Kriminalstatistik vorgestellt  Immer mehr Angriffe auf Polizeibeamte

| | 19.03.2025 18:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Ein Polizist steht in der Auricher Innenstadt. Die Gewalt gegen Einsatzkräfte hat im Bereich der Polizeiinspektion Aurich-Wittmund deutlich zugenommen. Foto: Romuald Banik
Ein Polizist steht in der Auricher Innenstadt. Die Gewalt gegen Einsatzkräfte hat im Bereich der Polizeiinspektion Aurich-Wittmund deutlich zugenommen. Foto: Romuald Banik
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In Aurich-Wittmund hat sich die Zahl der Vorfälle in sechs Jahren verdoppelt. 2019 gab es 66 Angriffe, 2024 schon 128. Hinter diesen Zahlen steht aber noch mehr.

Aurich - Von Beleidigung und Bedrohung über das Bespucken bis hin zu handfester Gewalt mit ernsten körperlichen und seelischen Folgen reicht das Spektrum der Angriffe auf Polizeibeamte in der Inspektion Aurich-Wittmund.

Wie Jannes Ulferts, Leiter des Polizeikommissariats Wittmund, bei der Vorstellung der Kriminalstatistik 2024 am Mittwoch sagte, gab es im vergangenen Jahr 128 Gewalttaten gegen die hiesigen Polizeibeamten. Dabei wurden insgesamt 316 Einsatzkräfte angegriffen. Im Vorjahr waren es 97 Taten mit 222 Opfern. Und 2019 lag der Wert bei 66 Taten. Binnen sechs Jahren hat sich die Anzahl der Angriffe auf Polizeibeamte also nahezu verdoppelt.

Die allgemeine Verrohungstendenz in der Gesellschaft zeige sich auch hier, sagte der Leiter der Polizeiinspektion, Stephan Zwerg. Ein sensibler Bereich sei die Wache selbst, wo des Öfteren heftig randaliert werde. Zwerg nannte ein Beispiel: Im Vorraum der Auricher Wache sei ein Beschuldigter sehr aggressiv geworden. Einem Beamten wurde dabei die Hand gebrochen.

Auch psychische Folgen

Mehrere Kollegen hätten im vergangenen Jahr Frakturen und Sehnenabrisse erlitten. Das bedeute auch immer eine längere Krankschreibung, die personell kompensiert werden müssten. „Und das macht auch psychisch was mit den Kollegen“, so Zwerg.

Neben Situationen bei Verhaftungen oder auf der Wache seien auch Einsätze bei häuslicher Gewalt immer hochsensibel. Gerade wenn jemand in aggressiver Stimmung sei und dann noch aus seinem Zuhause entfernt werden solle, könne es leicht eskalieren – mit Folgen für die eingesetzten Beamten. Sie seien die Vertreter der Staatsmacht. Und gegenüber den staatlichen Organen hätten die Menschen immer weniger Respekt. Auch Feuerwehrleute und Rettungskräfte seien davon betroffen. Von den Rettungsdiensten seien im vergangenen Jahr 14 entsprechende Anzeigen eingegangen.

Auch Gewalt gegen Einsatzkräfte durch junge Täter

Auch Kinder und Jugendliche zeigten immer weniger Respekt vor der Polizei, ergänzte Ulferts. Sie seien ebenfalls mit steigender Tendenz für Angriffe auf Einsatzkräfte verantwortlich.

Zunehmende Jugendkriminalität macht der Polizei ohnehin Sorgen. Im Jahr 2023 sei eine Gruppe von Intensivtätern aus dem Verkehr gezogen worden, so Zwerg. Dennoch sei die Zahl der erfassten Taten mit einem jugendlichen Beschuldigten im vergangenen Jahr von 694 auf 713 gestiegen. Gewalt spiele dabei eine immer größere Rolle. Der Polizei würden bei den Vernehmungen aber immer engere Grenzen gesetzt. Hinzu kamen im vergangenen Jahr noch 256 Taten mit Kindern als Beschuldigten und 447 Taten mit beschuldigten Heranwachsenden.

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