Migration im Landkreis Aurich  Landkreis will Modulgebäude für Flüchtlinge kaufen

| | 07.03.2025 17:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Derzeit stehen Containeranlagen für Flüchtlinge auf dem Auricher Kasernengelände.Foto: Romuald Banik
Derzeit stehen Containeranlagen für Flüchtlinge auf dem Auricher Kasernengelände.Foto: Romuald Banik
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Ende 2025 läuft ein Mietvertrag für ein Gebäude auf dem Kasernengelände aus. Dafür will der Kreis schnell Ersatz schaffen. Eine wichtige Frage ist aber noch offen.

Aurich - Für die Unterbringung von Flüchtlingen plant der Landkreis Aurich den Kauf von vier Stahl-Modul-Gebäuden für insgesamt 5,5 Millionen Euro. Ein entsprechender Beschlussvorschlag soll am Montag, 10. März, in einer gemeinsamen Sitzung von Finanzausschuss und Sozialausschuss beraten werden (15 Uhr, Seminarhotel Aurich). Den Angaben zufolge endet am 31. Dezember 2025 voraussichtlich das Mietverhältnis für das ehemalige Divisionsgebäude 14 auf dem ehemaligen Auricher Kasernengelände, in dem zurzeit 328 Personen leben.

Zur Kompensation der wegfallenden Platzkapazitäten sei beabsichtigt, eine Überleitung in privaten Wohnraum zu erreichen und das in Herrichtung befindliche Gebäude 13 mit einer Kapazität von 130 Personen zu nutzen. Doch darüber hinaus sollen eigene Gemeinschaftsunterkünfte in Modulbauweise auf geeigneten Grundstücken im Kreisgebiet errichtet werden, heißt es. „Eine Unterbringung in temporären (Miet-)Containeranlagen oder anderen Notunterkünften, etwa Turnhallen, ist nur im Ausnahmefall anzustreben.“

Kreis will schnelle Umsetzung

Eine schnelle Umsetzung der Pläne sei „aufgrund der unsicheren geopolitischen Lage und den nicht vorhersehbaren Zuweisungszahlen sinnvoll“, heißt es. Das sichere die Handlungsfähigkeit. Bei den geplanten Unterkünften handele es sich um ein Modulgebäude, das bereits für die Flüchtlingsunterbringung genutzt wurde und aktuell zur Zweitverwertung angeboten werde.

Die Anlage lasse sich in vier Gebäude teilen und damit individuell nach den bestehenden Unterbringungsbedarfen gestalten. In den vier eingeschossigen jeweils 36 mal 18 Meter großen Gebäuden können den Angaben zufolge jeweils rund 30 bis 40 Personen untergebracht werden. Die Firma Boll aus dem münsterländischen Telgte hat laut Kreisverwaltung am 29. Januar ein Initiativangebot für die Errichtung der vier Stahlmodulgebäude als Kauflösung unterbreitet. Darin enthalten sind demnach eine individuelle Anpassung der Grundrisse an die Anforderungen des Amtes für Jugend und Soziales, die umfassende Renovierung eines gebrauchten Modulbaus von 2015 sowie die Ertüchtigung nach Vorgaben des Gebäudeenergiegesetzes.

Neubauten wären teurer

Das Angebot liegt den Angaben zufolge bei rund 1700 Euro pro Quadratmeter brutto und damit bei 50 Prozent der Kosten eines Modulbau-Neubaus. Ausschreibungsergebnisse für vergleichbare Neu-Gebäude lägen im Bereich von 3000 bis 3400 Euro.

Das Angebot gewährleiste eine kurzfristige Errichtung innerhalb von zwölf Monaten nach Auftragserteilung. Der bestehende Bedarf mit langfristiger, multifunktionaler Nutzung würde dadurch gedeckt, heißt es. Und: „Im Vergleich zu Gebäuden in Massivbauweise und temporären, provisorischen Containerlösungen sind Modulgebäude technisch und in der Langlebigkeit deutlich hochwertiger als Container und einem Massivgebäude nahezu gleichzusetzen. Insofern handelt es sich um keine kurzfristige Lösung, sondern eine langfristige und wirtschaftliche Nutzung wäre gegeben. Zudem wäre die bauliche Umsetzung dieser Zweitverwertung erheblich schneller möglich“, heißt es von der Kreisverwaltung. Das Angebot biete eine kurzfristige Realisierung, die Möglichkeit einer längerfristigen Nutzung und die bei Weitem kostengünstigste Lösung.

Notwendige Millionen bereits freigegeben

Die Gesamtkosten für die Anschaffung und Errichtung belaufen sich auf 4,5 Millionen Euro. Für Gründung, Pflasterarbeiten, Medienanschlüsse zur Herrichtung der Grundstücke komme eine weitere Million dazu.

Bereits Mitte Dezember hatte der Kreistag einer entsprechenden Haushaltsänderung zugestimmt, durch die bis zu zwölf Millionen Euro für weitere Unterkünfte vorgesehen waren. Seinerzeit war noch vor allem von weiteren Containeranlagen die Rede gewesen.

Die nicht unwichtige Frage, wo die Modul-Gebäude am Ende gebaut werden sollen, ist offenbar noch nicht entschieden. „Für die in Frage kommenden Grundstücke/Standorte werden gegenwärtig Abstimmungsgespräche und Beteiligungsverfahren mit den zuständigen kreisangehörigen Städten und Gemeinden durchgeführt. Sobald diese abgeschlossen sind, werden die politischen Gremien beteiligt“, heißt es.

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