Entwässerung in Moordorf Politik steht vor schwieriger Frage
Soll Moordorf in Sachen Entwässerung sicherer werden, auch wenn dies für alle höhere Preise und Mieten bedeuten könnte? Vor dieser Frage steht möglicherweise demnächst die Südbrookmerlander Politik.
Südbrookmerland - In Sachen Flächenversiegelung in Moordorf macht die Südbrookmerlander Gemeindeverwaltung nun ernst: Am Donnerstag soll im Bauausschuss darüber gesprochen werden, ob in dem immer wieder von Entwässerungsproblemen betroffenen Ortsteil künftig schärfere Regelungen für neue Bauprojekte gelten sollen. Hintergrund sind in den vergangenen Wochen aufgekommene Diskussionen über neue Vorhaben im Ort.
Aldi und Wohnprojekt brachten Stein ins Rollen
Wie berichtet, hatte Bürgermeister Thomas Erdwiens wegen solcher Diskussionen zuletzt hinterfragt, ob Moordorf überhaupt noch Zentrum der Gemeinde sein könne. Schließlich seien die Schaffung von Wohnraum und Möglichkeiten der Nahversorgung Kernaufgaben solcher Zentren. Werde aber jedes Mal darüber diskutiert, ob neue Projekte mit Blick auf die Entwässerung realisiert werden könnten, könnten Investoren abgeschreckt werden.
Zuletzt war beispielsweise über den geplanten Neubau des Aldi-Marktes an der Ekelser Straße diskutiert worden. Und zwar in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates. Anwesende Einwohner hatten die Ratsmitglieder auf ein Gutachten aufmerksam gemacht, das den Planunterlagen als Anlage beigefügt war. Darin ging es um verschiedene Möglichkeiten, die Entwässerung der Fläche sicherzustellen. Ein bestimmtes Verfahren sei darin jedoch als ungeeignet aufgeführt worden und komme nun dennoch zum Einsatz. In der Politik sorgte dies daraufhin für Zweifel am gesamten Entwässerungskonzept. Erst nachdem die Verwaltung versichert hatte, dass im Zuge des Baugenehmigungsverfahrens alles noch einmal genau geprüft werde, gab es die mehrheitliche Zustimmung. Doch die Diskussion hat Folgen. Auch, weil es kurz darauf wegen eines geplanten Großprojekts zwischen Ekelser Straße und Meisenwinkel eine ähnliche Debatte gab. Bürgermeister Thomas Erdwiens kündigte im Gespräch mit unserer Redaktion an, das Thema insgesamt aufs Tapet bringen zu wollen.
Was die Verwaltung genau fordert
Und dazu kommt es nun offenbar. „Aus der Politik werden nunmehr zunehmend im Zuge beabsichtigter Vorhabenumsetzungen, die eine jetzige oder auch zukünftige weitere Bebauung in Moordorf betreffen, Zweifel und Befürchtungen geäußert, dass bisherige genehmigte Entwässerungsparameter nicht mehr ausreichen“, heißt es in den Unterlagen zur bevorstehenden Bauausschusssitzung. Diese Befürchtungen seien verbunden mit der Forderung nach höheren Entwässerungskapazitäten bei anstehenden oder zukünftigen Projekten. Konkret könnte es also darum gehen, die allgemein vorgeschriebenen Standards für die Entwässerung im Bereich Moordorf zu verschärfen. Zugleich warnt die Verwaltung, dass von einer solchen Verschärfung alle, also Gemeinde, Investoren und Privatpersonen betroffen wären. Wie Thomas Erdwiens unserer Redaktion in einem früheren Gespräch sagte, gehe er davon aus, dass höhere Standards auch höhere Kosten bedeuteten, welche beispielsweise auf Mieten und Produktpreise umgelegt würden.
Dennoch sei laut Verwaltung eine „zeitnahe abschließende von der Politik getragene Entscheidung zur Festlegung von erhöhten Rahmenbedingungen zur Entwässerung zwingend erforderlich“. Auch, um künftige Projekte in Moordorf zuverlässig abwickeln zu können.
Ausschuss steht vor einer schwierigen Frage
Es liegt also an der Politik, darüber zu entscheiden, ob man in Moordorf an den bisherigen Standards festhalten und möglicherweise das Risiko zunehmender Entwässerungsprobleme in Kauf nehmen, oder durch höhere Standards unter Umständen höhere Kosten verursachen will. Für so manchen Politiker dürfte sich diese Entscheidung anfühlen wie die sprichwörtliche Wahl zwischen Pest und Cholera.
Wohl auch, um eine Grundlage für eine solche grundsätzliche Entscheidung zu schaffen, soll den Ausschussmitgliedern am Donnerstag der aktuelle Stand der baurechtlichen Rahmenbedingungen vorgestellt werden. Dazu will die Verwaltung auch „mögliche Alternativen zur Entwässerungsplanung für die Umsetzung zukünftiger Bauprojekte in Moordorf“ liefern.
Details zuGroßprojekt erwartet
Vorgestellt werden soll außerdem die Entwässerungsplanung für das Großprojekt zwischen Meisenwinkel und Ekelser Straße. Wie berichtet, war das gesamte Projekt kürzlich hinter verschlossenen Türen vorgestellt worden. Durch Recherchen unserer Redaktion gelangten die Pläne jedoch an die Öffentlichkeit. Auch zu diesem Projekt soll es in nicht öffentlicher Sitzung Sorgen wegen der Entwässerung gegeben haben. In öffentlicher Sitzung soll das entsprechende Konzept nun vorgestellt werden. Ob es dabei nur um die Entwässerung geht, oder das Projekt selbst auch öffentlich vorgestellt wird, ist nicht bekannt.
Das gilt auch für weitere Details zu dem Vorhaben. Eine vor rund drei Wochen an den Investor, die HCW Capital GmbH & Co. KG aus Edemissen, versandte E-Mail blieb bis heute unbeantwortet.
Die Sitzung des Südbrookmerlander Bauausschusses beginnt am Donnerstag um 19 Uhr im Rathaus und ist öffentlich. Einwohner der Gemeinde können im Verlauf der Sitzung mehrfach Fragen an die Politik und die Verwaltung stellen.