Nach Anschlag von Magdeburg Grüne kritisieren Sicherheitsvorkehrungen in Aurich
Die Ratsfraktion ist sich sicher: Autos hätten in die Innenstadt rasen können. Sie fordert daher Konsequenzen nicht nur für den Schutz von Großveranstaltungen.
Aurich - Mit Blick auf den tödlichen Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Magdeburg am 20. Dezember fordert die Stadtratsfraktion der Grünen für Aurich Konsequenzen. Denn sie haben die „Betonsteine“ während des Weihnachtsmarktes nicht überzeugt, schreiben Gila Altmann und Gunnar Ott in einer gemeinsamen Presseerklärung. Sie beantragen daher für die nächste Sitzung des Ausschusses für Feuerwehr, Ordnung und Bürgerdienste am 11. März die Anhörung von Experten für den Zufahrtsschutz zu öffentlichen Plätzen.
Nach Auffassung der Grünen sollten kompetente und erfahrene Fachleute zu Rate gezogen werden. Diese Experten sollten die besten Konzepte erläutern, um die Bürger in der Innenstadt nachhaltig zu schützen. „Dazu gehört auch, das jüngst verworfene Pollersystem in der Auricher Fußgängerzone unter diesen Sicherheitsaspekten zu betrachten und neu zu bewerten“, heißt es weiter.
Barrieren wurden erstmals 2016 in Aurich aufgestellt
Das Geschehen in Magdeburg hat der Mitteilung zufolge auch „in Aurich Spuren hinterlassen und zur Sensibilisierung mit dem Umgang von Sicherheitskonzepten beigetragen“. Die Grünen sehen Verbesserungsbedarf, obwohl anlässlich des Weihnachtsmarktes auf dem Auricher Marktplatz von einem gelungenen Veranstaltungsschutz gesprochen wurde.
Nur einen Tag nach dem Attentat in Magdeburg hatten Vertreter der Stadt Aurich und der Polizei das Sicherheitskonzept des Auricher Weihnachtsmarktes überprüft. Dieses ist nach dem Anschlag auf dem Weihnachtsmarkt auf dem Berliner Breitscheidplatz am 19. Dezember 2016 überarbeitet worden, sagte Udo Hippen, Vorsitzender des Kaufmännischen Vereins Aurich. Damals seien auch in Aurich Barrieren errichtet worden. Diese Sicherheitsvorkehrungen hätten sich bewährt und bis heute Bestand. Und: Sie würden nicht nur für den Weihnachtsmarkt, sondern für alle Publikumsveranstaltungen in der Kernstadt gelten. Dass sie keinen hundertprozentigen Schutz garantieren können, ist Hippen und den Vertretern von Polizei und Stadt bewusst. Der Marktplatz und die Fußgängerzone seien ein öffentlicher Raum – und es müssten Rettungswege freigehalten werden. „Alles absperren und kontrollieren, geht nicht“, sagte Hippen.
Pflanzkübel seien „zusätzliches Sicherheitsrisiko“
Das reicht den Auricher Grünen nicht aus. Während des Weihnachtsmarktes wäre es nach ihrer Auffassung möglich gewesen, beispielsweise über die Hafenstraße oder die Wallstraße „in die belebte Innenstadt hineinzurasen“. Die zeitweise Sicherung mit Pflanzkübel „wird aus Sicht der Experten sogar als zusätzliches Sicherheitsrisiko gesehen, da sie bei der Kollision mit einem größeren Fahrzeug zu Wurfgeschossen werden können“, schreiben Altmann und Ott.
„Veranstaltungsschutz ist nicht identisch mit Zufahrtsschutz“, heißt es weiter von den Grünen. Aber um den sollte es nach Auffassung von Altmann und Ott eigentlich gehen. Dabei handele es sich „nach Maßgabe von Sicherheitsexperten“ nicht um den alleinigen Schutz von Veranstaltungen, sondern um den Platz an sich. Es gebe schließlich nicht nur Sonderveranstaltungen wie den Weihnachtsmarkt, das Weinfest oder das Fest der Kulturen, sondern auch ganz normale Markttage oder überhaupt eine gefüllte Fußgängerzone, „die gesichert werden muss“.