Klima in Ostfriesland Brandkasse rechnet mit mehr Versicherungen wegen Extremwetter
Extremwetterereignisse wie der heftige Starkregen im August 2024 in Aurich nehmen wegen des Klimawandels zu. Noch sind wenige Ostfriesen dagegen abgesichert. Das soll sich ändern.
Aurich - Angesichts häufiger werdender Extremwetterereignisse durch den Klimawandel geht die Ostfriesische Landschaftliche Brandkasse von einer steigenden Nachfrage nach Elementarschädenversicherungen aus. Derzeit liege die Versicherungsquote in diesem Bereich, der Hauseigentümer etwa gegen Hochwasser und Starkregen absichert, in Ostfriesland noch unter 30 Prozent, sagte Brandkassen-Vorstandsvorsitzender Thomas Weiss jetzt bei der Bilanz-Pressekonferenz für das Jahr 2024 in Aurich. In anderen Teilen Deutschlands sind die Quoten deutlich höher. Es sei ein sinnvolles Ziel, den Anteil auch in Ostfriesland signifikant zu steigern. Die Brandkasse sei grundsätzlich dank ihrer soliden Eigenkapitalausstattung in der Lage, diese Aufgabe zu stemmen.
Im aktuellen Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD ist vorgesehen, dass Versicherungsunternehmen ihren Kunden künftig eine Elementarschädenversicherung anbieten müssen. Das tue die Brandkasse auch bereits. Und grundsätzlich begrüße man diese Pläne. „Die Frage ist aber, wie es am Ende umgesetzt wird, gerade bei den Bestandskunden“, gab Weiss zu bedenken.
Starkregenereignisse sorgte für 1,8 Millionen Euro Schäden bei 650 Kunden
Klar ist laut dem Vorstandschef: „Die Sensibilität dafür steigt weiter, auch durch die jüngsten Starkregenereignisse.“ Er erinnerte an den 13./14. August in und um Aurich. Ein schweres Gewitter, verbunden mit sehr starkem Regen und Hagel, sorgte für Überflutungen ganzer Straßenzüge. Rund 650 Kunden der Brandkasse waren zum Teil massiv betroffen. Am Ende stand das Auricher Starkregenereignis mit rund 1,8 Millionen Euro in den Büchern der Brandkasse.
Vorstandschef Weiss betont deutlich: „Auf solche Ereignisse werden wir uns künftig öfter einstellen müssen. Wenn jemand heute immer noch den Klimawandel leugnet, fehlt mir dafür jedes Verständnis. Es ist wichtig, den Temperaturanstieg weiter in Grenzen zu halten.“ Die Einschätzungen und objektiven Zahlen der Rückversicherer mit ihren vielen Experten in diesem Bereich sprächen eine deutliche Sprache, betonte der Brandkassen-Vorstandschef.
Zwar blieb das Starkregenereignis mit heftigen Überschwemmungen am 13./14. August 2024 gerade am Hauptsitz der Ostfriesischen Brandkasse in Aurich in besonderer Erinnerung. Doch insgesamt war es für die 271 Jahre alte und damit fünftältestete Versicherungsgesellschaft der Welt ein durchschnittliches Schadensjahr, berichtete Weiss.
Kein Vergleich zum Katastrophenjahr 2022
Fünf größere Naturgefahrenereignisse schlugen mit rund 3,58 Millionen Euro zu Buche, dazu kamen acht Feuerschäden und ein Leitungswasserschaden mit insgesamt 5,58 Millionen Euro, erklärte Vorstand Gerrit Wilken. Insgesamt gab es 2024 rund 9400 Schadensfälle in ganz Ostfriesland mit einer Summe von rund 31,3 Millionen Euro. Kein Vergleich zum „Katastrophenjahr“ 2022, als Orkan Zeynep im Februar und weitere Ereignisse für Schäden von mehr als 45 Millionen Euro sorgten. In dem Jahr überstiegen die Schäden sogar die Beitragseinnahmen, sodass der Rückversicherer der Brandkasse eintreten musste. Dank der hohen Eigenkapitalquote von 116 Prozent, bezogen auf die verdienten Nettobeiträge, sei es der Brandkasse aber möglich, die Versicherungsrisiken in hohem Maß selbst zu tragen und vergleichsweise wenig Rückversicherungsschutz einkaufen zu müssen, erläuterte Vorstand Wilken. Mit dieser Eigenkapitalquote belege man einen Spitzenplatz in der deutschen Versicherungswirtschaft.
