Forderung der Linken Südbrookmerlander Politiker stellen sich hinter Bahnreaktivierung
Zwei Linken-Politiker aus Südbrookmerland sprechen sich für die in der Gemeinde umstrittene Reaktivierung des Personenverkehrs auf der Bahnlinie zwischen Aurich und Emden aus. Das sind ihre Gründe.
Südbrookmerland/Aurich - Der Kreisverband der Partei Die Linke, deren Ortsverband Mitte und der Südbrookmerlander Ratsherr Johann Erdwiens sprechen sich für die vor allem in Südbrookmerland umstrittene Reaktivierung der Bahnstrecke Aurich-Abelitz aus. Das geht aus einer Mitteilung der Partei hervor. Nach wie vor sehe man die Wiederinbetriebnahme als notwendig und sinnvoll an, um die Verkehrswende im Landkreis zu fördern und den öffentlichen Personennahverkehr zu stärken. In der Gemeinde gibt es hingegen Sorgen.
„Die Reaktivierung der Bahnstrecke ist für uns ein entscheidender Schritt hin zu einer nachhaltigen und zukunftsfähigen Verkehrspolitik. Es geht darum, den Individualverkehr zu verringern, den Berufspendlern, den Besuchern der Zentralklinik und den Touristen eine bessere Alternative zu bieten und gleichzeitig den Güterverkehr effizienter und umweltfreundlicher zu gestalten“, wird Johann Erdwiens in der Mitteilung zitiert. Trotz kritischer Stimmen aus Teilen des Südbrookmerlander Rates, die sich gegen die Reaktivierung aussprechen, bleibe Erdwiens standhaft und unterstütze die Bahnstrecke nachdrücklich. Dabei dürften „Einschränkungen für Anwohner entlang der Strecke nicht unbeachtet bleiben“.
Humke: Vorteile für Allgemeinheit wiegen schwerer
Mit Patrick Humke, stellvertretender Kreisvorsitzender der Linken im Landkreis Aurich, wird in der Mitteilung ein weiterer Südbrookmerlander zitiert: „Die Bedenken der Anwohner sind wichtig, und wir fordern, dass unter anderem ein wirksamer Schallschutz umgesetzt wird. Doch die Vorteile für die Allgemeinheit, insbesondere für die Verkehrswende, wiegen in diesem Fall schwerer.“
Die Wirtschaftlichkeit der Reaktivierung sei bereits durch den Lenkungsausschuss der Landesregierung positiv bewertet worden. „Nun dürfen wir uns diese Chance für eine nachhaltige Verkehrspolitik nicht durch Kirchturmdenken entgehen lassen. Es wird wahrscheinlich keine zweite Gelegenheit geben, diese Bahnstrecke zu reaktivieren“, so Erdwiens.
Tatsächlich hatte die geplante Reaktivierung des Personenverkehrs auf der Bahnstrecke Richtung Emden im März eine weitere Hürde genommen. Der Lenkungskreis des Landtags sieht die Maßnahme als wirtschaftlich sinnvoll und daher förderfähig an – wie bei fünf weiteren Stecken in Niedersachsen. Eine vom Landkreis Aurich in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie lässt hingegen noch auf sich warten. Wie berichtet, liege diese bislang nur als Entwurf vor und befinde sich aktuell „in der fachlichen Abstimmung“.
Anreize für die Wirtschaft
Die Linke sieht unter anderem einen Vorteil der Reaktivierung in der Schaffung von Anreizen für Industrie- und Gewerbeansiedlungen ohne eine Zunahme des Lkw-Verkehrs. „Durch die Wiederinbetriebnahme der Strecke könnte sogar eine eventuelle Verlängerung der Trasse nach Wittmund und Esens in Zukunft zu einer schnellen Verbindung nach Wilhelmshaven führen“, heißt es weiter. Die Bahn biete die Möglichkeit, den Verkehr auf der Straße zu entlasten und gleichzeitig den Zugang zu wirtschaftlichen und touristischen Zielen zu erleichtern.
Die Linke hofft auch, dass der Landkreis auf die Nutzung des Jugendtickets für die Strecke hinwirkt, damit auch die jungen Menschen im Landkreis von der Bahn profitieren können – insbesondere für den Schulweg.
Die Ablehnung einiger Ratsmitglieder der Gemeinde Südbrookmerland werde von den Linken zwar zur Kenntnis genommen, jedoch nicht geteilt. „Die Haltung des Bürgermeisters, der scheinbar mehr an den Interessen der eigenen Wählergemeinschaft interessiert ist als am Wohl der gesamten Gemeinde und des Landkreises, geht eindeutig in die falsche Richtung“, so Johann Erdwiens. „Wir brauchen eine Lösung für alle Bürger und Unternehmen im Landkreis, nicht nur für Einzelinteressen.“
Neue Straßen als Risiko
Mit seinem Vorstoß pro Bahnreaktivierung steht Johann Erdwiens im Südbrookmerlander Gemeinderat bislang weitgehend alleine da. In der Vergangenheit hatten sich die politischen Gruppierungen und ihre Vertreter weitgehend einmütig immer wieder gegen das Projekt ausgesprochen. Einerseits wegen eines befürchteten Verlustes an Lebensqualität der direkten Anlieger, andererseits wegen möglicher Kosten. Ein Beispiel: Aktuell wird davon ausgegangen, dass die vergleichsweise hohe Zahl an Bahnübergängen verringert werden müsste, um adäquate Reisezeiten der Bahn zu erreichen. Von derzeit 77 Bahnübergängen sollen 59 aufgehoben werden. In der Folge wären neue Erschließungsstraßen notwendig. In der Gemeinde Südbrookmerland ist nach Meinung von Ratsmitgliedern derzeit aber keine Bereitschaft zu erkennen, sich in irgendeiner Weise an den dadurch entstehenden Kosten zu beteiligen. Auch die Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG) sieht in den Kosten für die neuen Straßen ein Risiko.
Sechs neue Haltestellen
In einer Präsentation der LNVG wurden erste Details der neuen Verbindung vorgestellt. So soll die Fahrzeit mit einem batteriebetriebenen Zug für die knapp 25 Kilometer von Aurich bis zum Emder Hauptbahnhof 37 Minuten betragen. Es soll sechs weitere Haltepunkte geben: in Aurich-Extum, Walle, zwei in Moordorf, einen an der künftigen Zentralklinik in Uthwerdum und einen in Abelitz/Georgsheil. Neue Haltepunkte etwa in Tannenhausen oder zwischen Abelitz und Emden wurden verworfen. Es wird mit Investitionskosten von rund 60 Millionen Euro gerechnet.