Spezialfirma rückt an  Kampfmittel-Verdacht in Moordorf

| | 21.01.2025 18:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Spezialisten suchen auf diesem Beispielbild mit einer speziellen Sonde nach Kampfmitteln. Foto: Jens Kalaene/DPA
Spezialisten suchen auf diesem Beispielbild mit einer speziellen Sonde nach Kampfmitteln. Foto: Jens Kalaene/DPA
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Kampfmittelverdacht in Moordorf: Nach einer Auswertung alter Luftbilder ist ein Spezialunternehmen damit beauftragt worden, sich den Untergrund genauer anzuschauen. Um diesen Bereich geht es.

Moordorf - Liegen unter einer Straße in Moordorf noch Bomben, Granaten oder andere Munition aus dem zweiten Weltkrieg? Dieser Frage gehen laut einer Bekanntmachung demnächst Fachleute eines Spezialunternehmens für Kampfmittelbergung nach. Auswertungen von Luftbildern haben demnach ergeben, dass im Bereich des Weißen Weges eine genauere Prüfung zu erfolgen hat. Hintergrund der Untersuchung ist der geplante Bau zweier Anbindungsleitungen für einen Offshore-Windpark durch die Amprion Offshore GmbH. Dafür sind außerdem weitere Arbeiten geplant.

Die geplanten Leitungen sollen von der Nordsee bis ins Osnabrücker Land und ins nördliche Nordrhein-Westfalen führen. Um die Auswirkungen auf die betroffenen Gebiete zu minimieren, werden die Gleichstromkabel größtenteils parallel verlegt. Die Kabel verlaufen unter der Insel Norderney hindurch und erreichen die Küste bei Hilgenriedersiel, bevor sie als Erdkabel bis zu ihren Netzverknüpfungspunkten in Wehrendorf und Westerkappeln weitergeführt werden.

Luftbilder ausgewertet

Ein zentraler Bestandteil der Vorarbeiten sind die Kampfmittelsondierungen, die von der Kampfmittelbergung Lüneburg GmbH durchgeführt werden. Laut Amprion waren im Vorfeld Luftbildaufnahmen ausgewertet worden. Im Bereich des Weißen Weges soll nun offenbar genauer nachgeschaut werden. Wie ein Amprion-Sprecher unserer Redaktion auf Anfrage mitteilte, wurde der Bereich bei der Luftbildauswertung als auch der historischen Recherche als potenzielle Kampfmittelverdachtsfläche ausgewiesen. „Im konkreten Fall ist es ein allgemeiner Verdacht, der daher untersucht werden muss“, so der Sprecher. Deshalb könne auch nicht gesagt werden, welche Art von Kampfmitteln sich möglicherweise unter dem Weißen Weg befinden könnte. Eine Eingrenzung habe bei der Auswertung der Luftbilder nicht vorgenommen werden können.

Beim Weißen Weg handelt es sich laut der Bekanntmachung um das einzige Flurstück in Südbrookmerland, das näher auf mögliche Kampfmittel untersucht werden soll. Über die Straße könnte später eine Zuwegung für Baufahrzeuge zur geplanten Trasse führen. „ Wir untersuchen nur Flächen, auf denen ein Kampfmitteilverdacht ausgewiesen wurde und welche in Relevanz zum geplanten Bau stehen – wie beispielsweise den Arbeitsstreifen, die Trasse selbst, Zuwegungen und so weiter“, so der Sprecher von Amprion.

Diese Verfahren zurErkundung gibt es

Die Kampfmittelerkundung erfolgt laut Amprion in den überwiegenden Fällen mittels Handgeräten von der Oberfläche aus. Im Falle eines Kampfmittelfundes werden die erforderlichen Bergungsarbeiten im Anschluss durchgeführt. Dazu könne gegebenenfalls der Einsatz von Fahrzeugen nötig sein.

Für die Suche nach Bomben, Granaten und anderer Kriegsmunition gibt es verschiedene Verfahren. Beispielsweise kann mit sogenannten Magnetsonden nach Metallteilen im Boden gesucht werden. Denkbar sind aber auch sogenannte Bohrlochsondierungen. Sie kommen dann zum Einsatz, wenn Kampfmittel in größerer Tiefe vorkommen können und nicht über die Oberflächensondierungen sicher erkannt werden können. Bei diesem Verfahren werden in einem Raster von etwa eineinhalb mal eineinhalb Metern Bohrlöcher mittels Bagger oder Bohrgerät bis zu einer Tiefe von etwa 10 m abgeteuft und diese mittels einer in das Bohrloch geführten Sonde auf verdächtige Objekte im Umfeld überprüft.

Notfalls wird der Boden gesiebt

Außerdem gibt es noch die sogenannten Volumenräumungen. Tauchen bei einer Oberflächensondierung zu viele Störkörper im Boden auf, ist eine sichere

Detektion von Kampfmitteln nicht möglich. Dann werden diese Bereiche durch eine Volumenräumung überprüft. Hierbei wird der betroffene Boden

bis zu einer Tiefe von einem, in Einzelfällen auch bis zu sechs Metern maschinell ausgehoben und gesiebt. Welches Verfahren am Weißen Weg zum Einsatz kommt, ist nicht bekannt. Der zuständige Mitarbeiter des ausführenden Unternehmens war am Dienstag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Neben den Kampfmittelsondierungen sind auch Vermessungsarbeiten und Fremdleitungserkundungen geplant. Diese Arbeiten erfolgen laut Amprion unter strenger Einhaltung der Bodenschutzbestimmungen und werden von einem Bodenkundler begleitet. Eigentümer von Flächen sollen frühzeitig benachrichtigt werden.

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