Fußball-Bezirksliga SpVg Aurich sucht neuen Trainer
Traditionsverein vom Ellernfeld und Coach Claudio Casto gehen zum Saisonende getrennte Wege. Kleinigkeiten befeuern das Aus.
Aurich - Fußballbezirksligist SpVg Aurich sucht für die kommende Saison einen neuen Trainer. Grund: Der Traditionsverein vom Ellernfeld und Coach Claudio Casto beenden ihre Zusammenarbeit zum Saisonende. Der Sportliche Leiter der SpVg, Steffen Reifschneider, teilte die Entscheidung auf Nachfrage der Ostfriesischen Nachrichten am Donnerstagvormittag mit. Reifschneider stellte klar: „Das war kein Rauswurf, wir haben uns einvernehmlich getrennt.“
Eine Stunde Trennungsgespräch
Am Mittwochabend kamen neben Reifschneider der Vereinsvorstand mit Ralf Dreiling, Stefan Wilts und Hendrik Poppinga und Trainer Claudio Casto im Vereinsheim zusammen. Knapp eine Stunde lange tauschten beide Seiten ihre Ansichten über die strategische Ausrichtung der 1. Herrenmannschaft aus. Das Ergebnisse fasste Reifschneider zusammen: „Es war eine Vielzahl von Kleinigkeiten, die uns auseinandergebracht haben.“
Reifschneider vermied es auf Nachfrage, konkret die Kleinigkeiten zu benennen, die die Mechanik zwischen Vereinsführung und Trainer belasten. „Wir hatten einfach andere Vorstellung, wie es zukünftig weitergehen soll“, so Reifschneider.
Dazu sagte Trainer Casto: „Ich gehe nicht im Groll. Letztendlich ging es um Dinge, die man aus der Welt hätte schaffen können, wenn man es gewollt hätte.“
Dazu zählten Trainingszeiten und wo die Mannschaft trainiert. Casto wünschte sich einen früheren Trainingsbeginn. Vorverlegt von 19.30 auf 19 Uhr. Also eine halbe Stunde früher, damit der Feierabend nicht so spät beginnt. Der Verein ließ sich darauf nicht ein. Für Casto ein Zeichen von geringer Wertschätzung.
Retter in der Not
Reifschneider lobte die Arbeit des Trainers. Er sagte: „Er hat die SpVg vor dem Abstieg gerettet“. Stimmt, Anfang 2024 übernahm Casto eine Mannschaft, die im Abstiegskampf steckte. Er wollte das verunsicherte Team in „ruhiges Fahrwasser“ führen. Das gelang. Die Rot-Weißen schlossen zum Saisonende mit Platz Rang zehn ab.
Im vergangenen Sommer erfolgte der große Umbruch. Casto startete das Projekt „Aurich 2.0“. Er formte ein Team mit 13 neuen Spielern. Dazu gesellte sich auch der neue Sportliche Leiter Steffen Reifschneider. Selbst der Mann im Sprecherturm wurde ausgetauscht. Der Auricher Jens Schmidt, früher schon bei Auricher Handballspielen als Sprecher aktiv, über nahm das Mikrofon. Aufbruch in eine andere Zeit.
Am Ellernfeld wehte ein frischer Wind und Casto und sein Funktionsteam lieferten: Die Mannschaft etablierte sich in der Spitzengruppe, spielte zeitweise um den Titel mit. Die Titelambitionen gingen kürzlich nach zwei Niederlagen gegen Pewsum und Esens verloren. Es gab ein Hickhack um eine Sperre gegen den Auricher Trainer. Casto wollte dagegen vorgehen, der Verein pfiff ihn zurück. Der Trainer fühlte sich allein gelassen, der Verein wollte unnötige Kosten vermeiden. Schräge Begleitmusik für die Trennungsouvertüre.
Bevor die letzten Akkorde gespielt werden, stehen noch sieben Partien auf dem Kalender des scheidenden Trainers. Sein Motto: „Wir wollen alles herausholen, was geht.“
Aurich sexy gemacht
So lautet auch die Marschroute von Reifschneider, der sich noch Hoffnungen auf die Vizemeisterschaft macht und befindet: „Egal wie es endet, Claudio hat Aurich wieder sexy gemacht.“
Ähnlich sieht es auch der Coach: „Ich habe Aurich in einer wilden Zeit übernommen und die Mannschaft nach oben gebracht. Nun endet die Sache.“
Da schwingt Wehmut für seinen Herzensverein mit. Auch deshalb, weil sich der Auricher Trainer erst am Anfang des Projekts „Aurich 2.0“ mit dem Ziel Aufstieg in die Landesliga wähnte.
Wie geht es bei der SpVg Aurich weiter? Der Verein begibt sich auf Trainersuche. Gespräche mit Kandidaten stehen an. Das Übliche, Ausgang ungewiss.
Auf in den Garten
Und Casto stellte klar: „Im Sommer ist der Fußball für mich beendet. Dann setze ich mich in meinen Garten, kümmer mich um meine Familie und meine Arbeit.“
Und er dürfte seine Blicke hin und wieder auch zu seinen ehemaligen Spielern auf dem Ellernfeld richten. Hinter den Kulissen werden bereits Wetten abgeschlossen, wie viele Spieler, die Casto zuvor nach Aurich geholt hat, den Verein wieder verlassen werden. Es dürften viele sein. Mit Folgen auch für den Nachfolger von Casto. Einer, der die lange Liste der ehemaligen Trainer auf dem Schleudersitz Ellernfeld erweitern wird.