Überraschender Rückzug Südbrookmerlander Jugendpfleger hört auf
Das kommt überraschend: Der Südbrookmerlander Jugendpfleger Karl Echterhof nimmt seinen Hut. Warum er nicht mehr weitermachen will und was das für die Zukunft des Jugendhauses bedeutet.
Südbrookmerland - Es ist eine faustdicke Überraschung in der Jugendpflege in Südbrookmerland: Karl Echterhof, seit elf Jahren hauptamtlicher Jugendpfleger der Gemeinde, nimmt seinen Hut. Das gab der 58-Jährige am Donnerstagabend in der Sitzung des Ausschusses für Jugend, Sport und Kultur bekannt. Was er mit seiner Kündigung bezwecken will und wie es nun weiter geht.
Echterhof trat seinen Dienst als Jugendpfleger in Südbrookmerland im Januar 2014 an. Von Beginn an sah der Emder eine seiner Hauptaufgaben im Betrieb des Jugendhauses in Moordorf und im damaligen Jugendtreff in Münkeboe. Vor seinem Engagement in Südbrookmerland war er bereits in Norden in einer ähnlichen Position im Einsatz. Und so richtete der damalige Fachbereichsleiter der Gemeindeverwaltung, Eckhard Kelm, bei der Vorstellung des neuen Jugendpflegers große Erwartungen an ihn. Mit ihm werde sich die Jugendarbeit in Südbrookmerland gut entwickeln.
Handwerk raubt Zeit für Jugendarbeit
Tatsächlich tat sich fortan einiges, insbesondere im Jugendhaus in Moordorf. Immer wieder krempelte Echterhof selbst die Ärmel hoch, griff zu Bohrmaschine, Säge und Hammer, oder mähte den Rasen. Arbeiten, die ihm zeitweise auch zu viel wurden. So beklagte er nicht nur einmal, dass die vielen notwendigen Arbeiten ihm die Zeit für seine eigentlichen Aufgaben nehmen würden.
Zudem zogen sich Debatten um die Ausrichtung der Jugendpflege, um Aufgaben und Personal wie ein roter Faden durch Echterhofs Zeit im Moordorfer Jugendhaus. Immer wieder forderte er Unterstützung. Bekam er die, beispielsweise durch Assistenzkräfte, war dies häufig nicht von langer Dauer.
Das sollte sich nun ändern. Ende vergangenen Jahres hatte der Verwaltungsausschuss der Schaffung einer weiteren Vollzeitstelle für die Jugendpflege zugestimmt. In der Sitzung am Donnerstag sollte die Verwaltung eigentlich ein eigens ausgearbeitetes Stellenprofil vorstellen, nach dessen Vorgaben die Verstärkung für die Jugendpflege gesucht werden sollte.
Beruflicher Neuanfang mit 58 Jahren
Doch dazu kam es nicht. Zunächst hielt Echterhof, unterstützt von zwei Studentinnen, die sich mit ihm im Jugendhaus engagieren, seinen Jahresbericht. Am Ende seiner Ausführungen teilte er den Politikern dann mit, dass dies der letzte Jahresbericht von ihm gewesen sei. Er wolle den Weg frei machen für einen Neustart in der Jugendpflege. Er habe vor elf Jahren ein „leeres Jugendhaus“ übernommen, sagte Echterhof anschließend in einem Gespräch mit unserer Redaktion. Sein Nachfolger habe nun die Chance, in einem gut besuchten Jugendhaus zu gestalten und die Einrichtung weiterzuentwickeln. Sein Wunsch: Nachdem nun zwei Stellen für die Jugendpflege genehmigt seien, wäre es aus seiner Sicht ideal, wenn diese nun zeitgleich besetzt würden und die neuen Kräfte die Jugendpflege gemeinsam nach ihren Vorstellungen ausbauen könnten. Und wie geht es für Echterhof persönlich weiter? In seinem Vortrag sprach der 58-Jährige noch davon, sich etwas Neues suchen zu wollen. Im Gespräch mit unserer Redaktion verriet er dann, dass er bereits fündig geworden sei. Wo es ihn hinzieht, behält er noch für sich, deutete aber an, in der Region bleiben zu wollen. Anzumerken war ihm jedoch, dass er vor allem wegen seines Alters reichlich Respekt vor dem beruflichen Neuanfang zu haben scheint.
Für die Gemeinde beginnt nun die fieberhafte Suche nach einem neuen Jugendpfleger. Spätestens zum 30. Juni wird Echterhof seinen Dienst quittieren. Ist bis dahin kein Nachfolger gefunden, droht eine vakanzbedingte Schließung des Jugendhauses. Je nachdem, wie lange die dauern würde, könnte das den Start eines neuen Stelleninhabers erschweren. Der müsste dann zunächst damit beginnen, die Wiedereröffnung der Einrichtung bekannt zu machen, statt sofort mit seiner eigentlichen Arbeit für und mit den Jugendlichen zu starten.
Stelle soll schnell neu besetzt werden
Das dürfte keineswegs im Interesse der Gemeinde liegen. Wie Fachbereichsleiter Joachim Betten in der Sitzung sagte, sei geplant, die Stelle schnellstmöglich auszuschreiben. Und zwar mit einer verkürzten Bewerbungsfrist. Laut Stellenausschreibung wird ein Sozialpädagoge oder ein Sozialarbeiter gesucht. Und zwar für eine unbefristete Stelle, die nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst im Sozial- und Erziehungsdienst in der Entgeltgruppe 11-b bewertet wird. Gesucht wird zum nächstmöglichen Zeitpunkt, die Bewerbungsfrist endet am 23. Februar. Zunächst keine Rede mehr war in der Sitzung
am Donnerstag von der Besetzung der frisch genehmigten zweiten Stelle in der Jugendpflege. Denkbar ist aber, dass zunächst der neue Jugendpfleger eingestellt und im nächsten Schritt an dem Auswahlverfahren beteiligt werden soll.