Fußball-Drama Zerbricht SpVg Aurich nach Trainer-Aus?
Worauf es Vereinsboss Ralf Dreiling gegenwärtig ankommt. Er verteidigt die Entlassung von Coach Claudio Casto und nennt ein neues Detail.
Aurich - SpVg-Chef Ralf Dreiling hat einen Herzenswunsch: „Dass bald Ruhe einkehrt“, betonte er im Gespräch mit dieser Zeitung am Montagmittag. Dabei sorgt der Traditionsclub vom Ellernfeld seit einigen Wochen für Schlagzeilen im Tagestakt. Zuletzt mit der Trainer-Entlassung am vergangenen Freitagabend.
Die sei notwendig gewesen, so Dreiling, weil Coach Claudio Casto keinen ordentlichen Trainingsbetrieb mehr sichergestellt habe. Der Funke ans Pulverfass sei dann die Forderung des Trainers nach Kilometergeld gewesen. Rums, und die Kündigung war in Stein gemeißelt. Mit Folgen für den Auftritt der Auricher Fußballer auf dem Rasen. Ratlos und wortkarg präsentierten sich die Kicker der SpVg Aurich nach der deftigen 0:5-Klatsche am Sonntagnachmittag gegen den SV SF Larrelt/FA Wybelsum auf dem Auricher Ellernfeld. Die verunsicherte Mannschaft kassierte die höchste Saisonniederlage gegen die abstiegsbedrohten Gäste.
Spezialauftrag für Auricher Abwehrmann
Ein besonderer Einsatz sollte dem Auricher Hendrik Schulz bevorstehen. Er begann als Abwehrmann und schlüpfte Mitte der zweiten Hälfte beim 0:3-Zwischenstand in die Rolle des SpVg-Torwarts. Grund: Schlussmann Marek Janßen hatte sich bei einem Zusammenstoß mit einem Larrelter eine schmerzhafte Schulterverletzung zugezogen. Er musste den Platz verlassen. Weil die Auricher keinen Ersatztorwart auf der Bank hatten, erhielt Schulz den Spezialauftrag. Für ihn eine bekannte Rolle, es war sein vierter Einsatz bei der SpVg als „Feuerwehrmann“ zwischen den Pfosten. Rund eine halbe Stunde dauerte sein Einsatz. Er kassierte bis zum Abpfiff zwei Gegentore. Sein Fazit aus Torhütersicht: „Beim ersten Gegentor bin ich ausgerutscht und beim Elfmeter in der Nachspielzeit war ich machtlos.“
Für die hohe Niederlage der SpVg machte Schulz mehrere Gründe verantwortlich: „Wir haben nicht clever genug verteidigt und vorne einfach zu wenig gemacht. Wir haben nicht das gegeben, was wir können.“
Der nächste Auftritt steht den Aurichern am Freitagabend in Wallinghausen bevor. Für Schulz gilt dann: „Charakter zeigen und mit Herz spielen“, geht es doch gegen seinen Ex-Verein.
Er wird nur noch bis zum Saisonende für die Rot-Weißen spielen. Danach wird er an seinem Arbeitsort in Trier weiter als Fußballer aktiv sein.
Bekanntes Gesicht im Kassenhäuschen
Ein Comeback legte Steffen Reifschneider hin. Reifschneider hatte Anfang April sein Amt als Sportlicher Leiter bei der SpVg nach dem beginnenden Trainer-Hickhack niedergelegt. Am Sonntag war er in einer ungewohnten Rolle auf dem Ellernfeld zu sehen. Er kassierte das Eintrittsgeld. Keine Daueraufgabe, sondern ein Noteinsatz, weil jemand ausgefallen sei, so Reifschneider.
Bis Saisonschluss stehen für die Auricher noch vier Punktspiele auf dem Programm. Und was danach passiert, das steht in den Sternen. Pessimisten spekulieren auf ein völliges Auseinanderbrechen der Mannschaft. Viele Zöglinge des entlassenen Trainers Casto würden den Verein verlassen, es drohe ein Totalcrash, ist zu hören.
Vereinschef Ralf Dreiling hält nichts von dieser Schwarzmalerei. Er sagte: „Unser neuer Trainer Daniel Franziskus und andere führen gegenwärtig Gespräche mit den Spielern.“
Noch sei nichts fix und der Ausgang ungewiss. Dreiling hofft, dass der Verein zeitnah Ergebnisse präsentieren könne, damit endlich wieder Ruhe am Ellernfeld einkehre.
Grabesruhe herrschte am Sonntagnachmittag bei den wenigen Auricher Fans im Ellernfeldstadion. Kein Wunder, mussten sie doch ansehen, wie die SpVg hilflos und uninspiriert gegen die rackernden Larrelter unter die Räder kam.
Ein Großteil der rund 100 Besucher hatte helle Freude am Spielverlauf. Die Larrelter Anhänger stellten die Mehrheit auf der Tribüne. Sie durften fünfmal jubeln und garnierten jede Auswechslung eines Larrelter mit reichlich Applaus.
Ex-Coach der SpVg im Larrelter Block
Ein bekanntes Gesicht tauchte im „Larrelter Block“ hinter der Trainerbank auf. Uwe Groothuis mit Ehefrau Claudia verfolgten das Spielgeschehen. Nicht ohne Hintergedanken. Der kurz nach Saisonbeginn im Sommer 2023 bei der SpVg Aurich entlassene Trainer kehrt bald zurück auf die Fußballbühne. Er wird Kotrainer in Larrelt. Groothuis soll den neuen Larrelter Trainer Patrick Bygus unterstützen. Bygus ersetzt Marten Sandmann als Coach. Der langjährige Trainer der Grün-Weißen gibt zum Saisonende sein Traineramt auf. Als Spieler hat Sandmann Anfang der 2000er-Jahre auch für die SpVg Aurich gespielt. Er tauscht zukünftig Rasenplätze mit Sporthallen ein, um sich Handballspiele seiner Töchter anzuschauen.
Eine neue Perspektive. Die dürften auch etliche Spieler der SpVg für die neue Saison suchen.