ist für mich wie ein Winter ohne Schnee.“ Also nur schwer zu ertragen. Ihr Element ist das Wasser. Kein Wunder, ist sie doch Rettungsschwimmerin bei der DLRG und verantwortete den Schwimmsport zuvor bei der Polizei in Aurich. Laufen, schwimmen, Fahrradfahren gehören zur Grundausstattung der sportlichen Vita von Buschmann, die sich auch für Fußball interessiert.

Sie ist Fan von Fußballbundesligist Borussia Dortmund. Diese Leidenschaft teilt sie auch mit ihrem Vorgänger Sobottka, der eingetragenes Mitglied beim Ruhrpottverein ist. Dieser kämpft noch um die Qualifikation für die Champions League. Die Entscheidung fällt am Sonnabendnachmittag, dann steht ihr ein nervenaufreibender Spieltag vor dem Radio bevor. Und wenn sie nicht gerade zu Hause oder in einer Kneipe ein Dortmund-Spiel in schwarz-gelber Fan-Kluft schaut, dann geht es per Dauerkarte auf zu den Drittligahandballern zum OHV Aurich in die Sparkassen-Arena. Beim OHV hat sie auch ehrenamtlich angedockt, als Vorsitzende des Freundeskreises des OHV.

Buschmann, eine vielseitige, ambitionierte Frau. Eine Sache hat sie bisher nicht geschafft. „Ich bin bisher noch nie zum Fechten gekommen. Das bereue ich und dieser Stachel sitzt tief“, bekennt sie. Ein Manko, das sich mit einer eigenen Fechtsparte beim TuS beheben lässt. Ein verwegener Plan, aber sie winkt ab und begnügt sich damit, dass sie hin und wieder Fechtsport im TV verfolgt.

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