Radweg an der L1  Das sind die Herausforderungen für die Planer

| | 28.02.2025 08:57 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Yasin Kilic (von links), Johannes Booken und Frank Buchholz von der Landesstraßenbaubehörde erläuterten die Herausforderungen für den Radwegbau. Foto: Karin Böhmer
Yasin Kilic (von links), Johannes Booken und Frank Buchholz von der Landesstraßenbaubehörde erläuterten die Herausforderungen für den Radwegbau. Foto: Karin Böhmer
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Engstellen, schmale Brücken, Fledermaushabitate: Auf der Strecke zwischen Oldersum und Riepe gibt es mehrere Bau-Hindernisse. Ende des Jahres soll die Straßenseite für den Radweg aber feststehen.

Ihlow/Moormerland - Eine Bürgerinitiative will Druck machen, damit möglichst schnell an der L 1 zwischen Riepe und Oldersum ein Radweg gebaut wird. Die Landesstraßenbaubehörde in Aurich hat bereits einiges in die Planungen dafür investiert. Derzeit werde ein Planungsbüro gesucht, das in diesem Jahr die Entwurfsplanung und den Landschaftspflegerischen Begleitplan erarbeitet, sagte Behördenleiter Frank Buchholz auf Nachfrage.

An der Rampe zur Brücke übers Fehntjer Tief wird’s eng. Sie muss wegen der Boote eine gewisse Höhe haben. Foto: Romuald Banik
An der Rampe zur Brücke übers Fehntjer Tief wird’s eng. Sie muss wegen der Boote eine gewisse Höhe haben. Foto: Romuald Banik

Noch in diesem Jahr soll nach Möglichkeit klar werden, an welcher Straßenseite der Radweg verlaufen soll. In Oldersum endet der bestehende Radweg auf der Westseite der Straße. In Riepe verläuft der Radweg an der Ostseite. Eine Querung muss also eingeplant werden.

Am Baggersee bei der Autobahnauffahrt haben sich Fledermäuse angesiedelt. Foto: Romuald Banik
Am Baggersee bei der Autobahnauffahrt haben sich Fledermäuse angesiedelt. Foto: Romuald Banik

Die Strecke ist nicht ohne Herausforderungen. Die Landesstraßenbaubehörde rechnet damit, dass erst in der zweiten Jahreshälfte 2027 das Planfeststellungsverfahren für das Projekt eingeleitet werden kann. Derzeit steht das 6,8 Kilometer lange Projekt im Radwegekonzept des Landes auf Platz 8.

Nicht mehr warten auf den Anschluss der B210n

Immerhin: Ursprünglich sollte der Radweg erst gebaut werden, wenn der Anschluss der B210n an die L1 im Bereich der Autobahnauffahrt schon feststeht oder sogar schon existiert. Davon sind die Planer in der Landesstraßenbaubehörde abgerückt. Das dauere für den Radweg zu lange.

Mit der Kamera wurde die Strecke gründlich befahren. Fährt man die Landesstraße von Oldersum aus auf dem Film aus dem Sommer mit, sieht man zuerst die enge Straße am Ortsausgang. Auf freier Strecke sind dann links und rechts Schilfbestände in den Gräben zu sehen. Beide Gräben müssen laut Behördenleiter Frank Buchholz erhalten bleiben, da die Straße ein Dachprofil hat und zu beiden Seiten entwässert.

Derzeit ist eine Spur der Rampe zur Autobahnzufahrt wegen Bauarbeiten noch gesperrt. Insgesamt ist auch dieser Bereich eng - nicht nur auf der Brücke. Foto: Romuald Banik
Derzeit ist eine Spur der Rampe zur Autobahnzufahrt wegen Bauarbeiten noch gesperrt. Insgesamt ist auch dieser Bereich eng - nicht nur auf der Brücke. Foto: Romuald Banik

Dass der Radweg hinter einen der Gräben verschwenkt würde, hält sein Stellvertreter Yasin Kilic für schwierig. Der Straßengraben müsste bestehen bleiben, aber die landwirtschaftlichen Flächen brauchten gleichwohl einen Graben. Es müsste dann links und rechts des Radweges Entwässerungsanlagen geben. Dafür müssten die Landeigentümer entsprechend mehr Grund abgeben.

Brücke übers Tief viel zu schmal für Nebenanlage

Bislang sei die bessere Straßenseite für den Radweg „nicht offensichtlich“, sagt Buchholz. Untersuchungen von Flora und Fauna sollen Aufschluss darüber geben, wo am wenigsten Naturschutzauflagen zu beachten wären.

Vorbei an Feldzufahrten und einem üppigen Grüngürtel nähert sich das Kamerafahrzeug der Brücke über das Fehntjer Tief. Sie ist eine der problematischsten Stellen auf der Strecke. Laut Buchholz müsste für einen Radweg eigentlich die gesamte Brücke erneuert werden. Sie muss eine bestimmte Höhe haben, um Bootsverkehr auf dem Tief zu ermöglichen. Da auf jeder Seite des Kanals ein Gebäude steht und am Straßenrand nicht viel Platz bleibt, ist laut Kilic eine Verbreiterung der Trasse schwierig.

