Auricher Projekt  Acht neue Sozialwohnungen vor dem Erstbezug

| | 12.05.2025 21:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Die beiden Gebäude sind relativ weit fertig. Die Wohnungen verfügen über Balkone oder Terrassen. Foto: Karin Böhmer
Die beiden Gebäude sind relativ weit fertig. Die Wohnungen verfügen über Balkone oder Terrassen. Foto: Karin Böhmer
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Am Krähennestergang in Aurich ist eines der 2016 angestoßenen Vermietungsprojekte weitgehend fertig. Der Weg zu bezahlbarem Wohnraum war lang.

Aurich - Das Projekt ist auf der Zielgeraden. Am Krähennestergang sind zwei Gebäude mit neuen Wohnungen entstanden. Der Innenausbau ist noch im Gang, aber das Ziel kommt in Sicht. Acht der Wohnungen sind als Sozialwohnungen ausgewiesen. Ein Investor hat sie gebaut und sich vertraglich verpflichtet, sie in Abstimmung mit der Stadt Aurich an Mieter mit Wohnberechtigungsschein zu vergeben.

Insgesamt gibt es 16 Wohnungen in den beiden Gebäuden, die entgegen der ursprünglichen Planung baulich verbunden wurden, um einen gemeinsamen Aufzug installieren zu können, wie die Stadtverwaltung auf Nachfrage mitteilte. Acht der Wohnungen werden am freien Markt vermietet.

Idee schon fast zehn Jahre alt

Damit ist ein Projekt im sozialen Wohnungsbau fast bezugsfertig, das eine längere Geschichte hat. Anfang 2016 forderte die damalige Mehrheitsfraktion im Stadtrat, die SPD/Grüne/GAP, dass die Stadt Aurich selbst in den sozialen Wohnungsbau einsteige. Über vier Jahre sollten je 1,5 Millionen Euro in den Haushalt eingestellt werden, um 50 Sozialwohnungen zu errichten. Einkalkuliert war dabei ein zinsloses Darlehen des Landes in Höhe von weiteren 17 Millionen Euro. Bis August 2016 sind die Pläne dann noch gewachsen. Der Rat wollte 100 Wohnungen für 12 Millionen Euro schaffen. Erste Planungen wurden in Auftrag gegeben. Entstehen sollten die ersten Projekte in der Norderstraße und im Krähennestergang.

Im September 2017 wurden die Mittel vom Stadtrat freigegeben.

Elf der Wohnungen errichtete die Stadt in der Norderstraße selbst. Als die Baukosten deutlich stiegen, wurde für die 16 Appartements am Krähennestergang eine andere Lösung gesucht. Ein Investor sollte sie bauen, die Stadt würde Mieter sein und die Wohnungen günstiger an bedürftige Haushalte untervermieten. Das scheiterte aber 2019. Etwas anderes musste her.

Wohnungen für ein bis drei Personen

Der Krähennestergang wirkt nun ungewohnt luftig, wo im hinteren Bereich ein Mehrparteienhaus entstanden ist. Das Gebäude grenzt nicht direkt an die Straße an, was dieser ein wenig die Enge früherer Tage nimmt.

Zwischen dem Krähennestergang und dem Mehrparteienhaus befinden sich der Wendebereich (links im Foto) sowie Stellplätze. Foto: Karin Böhmer
Zwischen dem Krähennestergang und dem Mehrparteienhaus befinden sich der Wendebereich (links im Foto) sowie Stellplätze. Foto: Karin Böhmer

Der Komplex mit den acht Sozialwohnungen und acht Wohnungen für den freien Markt hat eine bewegte Vorgeschichte. Zwischen ihm und der Straße befinden sich nun die Parkplätze für die Mieter sowie eine Wendeanlage.

Die beiden Gebäude, die durch einen Zwischenbau mit gemeinsamem Eingang und Aufzug verbunden sind, verfügen über Erd- und Obergeschoss. Den oberen Abschluss bildet ein Staffelgeschoss. Die acht neuen Sozialwohnungen haben Größen von 50, 60 und 75 Quadratmeter. Sie sind also für Haushalte mit ein, zwei oder drei Personen geeignet.

