Polizeibericht Aurich/Wittmund  Mehr Männer Opfer von häuslicher Gewalt

| | 23.03.2025 13:08 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Ein Mann sitzt mit gesenktem Kopf auf einer Bank. Immer häufiger werden Männer als Opfer häuslicher Gewalt erfasst. Hilfsangebote gibt es kaum. Foto: DPA
Ein Mann sitzt mit gesenktem Kopf auf einer Bank. Immer häufiger werden Männer als Opfer häuslicher Gewalt erfasst. Hilfsangebote gibt es kaum. Foto: DPA
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33 Prozent der insgesamt 950 Fälle gingen zu ihren Lasten. Der Anteil steigt seit einigen Jahren. Frauen machen aber weiter den Großteil der Opfer aus. Sie sind auch nicht ein Drittel der Täter.

Aurich - Ein Drittel der Opfer häuslicher Gewalt im Bereich der Polizeiinspektion Aurich-Wittmund war im vergangenen Jahr männlich. Insgesamt traf die Polizei auf 939 Opfer. 642 davon waren weiblich, 297 männlich. Damit treffe häusliche Gewalt Frauen immer noch deutlich stärker, aber die Relation verändere sich, konstatierte Inspektionsleiter Stephan Zwerg bei der Vorstellung der Kriminalstatistik in der vergangenen Woche. Es sei ein kontinuierliche Anstieg des Anteils männlicher Opfer festzustellen.

Es wurden also im Schnitt täglich fast drei Taten aktenkundig. Erneut hat es mehr Fälle häuslicher Gewalt gegeben als im Vorjahr. Die Polizei zeigte sich deswegen besorgt. 950 Fälle wurden der Polizei im vergangenen Jahr insgesamt bekannt. Im Jahr 2023 waren es 821 Fälle gewesen und im Jahr 2022 erfasste die Polizei 777 Taten. Beim weit überwiegenden Teil handelte es sich jeweils um Rohheitsdelikte oder Straftaten gegen die persönliche Freiheit.

Änderung der Statistik erschwert Langzeitvergleiche

Weiter zurück greift die Statistik allerdings nicht. Seit 2022 wird der Straftatbestand anders definiert, als zuvor, als es vor allem um Partnerschaftsgewalt zwischen Zusammenlebenden ging. Seitdem fällt auch die Gewalt zwischen Ex-Partnern, die nicht mehr zusammenleben, unter diese Kategorie. Außerdem werden als häusliche Gewalt nicht nur die Gewalt zwischen Partnern, sondern auch Gewalttaten zwischen den Generationen erfasst.

Das macht es schwerer, die Gesamtfallzahlen zu interpretieren. Männliche Opfer sind nicht immer Opfer von weiblichen Täterinnen. Es komme auch zu Gewalt in gleichgeschlechtlichen Beziehungen oder zwischen Vätern und erwachsenen Söhnen, sagte Zwerg.

Häusliche Gewalt spielt sich meist im Verborgenen ab. Es wird von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen. Foto: DPA
Häusliche Gewalt spielt sich meist im Verborgenen ab. Es wird von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen. Foto: DPA

Insgesamt waren 25 Prozent der beschuldigten Personen Frauen. Auch da gelte; ES gebe auch Täterinnen, die gegenüber ihrer Partnerin gewalttätig werden. Oder aber beispielsweise gegen die Eltern.

Polizei: Breitere Prävention nötig

Im Bereich häusliche Gewalt geht es der Polizei ähnlich wie dem griechischen Philosophen Sokrates: Sie weiß, dass sie vieles nicht weiß. Zwerg geht von einem hohen Dunkelfeld aus, weil die Gewalt im eigenen Zuhause noch immer vielfach nicht angezeigt wird - sei es aus Scham, aus falscher Hoffnung auf Besserung oder aus finanzieller Abhängigkeit. Scham dürfte aus seiner Sicht auch bei Männern eine große Hürde sein, sich als Opfer von Gewalt zu melden. Gleichzeitig wandelten sich die Rollenbilder. Es ist also schwer zu sagen, ob die Zahl der Taten gegen Männer steigt oder ob sie eher angezeigt wird als früher.

Die Polizei sei bei weitem nicht zu jedem der 950 Fälle gerufen worden. Aber sie verfolge Fälle auch dann weiter, wenn eine Anzeige zurückgenommen werde.

Die Polizei sieht mit Sorge auf die beständig steigenden Fallzahlen. Sie sieht großen Handlungsbedarf, um einen wirksamen Hebel an das Problem setzen zu können. Zum einen müsse das Präventionsangebot auch auf die Gruppe der männlichen Opfer und der Täterinnen erweitert werden. Es müssten zudem mehr Therapieangebote für gewaltgeneigte Männer geschaffen werden. Und sowohl in Vereinen als auch Schulen müsse er mehr Früherkennung geben. Dazu gehörten auch Anlaufstellen und Beratungsangebote für Lehrkräfte und Sozialpädagogen, die Auffälligkeiten beobachtet haben.

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