Auf der Brücke über das Fehntjer Tief ist kein Platz mehr für einen Radweg. Dafür müssen die Planer eine Lösung finden. Foto: Romuald Banik
Auf der Brücke über das Fehntjer Tief ist kein Platz mehr für einen Radweg. Dafür müssen die Planer eine Lösung finden. Foto: Romuald Banik

Zudem gibt es in dem Bereich viel Grün. Und zusammen mit dem Gewässer ist dort ein Paradies für Fledermäuse. „Wir müssen die Schifffahrt berücksichtigen. Aber umweltrechtliche Themen sind dort ebenso maßgeblich“, so Kilic. Und nicht nur die Boote brauchen bestimmte Durchfahrtsbreiten und Höhen: Auch für Fledermäuse sind solche Werte vorgeschrieben.

Radweg an der Einmündung der K 111 „kein Hexenwerk“

Nach dem Tief verläuft die Straße weitgehend gerade auf die Autobahnauffahrt zu. Die Fahrbahnen sind eng. Links und rechts verläuft wiederum im Grabenbereich ein Grüngürtel. Bei den Wohngrundstücken sind teils ältere Baumbestände zu erkennen. „Das wäre auch nicht so einfach“, murmelt Buchholz.

Die Einmündung der Oldersumer Straße (K 111) von Simonswolde aus ist ein weiterer Knotenpunkt, über den die Planer nachdenken müssen. Im Vergleich zum Fehntjer Tief und zur Autobahnauffahrt ist dies Problem aber vergleichsweise klein. Es sei nur eine Querung nötig, so Buchholz. „Das ist kein Hexenwerk.“

Direkt am Fehntjer Tief befinden sich zu beiden Seiten Gebäude mit Baumbestand. Foto: Romuald Banik
Direkt am Fehntjer Tief befinden sich zu beiden Seiten Gebäude mit Baumbestand. Foto: Romuald Banik

Anspruchsvoll werde die Planung dann wieder an der Autobahn. Die L 1 wird über Rampen und eine Brücke über die Autobahn geführt. Diese Rampen sind schmal und ansteigend. Zudem steht ein Haus nah an der Straße. Und im Hintergrund befindet sich ein kleiner Baggersee. Dort leben laut Kilic unter anderem streng zu schützende Teichfledermäuse. „Die sind umweltfachlich von großer Bedeutung.“

Ampelanlage an Autobahnauffahrt nicht nötig

Die Brücke über die Autobahn müsste möglicherweise erneuert werden, weil die Kappen an den Seiten nicht ausreichen. Ein Planungsbeschleuniger ist auch das nicht. Es müsse also untersucht werden, ob es möglich sei, eine andere Kappe anzubringen, so Buchholz.

So sieht die Brücke übers Fehntjer Tief von der Seite aus. Foto: Romuald Banik
So sieht die Brücke übers Fehntjer Tief von der Seite aus. Foto: Romuald Banik

Im Bereich der Autobahnanbindung muss zudem der Radweg die Auffahrten queren. Voraussichtlich mit zurückgesetzten Furten. Das Verkehrsaufkommen sei nicht so hoch, dass eine Ampel nötig sei, so Buchholz. Aus Richtung Riepe kommend nutzen täglich knapp 6400 Verkehrsteilnehmer den Zubringer zur Autobahn, so Buchholz. Davon 5,8 Prozent Schwerlastverkehr. Also immerhin gut 370 schwere Fahrzeuge. Aus Richtung Oldersum fahren knapp 2500 Autos täglich zur Autobahnauffahrt. Der Schwerlastverkehr liegt dort bei 4,7 Prozent. Das sind knapp 120 Fahrzeuge.

Zeitplan hängt von vielen Faktoren ab

Der Rest der Strecke führt nach Riepe hinein. Am Pendlerparkplatz und am Gewerbegebiet vorbei. Wiederum auch an viel Grün. Und an mehreren Häusern, die nahe an der Straße stehen.

Links und rechts der Straße verlaufen Gräben. Foto: Romuald Banik
Links und rechts der Straße verlaufen Gräben. Foto: Romuald Banik

Auch wenn in diesem Jahr wesentliche Pflöcke für die Planung eingeschlagen werden sollen, mag Buchholz keinen weiteren Zeitplan nennen. Es gehe um eine lange Strecke mit mehreren Herausforderungen. Es seien der Landkreis Aurich und der Landkreis Leer am Genehmigungsverfahren beteiligt. Und es sei nicht klar, wie viele Einwendungen es geben werde. „Ohne Einwendungen kann es relativ schnell gehen mit dem Planfeststellungsbeschluss“, sagt Buchholz und meint damit etwa ein gutes Jahr. Doch dann kommen noch die Ausführungsplanung, der Grunderwerb und die Ausschreibungen. Und der Bau. Auch noch der Bau.

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