Kriminalstatistik Auricher Polizei – Cannabis-Gesetz nützt nur den Dealern
Der legalisierte Eigenanbau spielt mengenmäßig kaum eine Rolle. Die Ermittler sehen durch die Regelungen für Cannabis zudem Gefahren für Jugendliche.
Aurich - Nur eine einzige Gruppe profitiert bislang von den Veränderungen des Cannabis-Gesetzes in Deutschland: die Dealer. Das ist die Einschätzung der Polizei Aurich-Wittmund, die bei der Vorstellung der Kriminalitätsstatistik am vergangenen Mittwoch deutlich wurde.
Zwar hat sich die Zahl der Fälle, die die Polizei im vergangenen Jahr bearbeitet hat, insgesamt um acht Prozent reduziert – das liegt aber auch an den größeren Freiheiten beim Besitz von Cannabis seit dem 1. April 2024. Bei den erfassten Straftaten gegen das Betäubungsmittelgesetz lag die Zahl in den vergangenen zehn Jahren immer über 800. Im vergangenen Jahr waren es hingegen nur 389 Fälle, die die Polizei Aurich-Wittmund beschäftigt haben.
Bislang wird Nachfrage vor allem durch Dealer befriedigt
Trotzdem ist die Polizei in Sorge, dass das Gesetz zwei unerwünschte Nebeneffekte hat: Erstens, dass die Nachfrage vor allem durch illegal produziertes Cannabis befriedigt wird. Und zweitens, dass Jugendliche die Wirkung der Droge noch stärker unterschätzen als bisher.
Der nun erlaubte Eigenanbau von drei Pflanzen falle in der Masse bisher ebenso wenig ins Gewicht wie der Anbau in Cannabis-Clubs. Weiterhin werde der größte Teil des Konsums durch gedealte Ware gedeckt. Das wollte das Gesetz eigentlich ändern.
Nun profitierten vor allem die Dealer vom gestiegenen Konsum. Und davon, dass sie als Cannabis-Dealer der Polizei weniger leicht auffallen, fast immer aber auch härtere Drogen umsetzen.
„Das jetzige Gesetz gefällt mir nicht, das ist schlecht gemacht“, sagte Inspektionsleiter Stephan Zwerg kürzlich im Gespräch mit unserer Zeitung. Viele Vorschriften seien kaum zu kontrollieren.
Polizei: Jugendliche können mit Grauzonen nicht umgehen
Auch wenn Cannabiskonsum für Minderjährige immer noch illegal sei, sei bei vielen doch der Eindruck entstanden, dass die Droge, die für Erwachsene in bestimmten Mengen legalisiert wurde, nicht so schlimm sein kann. Das gelte für Jugendliche und ihre Entwicklung aber keineswegs, sagte Michael Pape, stellvertretender Leiter des Norder Kommissariats. Der Konsum von Cannabis habe erhebliche Folgen für ihre Entwicklung, führe früh in eine Abhängigkeit und begünstige psychische Erkrankungen.
„Kinder und Jugendliche brauchen Klarheit. Die können mit Grauzonen nicht umgehen“, sagte Zwerg. „Das sehen wir beim Alkohol auch. Nur beim Alkohol ist es meist so: Ich mache ein, zwei schlechte Erfahrungen und bin damit durch.“
Hinzu komme die höhere Suchtgefahr bei Cannabis, die durch eine erhöhte Wirkstoffkonzentration, die seit der Legalisierung feststellbar sei, noch verschärft werde.