Ausgrabungen in Engerhafe Weitere Hinweise auf intensive Besiedlung
2021 haben Archäologen im Bereich des alten Pfarrhauses Engerhafe gegraben. Das sind ihre Ergebnisse.
Engerhafe - Seit einem Dreivierteljahr gibt es mit der Gedenkstätte für das KZ-Außenlager in Engerhafe und dem runderneuerten Gemeindehaus wieder Leben rund ums alte Pfarrhaus in Engerhafe. Und auch die Ausgrabungen, die die Archäologen der Ostfriesischen Landschaft im Frühjahr und Frühsommer 2021 im Bereich des Anbaus gemacht haben, sind längst ausgewertet.
Wie die Leiterin des Archäologischen Dienstes, Dr. Sonja König, auf Nachfrage sagte, lassen die Fundstücke darauf schließen, dass es an der Stelle eine durchgehende und intensive Nutzung seit dem Mittelalter gegeben habe.
Das hatte sich schon bei den Ausgrabungen im Keller des Steinhauses im Jahr 2011 angedeutet, wo in einem verfüllten Brunnen Scherben aus der Zeit um 800 entdeckt wurden. Der Kern des Steinhauses selbst wurde damals auf die Zeit um 1300 datiert.
1,6 Meter starke Schicht mit menschlichen Zeugnissen
2021 haben die Archäologen im Zuge der Bauvorbereitung vor allem an der Stelle gegraben, wo der Anbau des Pfarrhauses in nördliche Richtung erweitert wurde. Inzwischen befindet sich an der Stelle der neue Gemeindesaal.
Der vormals unbebaute Bereich des Grundstücks fiel vor der Baumaßnahme in der Höhe stark ab. „Auf einer Fläche von gut 12 mal 18 Metern konnte zwischen dem Anbau von 1986 und dem Ende der Parzelle vor deren Höhenabfall eine komplexe Stratigraphie vom Mittelalter bis in die Neuzeit aufgenommen werden“, schreibt König in einem Beitrag im Emder Jahrbuch von 2022. genommen werden. Diese Schichten seien insgesamt 1,6 Meter mächtig gewesen. Die Archäologen sind also auf eine ergiebige Schichtung mit menschlichen Spuren gestoßen.
Zwei Gräben voller mittelalterlicher Keramik
Besonders hervorzuheben ist dabei laut König, dass im östlichen Teil der Fläche in der untersten Ebene zwei Gräben gefunden wurden. Sie waren mit mittelalterlichem keramischen Material verfüllt. Als ungewöhnlich stuft die Archäologin die Ausrichtung dieser beiden Gräben ein: Im Abstand von 1,45 Meter liefen sie parallel zueinander in Nord-Süd-Ausrichtung direkt auf den östlichen Giebel des Steinhauses zu. Sie seien also nicht als Einfassungsgräben des Steinhauses zu deuten, sondern gehörten entweder zu einer früheren Bebauung oder trennten das Steinhaus sehr eng nach Osten hin ab. Ein anderer, höher liegender Graben sei jünger und passe schon eher zum Bild einer schützenden Grabenanlage.
Sarkophag-Teil ließ sich nicht zuordnen
Bei den Ausgrabungen war den Grabungstechnikern zudem ein backsteinähnliches Gebilde aufgefallen, dass sich als Teil eines Sarkophags entpuppte. Diese seien in Ostfriesland im 11. und 12. Jahrhundert beliebt gewesen. Laut König war eine Weiternutzung von Sarkophag-Teilen damals nicht ungewöhnlich. Wand und Deckel seien zertrümmert und als Viehtränke oder Bauteile weitergenutzt worden. Es sei nicht mehr in Erfahrung zu bringen, wer einst in dem Sarkophag beigesetzt worden sei.
Die Archäologen hatten auch Mauern verschiedener Gebäude freigelegt. Diese seien aus der Neuzeit. Hinzu komme mittelalterliche Keramik. Es lasse sich also schließen, dass das Areal seit dem Hochmittelalter genutzt worden sei, „durchaus sehr intensiv“, so König.
Keine Funde aus der Außenlager-Zeit
Aus der Zeit des KZ-Außenlagers in Engerhafe, das im Herbst 1944 nördlich an das Grundstück angegrenzt hatte, haben die Archäologen nichts entdeckt. Der Bereich sei aber mehrfach überprägt worden, sagte König, unter anderem bei der Errichtung des Anbaus an das Gemeindehaus im Jahr 1986. Es sei also nicht zu sagen, ob dort zuvor Spuren des Lagerlebens gewesen seien. „Und wir haben auch nur einen sehr kleinen Bereich angeschaut. Das ist immer ein Puzzleteil. Wir können sagen, was wir haben, aber nicht, was wir nicht gefunden haben“, so die Archäologin.
Wenn im Bereich des Gemeindehauses wieder eine baubegleitende Grabung anstehe, werde die Ostfriesische Landschaft wieder dabei sein. „Dann komplettieren wir das Bild weiter. Das kann noch ganz spannend werden“, meint König. Außerdem entwickle sich die Technologie, mit der die Funde untersucht werden könnten, immer weiter, sodass auch mit dem bereits Entdeckten noch neue Erkenntnisse möglich seien.