Offener Brief an Auricher Landrat  Immer mehr Müll zwischen Altkleidern wird zum Problem

| | 19.04.2025 08:06 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
An zahlreichen Stellen im Landkreis Aurich, wie hier bei der Schule in Westerende-Kirchloog, stehen Altkleider-Container der Firma A.C. GbR. Foto: Aiko Recke
An zahlreichen Stellen im Landkreis Aurich, wie hier bei der Schule in Westerende-Kirchloog, stehen Altkleider-Container der Firma A.C. GbR. Foto: Aiko Recke
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Eine Auricher Sammelfirma schildert ihre Probleme in einem Offenem Brief an Landrat Olaf Meinen – und macht einen besonderen Vorschlag.

Aurich - Für Kurt Rotermund und André Cassens ist es ein wachsendes Ärgernis. Die Geschäftsführer der Auricher Firma A.C. GbR Recycling und Transport sehen sich mit immer mehr Müll und Kunststoff in Altkleider-Containern konfrontiert. „Wir haben jetzt bei 250 Containern monatlich Müllgebühren von 5600 Euro. Es reißt nicht ab und wird immer schlimmer“, schreibt Rotermund in einer Mail an diese Redaktion. Das entspreche 22 Tonnen Müll im Monat, der eigentlich nicht in die Container gehört.

Wegen des schlimmer werdenden Problems haben sich Rotermund und Cassens nun mit einem Offenen Brief an den Landkreis Aurich in Person von Landrat Olaf Meinen (parteilos) gewandt. Die Firma möchte einen Platz in Aurich suchen, wo man für drei Monate symbolisch die 22 Tonnen Müll öffentlich auftürmt, um bei den Bürgern das Bewusstsein für das Problem zu fördern. „Und auch um zeigen, was und wie viel das ist“, so Rotermund. „Unsere Container sind für Altkleider, nicht für Sperrmüll, Sofas oder Auflagen von Sonnenliegen.“

In dem Offenen Brief an den Landrat heißt es unter anderem: „Trotz klarer Beschriftung unserer Sammelcontainer werden regelmäßig Gartenabfälle, Essensreste, Sperrmüll und andere Abfälle eingeworfen. Dadurch verderben tragbare Textilien, was dazu führt, dass sie nicht mehr weiterverkauft werden können.“

Bei einem Marktpreis von 25 Cent pro Kilogramm Altkleider und 35 Cent pro Kilogramm Müll zeichne sich ab, dass eine Fortführung der Sammlung ab 2026 unwirtschaftlich werde, schreiben Cassens und Rotermund. Die beiden betonen in dem Brief außerdem, dass die Entsorgung in anderen Ländern wie etwa Spanien besser laufe. „Dort stellen die Kommunen separate Müllcontainer neben die Altkleidercontainer.“

Rechnung: Kommunen sparen viel Geld

Nach Angaben von Cassens und Rotermund sparen die Kommunen derzeit durch private Altkleidersammlungen 17 Cent pro Kilogramm an Müllentsorgungskosten. Auf die 250 Container von A.C. hochgerechnet bedeute das eine jährliche Ersparnis von 212.500 Euro plus Stellplatzmieten von 90.000 Euro – insgesamt ein Kostenvorteil für die Kommunen von 302.000 Euro. „Uns selbst verbleibt davon jedoch nur ein Anteil von zehn Prozent“, schreiben Cassens und Rotermund.

Sie appellieren an den Auricher Landrat Meinen: „Wir bitte Sie daher, Maßnahmen zu ergreifen, um die illegale Müllentsorgung zu verhindern. Das könnte etwa durch verstärkte Kontrollen, Infokampagnen oder das Aufstellen zusätzlicher Müllcontainer in der Nähe unserer Sammelstellen erreicht werden.“

Eine weitere Sorge treibt die A.C.-Geschäftsführer um, nämlich dass die Spendenaktion „Alte Kleider für neue Klassenzimmer“, die durch Erlöse aus dem Altkleider-Verkauf finanziert wird, leiden könnte. „Der Müll hat unser Spendenbudget für Schulen bereits aufgefressen. Wenn das so weitergeht, werden wir die Sammlung zum Jahresende einstellen“, heißt es.

Landkreis sieht Verantwortung bei Sammlern

Die Auricher Kreisverwaltung reagiert auf Anfrage dieser Redaktion eher zurückhaltend auf den Offenen Brief. „Die darin formulierten Probleme sind zwar weitestgehend nachvollziehbar, unterliegen aber dem eigenen Unternehmensrisiko. Ein Großteil der vorgeschlagenen Maßnahmen, wie die Containerbeschriftung, zusätzliche Abfallbehälter, Sicherungssysteme etc. können insofern nur eigenverantwortlich durch die jeweils tätige Organisation oder das Unternehmen organisiert werden“, heißt es aus dem Kreishaus. Immerhin: Was eine allgemeine Sensibilisierung zum Thema über die Abfallberatung und Öffentlichkeitsarbeit der Abfallwirtschaft angehe, sei die Bereitschaft des Landkreises „im Rahmen der Möglich- und Notwendigkeiten aber klar vorhanden“.

Ganz grundsätzlich weist die Kreisverwaltung darauf hin, dass der Landkreis als öffentlich-rechtlicher Entsorgungsträger seit 1. Januar 2025 gesetzlich verpflichtet sei, eine getrennte Sammlung von Textilabfällen zu organisieren. Dieser Verpflichtung komme man nach, indem man die kostenfreie Annahme dieser Abfälle an sämtlichen sechs Wertstoffhöfen im Landkreis als „Bringsystem“ eingerichtet habe. „Über diesen Entsorgungsweg wird in den Veröffentlichungen der Abfallwirtschaft entsprechend informiert“, heißt es.

Darüber hinaus lasse es der Landkreis Aurich zu, dass gewerbliche und gemeinnützige Textilsammler eigenorganisiert und eigenverantwortlich Sammelgefäße auf eigenen oder von Dritten zur Verfügung gestellten Flächen aufstellen. Diese Sammlung könne aber von Bedingungen abhängig gemacht sowie zeitlich befristet oder mit Auflagen versehen werden. „Aus diesem Verwaltungsvorgang ergeben sich aber keinerlei Verpflichtungen des Landkreises gegenüber dem Sammler“, heißt es aus der Kreisverwaltung.

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