Bindung: 15 statt der ursprünglich erhofften 25 Jahre

Die gesetzlich vorgeschriebene Barrierefreiheit wurde nach Angaben von Stadtsprecher Cord Cordes bei allen Planungen berücksichtigt und erreicht.

Die Auswahl der Mieter erfolge in Abstimmung zwischen der Stadt und dem Investor nach den vertraglich vereinbarten Vorgaben, wobei die Vorlage eines Wohnberechtigungsscheines wesentlich sei, so Cordes.

Wie hoch die Nachfrage nach den acht Sozialwohnungen ist, kann die Stadt noch nicht sagen. Noch sind sie nicht fertig und entsprechend noch nicht in der Vermarktung.

Zwei Häuser wurden an der Stelle abgerissen, der dortige Verbindungsweg verlegt. Foto: Romuald Banik
Zwei Häuser wurden an der Stelle abgerissen, der dortige Verbindungsweg verlegt. Foto: Romuald Banik

Die Idee für das Bauprojekt entstand schon 2016. Als es bis 2019 nicht gelang, einen Investor zu finden, der alle 16 Wohnungen zum gewünschten Preis an die Stadt vermietet, damit diese sie günstiger an einkommensschwache Haushalte untervermieten kann, kam das Projekt ins Stocken. Statt der anfänglich angestrebten 25-jährigen Bindung, war ohnehin nur noch von 20 Jahren die Rede.

Doch es musste noch ein weiterer Kompromiss her. Der Stadtrat beschloss, die vorhandene Planung, für die schon eine Baugenehmigung vorlag, Investoren anzubieten. Ein Investor sollte noch acht der Wohnungen als Sozialwohnungen bauen, den Rest sollte er frei vermarkten können. Der Verkauf erfolgte im Jahr 2021. Die Bindung wurde auf 15 Jahre reduziert.

Nach weiteren Vermessungsarbeiten begann der Abriss der beiden Häuser, die an der Stelle standen, und der Neubau.

Über die Baukosten kann die Stadt laut Cordes keine Angaben machen, da sie den Bau komplett an den Investor abgegeben hat und mit diesem nur der Mietzins und die Bindung vertraglich vereinbart worden seien. „In Anbetracht der baulichen Erweiterungen durch den Zwischenbau in Verbindung mit dem Einbau der Aufzugsanlage kann davon ausgegangen werden, dass eine Erhöhung des Budgets in einem überschaubaren Rahmen erfolgt ist.“

Wendeanlage und Fußweg sind fertig

Erscheint der Stadt dieses Vorgehen, einem Investor eine Planung zu überlassen und ihm Auflagen für Sozialbau zu machen, als gutes Modell für weitere Projekte? Eine klare Antwort gibt Cordes darauf nicht. „Dieses ist mit den jeweiligen Randbedingungen entsprechend gesondert für den Einzelfall zu bewerten“, schreibt er auf Anfrage. „In diesem Fall war die Lage des Grundstückes für den Investor interessant, weshalb das jetzige Modell umgesetzt werden konnte. Die Stadt Aurich hat in diesem Fall das Grundstück und die bisherige Planung zum aktuellen Marktwert verkauft und zusätzlich im Verfahren erreicht, dass acht der 16 Wohnungen zu einem vergünstigten Mietzins vermietet werden.“

Ein Weg verbindet den Krähennestergang mit dem Collmannsgang an anderer Stelle als früher. Foto: Stadt Aurich
Ein Weg verbindet den Krähennestergang mit dem Collmannsgang an anderer Stelle als früher. Foto: Stadt Aurich

Die Stadt hat seit Dezember den Krähennestergang in einem Bereich von 50 Metern bereits neu gepflastert und vor dem Mehrparteienhaus eine Wendeanlage in die Sackgasse eingebaut. Dort können große Fahrzeuge wie Müllfahrzeuge zwar nicht wie auf einem großen Wendehammer drehen, aber immerhin wenden. Somit sei die Müllabfuhr im Krähennestergang sichergestellt worden, so die Stadtverwaltung.

Außerdem wurde ein neuer Fuß- und Radweg angelegt, der den Krähennestergang mit dem Collmannsgang verbindet. Der rund 2,5 Meter breite, rot gepflasterte Weg ist etwa 50 Meter lang.

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