Theater in Aurich Auf Trainer-Rauswurf folgt bei der SpVg eine deftige Heimpleite
Erst wird SpVg-Trainer Claudio Casto per Telefon am Freitag gefeuert. Zwei Tage später gehen die Auricher gegen Larrelt unter.
Aurich/Emden - Nach der Trainer-Entlassung bei der SpVg Aurich folgte auf dem Rasen ein Desaster. Der Fußballbezirksligist ging am Sonntagnachmittag gegen Larrelt 0:5 unter. Ein weiterer Tiefschlag nach dem Hin und Her zwischen Vereinsführung und dem gefeuerten Coach Claudio Casto in den vergangenen Wochen.
Rückblick: Während der Arbeit in Emden erhielt Gastronom und Trainer der SpVg Aurich Claudio Casto am Freitagabend einen Anruf. Da Casto sich um seine Restaurantbesucher kümmerte, rief er später zurück. Am anderen Ende meldete sich der zweite stellvertretende Vorsitzende der SpVg Aurich, Hendrik Poppinga, zu Wort. Er überbrachte die Nachricht, die dieser Redaktion in schriftlicher Form vorliegt. Der Kernsatz des SpVg-Vorstandsbeschluss lautete: „Sportvereinigung Aurich trennt sich per sofort von Trainer Casto. Die Sportvereinigung Aurich wird die letzten fünf Saisonspiele ohne Trainer Claudio Casto bestreiten.“
Absagen im laufenden Trainingsbetriebs
Als Grund führte der Traditionsverein vom Ellernfeld ein überraschendes Motiv ins Feld: „Mehrere Umstände der zurückliegenden Woche haben zu dieser Entscheidung geführt. Es kam zuletzt vermehrt zu Absagen des laufenden Trainingsbetriebs, sodass der Mannschaft kein geregeltes Training mehr angeboten werden wurde. Um die Saison erfolgreich zu Ende zu bringen und die Spieler auf Wettkampfniveau zu halten, sehen wir uns zu diesem Schritt gezwungen.“
Dabei beruft sich der SpVg-Vorstand auf die „Abfrage eines Meinungsbildes von einigen Spielern des Bezirksligakaders“.
Casto war einerseits überrascht. Er hatte gedacht, dass er die Saison ordentlich mit der Mannschaft zu Ende bringen würde. Andererseits passe die Art und Weise ins komödienhafte Bild, das die Vereinsspitze der SpVg in den vergangenen Wochen abgegeben hätte. Dazu zähle auch, so Casto, dass Vorstandsmitglied Hendrik Poppenga das Trainer-Aus übermittelte.
Farce beim „FC Hollywood“
Für den vorzeitig gefeuerten Trainer „eine Farce“, die gut ins Bild „des FC Hollywood“ passe. Dieser Begriff macht seit einigen Wochen hinter den Kulissen die Runde, wenn es darum geht, das kuriose Trainer-Hickhack bei der SpVg Aurich zu beschreiben. Andere sprechen hinter vorgehaltener Hand vom „CCA“ und meinen damit den „Chaos-Club Aurich“.
Die Trainer-Entlassung per Telefon ist bei der SpVg kein ungewöhnliches Stilmittel. Im Sommer 2023 hatte SpVg-Coach Uwe Groothuis telefonisch von seiner Kündigung erfahren.
Casto ließ den ins Feld geführten Kündigungsgrund nicht unkommentiert stehen. Er sagte im Gespräch mit den Ostfriesischen Nachrichten: „Das entspricht nicht der Wahrheit. Es gab nach dem Theater der vergangenen Wochen nur noch eine geringe Motivation bei den Spielern. Beim Training waren nur noch sechs bis sieben Spieler. Wie soll man da ordentlich trainieren. Das macht doch keinen Sinn“, fragte der Ex-Trainer.
Er glaubt, dass die Mannschaft der SpVg nach Saisonende nahezu komplett auseinanderbrechen wird.
„Rund 95 Prozent der Spieler werden Aurich verlassen“, so Casto. Allesamt Spieler, die er nach Aurich geholt hat.
Eine Frage der Einstellung
Die SpVg stand am Sonntagnachmittag auf dem Ellernfeld gegen SV SF Larrelt/FA Wybelsum in der Pflicht. Auf der Trainerbank übernahm Lucas Löschen die Verantwortung. Sein Ziel: „Wir wollen die Mannschaft bis zum Saisonende zusammenhalten und die Sache ordentlich durchziehen.“ Das sei eine Frage der Einstellung. Und die ließ gegen die abstiegsbedrohten Larrelter zu wünschen übrig. Vor rund 100 Zuschauern gerieten die Auricher bereits nach acht Minuten in Rückstand. Jonas Nessen hatte getroffen. Und als Marten Hoffmann (27.) nach einem Freistoß per Kopf erhöhte, bahnte sich ein Debakel für Aurich an. Grund: Die Heimelf präsentierte sich hilflos und ideenlos bis zum Pausenpfiff.
Kurz nach Wiederanpfiff fiel die Vorentscheidung mit dem 3:0 für Larrelt. Hauke Ulferts wuchtete nach einem Freistoß den Ball per Kopf in die Maschen. Aurich erspielte sich in der Folgezeit zwar ein leichtes Plus beim Ballbesitz, blieb aber im Abschluss glücklos.
Glücklos auch der Auricher Torwart Marek Janßen, der nicht nur drei Treffer einsteckte, sondern Mitte der zweiten Hälfte auch noch verletzungsbedingt ausgetauscht werden musste. An seine Stelle trat Abwehrspieler Hendrik Schulz, der sich in der Vergangenheit schon einige Male im SpVg-Tor bewährt hatte. Diesmal nahm sein Einsatz zwischen den Pfosten keinen guten Verlauf. Schulz musste bis zum Abpfiff noch zweimal bis zum Abpfiff den Ball aus dem eigenen Netz holen. 0:5 - ein Fiasko. Trainer Löschen befand mit nachdenklicher Miene: „Wir haben wenig trainiert und nach den vergangenen unruhigen Wochen sind die Köpfe der Spieler woanders. Dann kommt so etwas zustande.“
Tore: 0:1 Nessen (8.), 0:2 Hoffmann (27.), 0:3 Ulferts (54.), 0:4 Boekholder (88.), 0:5 Krzatala (90.+8(FE).
Gelb/Rot: Camara (76.)
Rote Karte: Steinheuser (90.+6/Foulspiel).
SpVg Aurich: Janßen (66. S. Smit), L. Smit (46. Camara), Folkerts, Geis (65. Steinheuser), Schulz, Möhle, Ahrens, Buß, Antoniuk, Beccard.