Trainer-Drama bei SpVg  „Mein Herz hat gesprochen“ – Claudio Casto hört auf

| | 17.04.2025 13:54 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Auf zum letzten Akkord: Die Annäherungsversuche zwischen SpVg Aurich und Trainer Claudio Casto sind endgültig gescheitert. Foto: Jens Doden (Emden)
Auf zum letzten Akkord: Die Annäherungsversuche zwischen SpVg Aurich und Trainer Claudio Casto sind endgültig gescheitert. Foto: Jens Doden (Emden)
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Nach dem Trainer-Aus gab es Gespräche mit dem Auricher Vereinschef Ralf Dreiling über ein Weitermachen mit Casto. Jetzt hat sich der Coach entschieden.

Aurich - Seine Entscheidung fiel in einer ruhigen Stunde am Mittwochabend. Da hat sich SpVg-Trainer Claudio Casto zu Hause hinsetzt. Er hat eine lange, emotionale Nachricht geschrieben: An den Verein, seine Spieler und die Presse.

„Ich wollte einen Punkt setzen nach dem Hin und Her der letzten Tage“, sagte er am Donnerstag im Gespräch mit den Ostfriesischen Nachrichten.

Casto hat dem Trainerhickhack am Ellernfeld nun ein Ende gesetzt mit dem Satz: „Ich werde der SpVg Aurich nicht mehr als Trainer zur neuen Saison zur Verfügung stehen.“

Ein klarer Satz, der aber bereits vor einer Woche in ähnlicher Weise von Verein und Trainer in die Welt hinausgeblasen wurde. Da hieß es, dass beide Seiten zum Saisonende getrennte Wege gehen. Kein Rauswurf, sondern einvernehmlich.

Danach geschahen auf dem Ellernfeld einige Kapriolen. Die Casto-Fraktion brachte eine Petition in Umlauf, forderte den Rücktritt des Sportlichen Leiters der SpVg, Steffen Reifschneider, und ein Engagement des Trainers auch für die neue Saison. Reifschneider war da bereits zurückgetreten.

Ein enttäuschter Vereinsvorsitzender

Damit war auch das Zukunftskonzept von Reifschneider für die Zeit nach der Ära Casto nichts mehr wert. Der Sportliche Leiter hatte bereits Gespräche für die Casto-Nachfolge eingeleitet.

So raffte sich die Vereinsführung der SpVg auf und suchte den Kontakt zu Casto. Es ging um ein Weitermachen mit ihm.

Es sei ein gutes Gespräch gewesen, sagte SpVg-Chef Ralf Dreiling den Ostfriesischen Nachrichten, bevor er in den Urlaub fuhr. Mit dem Gedanken, Verein und Trainer werden sich über die weitere Zusammenarbeit schon einigen. Nach Ostern sollte es eine Pressekonferenz des SpVg-Vorstands geben. Dort wollte der Vorstand erklären, wie es weitergehen soll.

Am Donnerstagmittag sagte der Vereinsvorsitzende Dreiling auf ON-Nachfrage an seinem Urlaubsort in Holland: „Ich habe die Nachricht von Claudio Casto auf WhatsApp bekommen. Ich bin enttäuscht. Mehr will ich dazu gegenwärtig nicht sagen. Nach Ostern geht es weiter.“

Mit der Trainerfrage. Da fängt die SpVg Aurich wieder bei Null an. Ein mühsames Geschäft für die SpVg-Verantwortlichen.

Riesiger Vertrauensschaden

Als der SpVg-Trainer seinen endgültigen Abschied von seinem Herzensverein am Mittwochabend formulierte, da kreisten seine Gedanken um den Kern des Problems: „Es ist sehr viel Vertrauen verloren gegangen. Was kaputt ist, ist kaputt“, gestand Casto.

Ausgangspunkt der Vertrauenskrise sei sein Gespräch mit dem Vorstand inklusive des Sportlichen Leiters in der vergangenen Woche gewesen.

Casto habe da am Anfang klar gemacht, dass er unter den gegebenen Umständen am Ellernfeld, was die Trainingszeiten angehe, aufhören werde. Seine Hoffnung: Beide Seiten suchen gemeinsam nach einer Lösung. Die gab es auch, wenn auch nur einseitig: Der Verein nahm das Trennungsgesuch des Trainers an. Getrennte Wege nach Saisonende. Es mussten nur noch Sätze für die Trennungsnachricht zusammengeschraubt werden.

„Es ging nur noch darum, wie erklären wir es der Presse“, stellte Casto seine Sicht dar. So war das Ende besiegelt und die Kapriolen nahmen ihren Lauf.

Castos Herz möchte bleiben

Was bleibt? Trainer Casto hat die Mannschaft in der Vorsaison vor dem Abstieg gerettet und leitete einen Umbruch zur neuen Saison ein. Er holte talentierte junge Spieler und namhafte Fußballer zum Ellernfeld, und organisierte Sponsoren. Das Konzept griff und die SpVg legte einen Höhenflug bis in die Spitzengruppe der Bezirksliga hin. Eine schnelle Fahrt aus den grauen Zeiten des Abstiegskampfes der vergangenen Jahre heraus und hinauf zu den Topteams.

Zum Meistertitel wird es in dieser Saison nicht reichen, aber die Weichen waren schon für die neue Serie gestellt. Casto: „Ich hatte alle Zusagen aus der Mannschaft für die neue Saison. Dazu sollten einige Granaten kommen.“

Die dürften wohl nicht mehr kommen und ob die gegenwärtige Mannschaft zusammenbleibt, gilt als ungewiss.

Gewiss ist, dass Dirk Frerichs zum Ligakonkurrenten TuS Pewsum wechseln wird. Ebenso werden die Gebrüder Jürgen und Leon Zimmermann von Germania Wiesmoor nach ON-Informationen nicht wie geplant zur SpVg wechseln. Das Drumherum in Aurich sagt ihnen nicht mehr zu. So dürften wohl auch andere Spieler denken. „Das tut weh“, sagte Casto, und auch, dass sein Weg am Ellernfeld zu Ende geht, „obwohl mein Herz noch bleiben will“.

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