Die Bestandsbeiträge stiegen 2024 leicht auf insgesamt 80,7 Millionen Euro – bei rund 300.000 Verträgen, davon 55.000 versicherten Kraftfahrzeugen im Vermittlungsgeschäft durch den Partner VGH. Im selbst abgeschlossenen Geschäft der Brandkasse lag die Beitragssumme bei 55,3 Millionen Euro (Vorjahr: 52,2 Millionen), im Vermittlungsgeschäft gab es ebenfalls eine leichte Steigerung auf 25,4 Millionen Euro.
„Wir schlagen uns wacker im Wettbewerb“
Die Brandkasse wachse „nicht auf Teufel komm raus“, sondern weiter moderat, planbar und mit Augenmaß, wie es seit 271 Jahren ihr Ziel sei. „Wir schlagen uns wacker im Wettbewerb“, so Weiss. Unter dem Strich stand im Geschäftsjahr 2024 ein Ergebnis nach Steuern von 779.000 Euro, durch das die Unternehmenssubstanz gestärkt werde, hieß es.
Die Vorstände Weiss und Wilken betonen dabei: „Wir arbeiten nicht gewinnmaximierend. Und wenn etwas übrig bleibt, bleibt es in Ostfriesland.“ Mit rund 250 Mitarbeitern und rund 40 Geschäftsstellen sei man weiter der Versicherer von Ostfriesen für Ostfriesen. Eine Reduzierung der Geschäftsstellen sei nicht geplant, betonte Weiss. „Der persönliche Kontakt und die Beratung sind für uns immer noch der Dreh- und Angelpunkt.“
Weiteres Wachstumspotenzial sehe man etwa bei den Hausrat- und den Haftpflichtversicherungen.
Auswirkungen auf das Geschäft der Brandkasse hatten in jüngster Zeit auch die allgemeinen Preissteigerungen. So sei die durchschnittliche Versicherungssumme eines Einfamilienhauses von rund 273.000 Euro im Jahr 2017 auf rund 424.000 Euro im Jahr 2024 deutlich gestiegen. Zuletzt aber habe sich die Steigerung abgeschwächt und liege nur noch knapp über der Inflation. „Wir hoffen, dass es auf diesem Level bleibt“, so Weiss.
Insgesamt sei die zunehmende weltweite Unsicherheit ein Problem. „Das höchste Gut ist Planungssicherheit“, so der Brandkassen-Chef, der nun auch schon seit 14 Jahren in Aurich tätig ist.
Ausblick für 2025 ist bislang zuversichtlich
Der Ausblick für das laufende Jahr 2025 ist ebenfalls durchaus zuversichtlich. Die Bestandsbeiträge seien zum 31. März gegenüber dem Vorjahresquartal noch einmal um 3,7 Prozent gestiegen, erklärte Weiss. Das größte Schadensereignis war ein Hausbrand in der Samtgemeinde Brookmerland am 16. Januar mit einem Schaden von rund 605.000 Euro. An dem Fall sei wieder einmal deutlich geworden, wie schnell und in welchem Ausmaß ein Feuer Hab und Gut zerstören kann, hieß es.
Die Ostfriesische Landschaftliche Brandkasse ist auch gemäß ihres Vorsorge- und Gemeinwohl-Auftrags tätig. Flächendeckend erhalten zum Beispiel dieser Tage die ostfriesischen Feuerwehren mit ihren rund 11.000 Kameraden rund 57.000 Euro sogenannte „Spritzenprämien“ für ihre Einsätze. Mit rund 20.000 Euro unterstützt die Brandkasse die ostfriesischen Verkehrswachten bei der Beschaffung von Materialien für Radfahrprüfungen und Warnbannern. Auch kulturelle Projekte wie die Gezeitenkonzerte oder die „Mobile Dorfdisko“ werden unterstützt.